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Kastilien 1

Mittwoch, 14.09.2022: Santo Domingo de la Calzada – Belorado

Wie ├╝blich wurde es morgens mal wieder unruhig, die ersten kramten schon um 5 Uhr in ihren Sachen rum, ab da herrschte dann keine Nachtruhe mehr. Statt einfach Rucksack und Schlafsack zu nehmen, den Raum zu verlassen und alles andere drau├čen zu erledigen, ben├Âtigten manche Leute 15 bis 20 Minuten und mehr, bis sie endlich abmarschbereit waren. Da war an Schlaf nicht mehr zu denken! Irgendwann stand auch ich auf, ging ins Bad, und als ich mich letztlich fertig gemacht hatte, waren alle anderen schon abgereist, ich war mit einem anderen Spanier der letzte, es war noch nicht einmal 7:00 Uhr. Und das auch heute wieder an einem Tag, wo die meisten Leute vermutlich nur 20 km zur├╝cklegen mussten! Fr├╝hst├╝ck gab es hier in der Herberge nicht, also steuerte ich noch einmal die Promenade an in der Hoffnung, dort ein ge├Âffnetes Caf├ę zu finden. Tats├Ąchlich hatte auch derselbe Laden auf, in dem ich gestern zu Abend a├č. Ich g├Ânnte mir ein Bocadillo mit Schinken und K├Ąse, einen Milchkaffee und einen O-Saft und war dann startklar. Der Weg aus dem Ort hinaus war k├╝rzer als der am Vortag hinein, bald ging es durch die Felder, die Sonne stieg langsam ├╝ber den Horizont und warf ein sch├Ânes, warmes Licht auf die Umgebung. Weinberge gab es jetzt nicht mehr, hinter dem n├Ąchsten Ort Gra├▒on verlie├č ich dann auch endg├╝ltig La Rioja und betrat kastilischen Boden. Meine erste Pause legte ich in Redecillo ein, um von dort aus zu versuchen, mir ├╝ber’s Handy eine Unterkunft f├╝r die ├╝bern├Ąchste Nacht zu reservieren, denn in meinem Zielort schienen die Herbergen ziemlich rar ges├Ąt. Das klappte zum Gl├╝ck auch ganz gut, wobei ich mir erstmal mit einen Link zuschicken lassen musste, ├╝ber den ich dann den entsprechenden Betrag ├╝berweisen konnte – was man heutzutage nicht alles w├Ąhrend einer Wanderung von unterwegs aus erledigen kann, fr├╝her w├Ąre sowas nicht m├Âglich gewesen! Insgesamt war die heutige Etappe, da waren sich alle, die ich gefragt hatte, einig, eher nicht attraktiv. Die Sch├Ânheit der Landschaft hatte etwas nachgelassen, es ging nur noch vorbei an abgem├Ąhten Getreidefeldern oder Feldern mit vertrockneten Sonnenblumen. Noch mehr st├Ârte aber die Tatsache, dass der Weg heute wieder sehr h├Ąufig ├╝ber Schotterpisten parallel zu st├Ąrker frequentierten Landstra├čen verlief, das war wirklich nicht so prickelnd, das hatten wir gerade