Auf den Spuren von Bischof Sigeric nach Rom

Auf den Spuren von Bischof Sigeric nach Rom

2022 bin ich ja auf dem Jakobsweg von St.-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela gewandert. Das ist nun fast 3 Jahre her. Da wurde es mal wieder Zeit, eine weitere Pilgerwanderung zu unternehmen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Weg war ich mir lange Zeit unschlüssig. Wichtig war mir vor allem, dass auf dem Weg nicht ganz so viel Betrieb war wie auf dem mittlerweile doch arg überlaufenen Camino Francés. Irgendwann stieß ich dann auf die Via Francigena. Hierbei handelt es sich um einen Pilgerweg, der von Canterbury in England durch Frankreich, die Schweiz und Italien bis nach Rom führt, etwas über 2000 km lang. Das klang für mich auf Anhieb verheißungsvoll. 4 verschiedene Länder, unterschiedliche Landschaften, eine zumindest einigermaßen gut etablierte Infrastruktur und vor allem ein nur mäßiges Pilgeraufkommen, das Ruhe, Entspannung und vielleicht auch ein bisschen innere Einkehr bedeutete – da wollte ich hin!

Der Weg geht zurück auf den englischen Bischof Sigeric, der im Jahre 990 nach Rom pilgern musste, um dort vom Papst das sog. Pallium, einen Wollschal zu erhalten als Zeichen seiner Ernennung zum Erzbischof. Auf dem Rückweg nach Canterbury hat Sigeric seine Etappen schriftlich festgehalten, so dass der Weg später einigermaßen gut rekonstruiert werden konnte. Er umfasst so ca. 90 Etappen, also 3 Monate, das müsste doch eigentlich zu schaffen sein. Allerdings nicht in einem regulären Jahresurlaub als arbeitender Mensch. So überlegte ich hin und her, entwickelte ein Modell, bei dem ich 3 Monate lang weiter so arbeiten würde wie bisher bei aber nur 50%iger Bezahlung, um mir dadurch Überstunden zu erarbeiten. Diese, zusammen mit meinem kompletten Jahresurlaub von 6 Wochen, müssten dann ausreichen, um eine dreimonatige Auszeit anzutreten. Allerdings stand natürlich auch noch die Zustimmung meines Arbeitgebers aus, die ich mit klopfendem Herzen erfragte, die mir aber zum Glück erteilt wurde, wofür ich sehr dankbar bin!

Im Rahmen der Vorbereitung buchte ich lediglich An- und Rückreise sowie einige der ersten Unterkünfte in England und Frankreich, den Rest wollte ich offen lassen. Meinen Rucksack gepackt habe ich genauso wie damals auf dem Jakobsweg, wobei ich jetzt wegen der Dauer der Tour und des dadurch unterschiedlichen Klimas nicht nur Sachen für warmes, sondern auch für kühleres Wetter mitnehmen musste, schließlich wollten ja sogar die Alpen überquert werden.

Am Montag, dem 05.05.2025 ging es endlich los, und die ersten Tage verliefen auch wie geplant und problemlos. Leider bildete sich aber nach ca. 3 Wochen unter meinem rechten Fuß ein Hühnerauge, das unter der andauernden Belastung beim Laufen immer größer wurde und sich schließlich entzündete, was mich zu einer ca. 10-tägigen Zwangspause verdonnerte. Erst danach konnte ich meine Pilgertour wieder aufnehmen und zum Glück auch von da ab ohne Probleme fortsetzen.

Leider fehlten mir durch die Zwangspause am Ende 10 Tage, so dass ich es nicht bis zum vorgesehenen Ziel Rom in der mir zur Verfügung stehenden Zeit geschafft habe. 250 km vorher musste ich meine Wanderung in Buonconvento nach etwas über 2000 absolvierten erwanderten Kilometern beenden. Den Weg nach Rom musste ich dann mit dem Zug zurücklegen, um von dort aus meinen geplanten Rückflug nach Hause anzutreten. Das war natürlich schade, aber die fehlenden Etappen hoffe ich, auf alle Fälle im nächsten Jahr nachholen zu können.

Ansonsten war die Wanderung der letzten 3 Monate aber ein grandioses Erlebnis mit bleibenden Erinnerungen. Ich habe wunderschöne Landschaften gesehen, viele freundliche Menschen kennengelernt, gutes Essen genossen und letztlich auch mit Freude und Genugtuung feststellen können, wozu mein Körper in der Lage ist.

Als ersten Eindruck meiner Pilgertour gibt’s hier ein paar Bilder, ob noch ein ausführlicher Bericht folgt, weiß ich nicht, da ich jetzt erstmal wieder zuhause ankommen muss, die Erlebnisse der letzten Wochen sortieren und die Unzahl an Fotos sichten, die ich in den letzten Wochen gemacht habe.

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