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Wesel – Lembeck

Dienstag, 27.04.2021: Auesee – Bärenschleuse

Los geht’s! Die heutige Tour sollte mich quasi einmal im großen Halbkreis rund um Wesel führen. Bei der Planung fiel mir, abgesehen von der Länge der Etappe, im Vorfeld diesmal leider noch ein anderes Manko des Hohe Mark Steigs auf: Start- und Endpunkt der Strecke lagen nämlich nicht so verkehrsgünstig, dass man nach der Wanderung bequem per ÖPNV wieder zum Auto am Start der Tour zurückfahren konnte. Tatsächlich lag der offizielle Startpunkt 1,8 km von der nächsten Bushaltestelle entfernt, der offizielle Endpunkt ebenfalls. Damit verlängerte sich die mit 23,4 km eh schon recht lange Etappe auf 27 km. Rechnet man noch den Schlenker zu Schloss Diersfordt hinzu, den ich in die Tour eingeschoben habe, bin ich heute insgesamt 28,6 km gewandert, also schon ein erkleckliches Stück Weg.

Geparkt habe ich den Wagen am Parkplatz des Naherholungsgebietes Auesee, der Größe dieses Parkplatzes nach muss hier im Sommer die Hölle los sein. Am offiziellen Start des Hohe Mark Steigs wurde natürlich ein Foto geschossen, eine große Tafel hatte man auch schon dort aufgestellt, die Wanderkarte, die darauf angebracht werden sollte, fehlte allerdings noch, so neu war der Weg! Ein kurzes Stück folgte er dem Ufer des Sees, hier waren um diese Jahreszeit noch nicht so viele Spaziergänger, aber umso mehr Graugänse unterwegs. Danach schwenkte der Weg, wiederum für ein kurzes Stück, auf den Deich oberhalb der Rheinauen. Den Rhein sah man leider nicht, dafür fiel der Blick auf den Campingplatz Grav-Insel, ein riesiges Areal, fast eine ganze Stadt, könnte man meinen. Es ging danach entlang einiger Häuser des Weseler Ortsteils Flüren, ehe der Weg in den Diersfordter Wald abbog. Hier war wochentags kaum etwas los, irgendwann erreichte ich ein Kriegerdenkmal und den Ehrenfriedhof, das Schloss Diersfordt, das ich schon von einer früheren Wanderung her kannte, lag gar nicht direkt am Weg, wie ich überrascht feststellen musste, das erforderte noch einen Umweg. Hier habe ich die Wegführung nicht wirklich verstanden, denn das Schloss ist ja eines der Highlights der Etappe, in meinen Augen mehr als der Ehrenfriedhof, da hätte der Weg eigentlich direkt daran vorbeiführen müssen, was laut Karte auch problemlos möglich gewesen wäre. So musste ich einen Abstecher machen, ehe es weiter durch den Diersfordter Wald ging.

Hier kam man jetzt in einen abgezäunten Bereich, in dem sich Rot- und Damwild, Muffelwild und Wildschweine tummeln sollten. Leider sah ich keines dieser Tiere, es war inzwischen aber auch schon mittags, in den Früh- oder Abendstunden sind die Chancen sicher größer. 2 Wanderwege hatte man hier angelegt, den Moorerlebnisweg und die Hirschkäferroute. Beide waren mit interessanten Informationstafeln zu Fauna und Flora versehen. Tatsächlich war besonders in diesem Areal die Landschaft auch sehr vielgestaltig, neben Wald gab es Dünen und Moore, zum Schutz der Moore verlief der Hohe-Mark-Steig teilweise auf einem Bohlenweg. Für Froschgequake war es vermutlich noch zu früh im Jahr und zu kalt, aber ich vermute, dass hier ein paar Wochen später einiges los sein wird. Nach dem Diersfordter Wald folgte ein längeres Stück durch Felder, leider auf Asphalt, überhaupt war der Asphaltanteil für einen komplett neu konzipierten Wanderweg zumindest in meinen Augen auf der 1. Etappe des Hohe Mark Steigs zu hoch, da hätte man sich eine bessere Wegführung gewünscht. Schließlich ging es wieder in den Wald und zum Schwarzen Wasser, einem zu- und abflusslosen See, der nur durch Regenwasser gespeist wird. Es folgte ein längeres Stück parallel zur Bahnlinie und dann der längste Asphaltteil der Tour durch den Weseler Ortsteil Blumenkamp, in dem viel Landwirtschaft betrieben wurde. Irgendwann erreichte ich die Issel und folgte dieser auf den letzten Kilometern, jetzt wieder auf einem schönen Pfad am Ufer entlang. So ging es bis zum Endpunkt der 1. Etappe bei der Bärenschleuse , die ihren Namen übrigens nicht von Meister Petz bekam, sondern vielmehr vom altdeutschen Wort für “Sperre”, also demselben Wortstamm wie z.B. das Wort Barriere. Die letzten 1,8 km auf dem offiziellen Zuweg nach Wesel verliefen schnurgerade durch einen schönen Wald, trotzdem war ich dann doch froh, endlich an der Bushaltestelle angekommen zu sein. Mit 1 x Umsteigen ging es mit dem Bus Richtung Auesee, und nach nochmal etwas über 1 km war ich schließlich wieder am Auto. Trotz der Kritikpunkte (lange Wegstrecke, hoher Asphaltanteil, schlechte ÖPNV-Anbindung) war es alles in allem doch ein toller und lohnenswerter Tag mit schönen, abwechslungsreichen Landschaften am Niederrhein bei herrlichem Frühlingswetter, der mich neugierig machte auf die kommenden Abschnitte des Wegs.