in den ersten Tagen in Navarra deutlich anders und sch├Âner! Schade, auch hier h├Ątte man den Weg meiner Meinung nach ruhig ein bisschen mehr ├╝ber Feldwege durchs Hinterland f├╝hren k├Ânnen. Speziell die letzten Kilometer bis Belorado zogen sich, denn auch hier ging es immer nur an der Stra├če entlang. Irgendwann aber hatte ich dann doch den ganz h├╝bschen und gepflegten Ort erreicht, es war erst um die Mittagszeit. Auch hier, wenn auch nicht ganz so extrem wie am Vortag, musste ich beim Check-In eine ganze Zeit warten, jeder Einzelne bekam wieder aufs Neue alle wichtigen Einzelheiten zum Aufenthalt in der Herberge erkl├Ąrt. Die Herberge selbst machte einen recht ordentlichen und gepflegten Eindruck, unser Sechsbett-Zimmer hatte eine eigene Dusche, eine eigene Toilette und zwei eigene Waschbecken, eines f├╝r die W├Ąsche und eines zum H├Ąndewaschen, dazu gab es als Kr├Ânung, einen Balkon mit ganz h├╝bscher Aussicht. Nachdem ich die W├Ąsche von mir und meiner verschwitzten Kleidung erledigt hatte, dreht ich die ├╝bliche, kleine Runde durch den Ort. Der Ortskern sah zwar nicht ganz so h├╝bsch-historisch aus wie in Santo Domingo, aber, wie schon gesagt, schien Belorado durchaus gepflegt. Auff├Ąllig waren hier ziemlich viele Wandgem├Ąlde oder Murales, es hatte den Anschein, als ob sich Belorado hier besonders hervortun wollte, was auch gelang. Lange konnte ich mich nicht entscheiden, wo ich zum Mittagessen einkehren sollte, denn es war ja noch recht fr├╝h. Schlie├člich wurde es “La Huella del Camino”, f├╝r 12,50 Euro gab es dort ein Pilgermen├╝ bestehend aus Knoblauchsuppe, Zitronenh├╝hnchen und Zitronenmousse, dazu, wie ├╝blich, einem Schluck Wein. Anschlie├čend stieg ich hoch auf die Burgruine ├╝ber der Stadt, um den Ausblick von dort oben zu genie├čen. Naja, war ganz h├╝bsch, aber nicht spektakul├Ąr. Die letzten Stunden des Nachmittags verbrachte ich auf dem Zimmer, entspannte ein wenig, ehe es um 19:30 Uhr in der Herberge zum Abendessen ging. Ich sa├č wieder am Tisch mit Brian aus Seattle, den ich schon aus Estella kannte, au├čerdem noch einer ├Ąlteren Amerikanerin und ihrem Sohn, die den Jakobsweg in Etappen pilgern, das gab eine ganz nette Unterhaltung. Das Essen war auch in Ordnung, nichts Dolles, aber auch nicht schlecht. Besonders lecker war hier tats├Ąchlich der Wein, weshalb wir vier auch noch eine zweite Flasche orderten, so schnell war die erste leer. Nach einem kleinen Verdauungsspaziergang durch den abendlichen Ort ging es gegen 21:45 Uhr zu Bett.

­čąż: 23,6 km

Donnerstag, 15.09.2022: Belorado -Ag├Ęs

Und wieder ein neuer Tag! Heute Nacht habe ich sehr gut geschlafen, alle sechs Personen in meinem Schlafsaal waren ziemlich ruhig. Morgens ging zwar der eine oder andere Wecker, aber niemand macht wirklich Anstalten aufzustehen. Als ich selbst dann das erste Mal auf die Uhr schaute, war es schon 6:40 Uhr! Ich machte mich dann auch kurz im Bad fertig und war dann gegen 7:00 Uhr startbereit. Es ging hinaus aus der dunklen Stadt, in den Feldern wurde es langsam hell, ein toller Sonnenaufgang zeigte sich hinter meinem R├╝cken. Fr├╝hst├╝ck gab es in der Herberge nicht, stattdessen erhielt man, wenn man wollte, am Vorabend ein Lunchpaket, das verzehrte ich dann gem├╝tlich auf einem nett angelegten Picknickplatz kurz vor dem n├Ąchsten Ort. Insgesamt gab es heute drei Orte zu durchqueren, bevor ein langes Waldst├╝ck folgte, die Montes de Orca, das sicher die H├Ąlfte des Weges ausmachte. Im letzten Ort, bevor der Wald anfing, legte ich noch einmal eine Pause ein, trank einen Kaffee und g├Ânnte mir ein Fladenbrot mit drei W├╝rstchen, so eine Art Chorizo, fettig, aber sehr lecker! Dazu gab es wieder einen frisch gepressten Orangensaft, ehe der Aufstieg in die Berge begann, denn wie der Name Montes de Orca schon verspricht, ging es nun aufw├Ąrts. Der Anstieg war durchaus knackig, es ging f├╝r eine l├Ąngere Zeit nach oben, bis ich schlie├člich wieder auf mehr als 1100 m H├Âhe war. Der Weg war breit, lie├č sich daher auch ganz gut gehen. Sp├Ąter wurde die Landschaft wieder flacher, die Wege noch breiter, zogen sich teilweise schnurgeradeaus, da war das Gehen dann etwas langweiliger, obwohl der Wald nat├╝rlich eine sch├Âne Abwechslung zu den Feldern der Tage zuvor war. Auch ansonsten war heute positiv zu vermerken, dass im Gegensatz zum Vortag mal wieder nur kurze Strecken nah an oder parallel zu Landstra├čen verliefen, ansonsten ging es heute meist durch die Natur, das hat mir deutlich besser gefallen. Nach etwas ├╝ber 12 km kam man beim ehemaligen Kloster San Juan de Ortega an. Dort g├Ânnte ich mir eine Cola und auch einen Blick in die Kirche. Eindrucksvoll war hier vor allem das Grabmal des namensgebenden Heiligen, der sich viel um die Pilger gek├╝mmert und hier eine Pilgerstation eingerichtet hatte, die dann den Grundstock f├╝r das Kloster bildete. Leider gab es keinen Stempel in der Kirche – schade! Schlie├člich folgten noch einmal knapp 5 km, wieder durch den Wald, bis mein heutiges Tagesziel Ag├ęs erreicht war. Das Einchecken in der Albergue ging heute etwas schneller, gebucht hatte ich ein 8er-Zimmer. Das teilte ich mir mit einer Berlinerin und jeweils einem Paar aus den USA, Frankreich und Spanien. Wie ├╝blich wurde geduscht, die W├Ąsche gewaschen und auf einem W├Ąschest├Ąnder aufgeh├Ąngt. Leider sollte es w├Ąhrend des Abendessens sp├Ąter noch wie aus Eimern gie├čen, so dass die fast schon getrocknete W├Ąsche wieder komplett nass wurde, nachdem ich verga├č, sie rechtzeitig abzunehmen, das war recht ├Ąrgerlich. Vor dem Abendessen drehte ich noch eine Runde durch den Ort, der einige erhaltenswerte und historische Bausubstanz hatte, alte Bauernh├Ąuser, ein bisschen Fachwerk usw. Sehenswert war insbesondere die Kirche, in der es sogar einen Stempel gab. Au├čerdem hatte man noch eine alte Hufschmiede wieder hergerichtet, bei der man die Halterung sehen konnte, in die die Pferde fr├╝her zum Beschlagen der Hufe eingespannt wurden. Das Abendessen nahm ich in einem Burgerlokal ein, eine ganz sch├Âne Abwechslung nach den Pilgermen├╝s der letzten Tage. Das Lokal war auch nett und urig eingerichtet. Nach dem Abendessen war ich gegen 21:00 Uhr wieder im Zimmer und besch├Ąftigte mich noch ein wenig mit dem Internet, bis um 21:30 Uhr einer meiner Bettnachbarn das Licht ausmachte, nachdem die ersten Mitschl├Ąfer schon weg genickt waren.

­čąż: 27,9 km

Freitag, 16.09.2022: Ag├Ęs – Burgos

Die letzte Nacht war wieder etwas unruhiger, irgendwie sind die ├Ąlteren Herrschaften in meinem Zimmer mehrfach in der Nacht aufgestanden, ich dachte immer schon, es w├Ąre um 6:00 Uhr, aber vermutlich mussten sie nur zur Toilette, denn irgendwann ging dann doch um 6:00 Uhr ein Wecker. Alle drei Ehepaare fingen dann an, ihre Sachen zu packen, die beiden Amerikaner brauchten daf├╝r geschlagene 45 Minuten und meinten auch noch, sich bei der ganzen Aktion st├Ąndig dar├╝ber unterhalten zu m├╝ssen, wie sie z.B geschlafen haben und so weiter. Ziemlich r├╝cksichtslos, fand ich! Gegen 6:30 Uhr bin ich daher auch aufgestanden, da an Schlaf nicht mehr zu denken war, habe mich fertig gemacht und bin um 7:00 Uhr losmarschiert. Das Lokal “Zum Alchimisten” direkt an der Ecke hatte schon ge├Âffnet, ein paar Pilger standen schon Schlange, deshalb kehrte auch ich dort ein, um ein Baguette mit K├Ąse und Tomaten und einen Milchkaffee als St├Ąrkung f├╝r den Start in den Tag zu vertilgen. Die Berlinerin schloss sich mir wieder an, und bis kurz vor Burgos sind wir zusammen gewandert, war auch ganz nett, mal etwas Gesellschaft zu haben. Die Strecke war nicht spektakul├Ąr, aber durchaus ganz okay, gerade vor dem Hintergrund, dass man heute in eine gr├Â├čere Stadt wanderte. Es ging zun├Ąchst noch flach durch die Felder, sp├Ąter einen H├╝gel hinauf, wieder bis auf ├╝ber 1000 Meter, von oben bot sich dann auch erstmals ein weiter Blick ├╝ber die Meseta und bis hin nach Burgos. Auf der anderen Seite ging es den H├╝gel wieder runter und in einem Caf├ę dort im n├Ąchsten Ort kehrten wir ein. Es gab hier superleckeren, frisch gepressten Saft aus Himbeeren, Banane, Orange, Erdbeere und ich wei├č nicht was noch alles, wirklich gut. So gest├Ąrkt liefen wir weiter, bis wir kurz vor dem Flugplatz vom eigentlichen Jakobsweg abgebogen und die Alternativroute nahmen, die angeblich deutlich sch├Âner sein soll, was sich auch wohl bewahrheitete. Zun├Ąchst ging es am gesamten Flugplatz entlang, allerdings war kaum Flugbetrieb, nur ein paar Sportflieger, nicht viel los. Es folgte dann ein kleines Industriegebiet, bis wir schlie├člich den Fluss Rio Arlanz├│n erreichten. Der gesamte Rest des Wegs f├╝hrte nun immer am S├╝dufer entlang, viele Kilometer, durch Parks und Naherholungsanlagen, bis ins Stadtzentrum von Burgos. Es musste nicht eine Stra├če gequert werden, gr├Â├čere Stra├čen unterlief man stets mittels Unterf├╝hrungen. So hat man die Au├čenbezirke von Burgos wirklich gut vermeiden k├Ânnen! Zum Schluss zog es sich allerdings doch etwas, aber das war noch ganz okay. Gegen 13:00 Uhr war ich dann schon im Stadtzentrum angekommen. Allerdings konnte ich erst ab 14:00 Uhr in meinem vorgebuchten Hostal einchecken, deshalb setzte ich mich noch auf eine Bank, schrieb ein bisschen Tagebuch und las mich schon mal im Reisef├╝hrer ├╝ber die Stadt ein. Kurz vor 14:00 Uhr ging ich zu meiner Unterkunft, konnte auch mein Einzelzimmer beziehen, das ich schon von zuhause aus vorab gebucht hatte und das sch├Ân im zweiten Stock ruhig nach hinten raus lag – perfekt! Es war einfach, aber sauber und alles okay, f├╝r 40 ÔéČ kann man wirklich nicht meckern. Danach suchte ich mir einen nahegelegenen Supermarkt, der keine Siesta hatte, um ein paar Lebensmittel zu kaufen und machte auf dem Zimmer kurz Picknick. Anschlie├čend wusch ich W├Ąsche, duschte und entspannte ein bisschen, ehe ist zum ersten Mal in die Altstadt ging zum Abendessen. Die Sonne stand schon ziemlich tief, warf dadurch ein sch├Ânes Licht in die Gassen der Altstadt, wo um diese Zeit, gegen kurz nach 19:00 Uhr, schon ├╝berraschend viel Betrieb war, aber schlie├člich wurde am heutigen Freitag ja auch das Wochenende eingel├Ąutet, da schienen nicht nur die Touristen, sondern auch alle Einheimischen auf Achse. Ich drehte eine erste Erkundungsrunde zu Orientierung und traf dann zuf├Ąllig in der “Fressgasse” Calle San Lorenzo ein paar bekannte Gesichter, die ich z.T. schon am ersten Tag in Roncesvalles abends kennengelernt hatte. Mit ihnen a├č ich in der Tapasbar La Perla Arandina zu Abend, ich entschied mich f├╝r Tintenfisch und die hiesige Spezialit├Ąt Morcilla, eine Art von Blutwurst, die lauwarm serviert wurde, eher wie eine lockere Frikadelle von der Konsistenz her, aber durchaus ganz lecker, obwohl Blutwurst eigentlich nicht meins ist. Nach einigem Rotwein und einem ebenfalls sehr leckeren, galizischen Kr├Ąuterlik├Âr zum Abschluss war ich gegen 23:00 Uhr wieder zur├╝ck in meiner Unterkunft und fiel in einen ruhigen und entspannten Schlaf.

­čąż: 22,6 km

Samstag, 17.09.2022: Burgos

Tats├Ąchlich war die Nacht sehr gut, ich war ├╝berrascht, als um 8:00 Uhr der Wecker ging. Nachdem ich mich endlich einmal nach l├Ąngerer Zeit wieder rasiert hatte, ging es in die Stadt. Dort steuerte ich zun├Ąchst eine B├Ąckerei an und g├Ânnte mir ein herzhaftes und ein s├╝├čes Teilchen, zusammen mit einem Milchkaffee, um gest├Ąrkt den Tag anzugehen. Danach stieg ich hoch zum Castillo ├╝ber der Stadt, leider ging der Blick Richtung Innenstadt genau ins Gegenlicht. Dumm geplant! Das Castello selbst war auch nicht so wahnsinnig eindrucksvoll, ein paar Steinruinen, ├╝ber die man Metallgitterwege verlegt hatte, mehr war da nicht. Selbst der Blick ├╝ber Burgos war von den Ruinen aus nicht so gut wie von der Aussichtsplattform etwas unterhalb. Es gab auch noch zwei Ausgrabungsr├Ąume in der Burg, die aber beide geschlossen waren – schade! Immerhin war der Eintritt aber auch umsonst! Das Spannendste war noch der Brunnen, der ├╝ber 60 m in den Fels hineinragte und an seiner Seite zwecks besserer Versorgung von Wendeltreppen begleitet wurde. Ziemlich eindrucksvoll! Nach der Besichtigung stieg ich wieder hinab in die Stadt, und machte mich als erstes auf ins Pilgerb├╝ro, um einen zweiten Pilgerausweis zu besorgen, denn meiner w├╝rde definitiv nicht mehr bis zum Ende der Tour reichen. Danach schaute ich mir noch das schicke Stadttor von Burgos an, ehe ich mich in die Kathedrale begab. Dort verbrachte ich dann auch mindestens zwei Stunden, so eindrucksvoll und interessant war es hier, ein gro├čartiges Bauwerk! Ich entschied mich daf├╝r, den Audioguide kostenlos runterzuladen, der an verschiedenen Stationen Infos auch auf Deutsch gab, das hat sich echt gelohnt. Ich habe mir auch fast alle Beitr├Ąge angeh├Ârt, da man auf viele Dinge aufmerksam gemacht wurde, die man sonst vielleicht nicht gesehen oder verstanden h├Ątte. Am beeindruckendsten der gesamten Anlage fand ich die Konnotablenkapelle hinter dem Hauptaltar und au├čerdem dessen R├╝ckwand mit tollen Steinmetzarbeiten. Aber auch die diversen anderen Nebenkapellen waren zum Teil wundersch├Ân ausgeschm├╝ckt, wenn sie auch aus diversen Epochen stammten, von der Gotik bis fast in die Neuzeit. Und beim “Fliegenschnapper”, einer mechanischen Uhr, die zu jeder vollen Stunde in der entsprechenden Stundenzahl den Mund auf und zu macht, hatte ich Pech, dass ich gerade um 1 Uhr da war, da passierte das nat├╝rlich nur einmal, das ging so schnell, dass ich es gar nicht mitbekommen habe – egal! Nach der ausgiebigen Erkundung des Kirchenschiffes ging es noch in den Kreuzgang, der sich sogar ├╝ber zwei Etagen erstreckte, da die Kirche ja an den Hang gebaut war. Die oberste Etage hatte einige sch├Âne Exponate, die dort ausgestellt waren, ebenfalls noch einige Seitenkapellen, wobei in einer davon das Museum der Kirche untergebracht war. Die untere Etage war dann nicht mehr ganz so eindrucksvoll, zeigte vor allem Bilder aus der Entstehungszeit des Domes. Nachdem ich die Besichtigung der Kirche von ihnen beendet hatte lief ich noch au├čen herum, um mir die verschiedenen Portale anzuschauen, die auch sehr sehenswert waren. Da es mittlerweile schon deutlich sp├Ąter war, unternahm ich einen nochmaligen Aufstieg zur Aussichtsplattform unterhalb der Burg, und diesmal hat es sich auch gelohnt, der Blick von dort oben auf die Altstadt war wirklich sch├Ân. Anschlie├čend, ich hatte ein wenig Hunger, steuerte ich direkt ein Caf├ę in der N├Ąhe meines Hostals an, um einen Milchkaffee, einen Orangensaft und ein Schoko-Orangen-Teilchen zu genie├čen. Au├čerdem kaufte ich mir im Supermarkt noch ein wenig Lebensmittel f├╝r mein morgiges Fr├╝hst├╝ck ein, da leider vor der von mir vorgesehen Abfahrt des Busses offensichtlich kein Fr├╝hst├╝ckslokal ge├Âffnet hat. Danach machte ich zwei Stunden Siesta auf meinem Zimmer, ehe ich mich wieder auf den Weg in die Stadt machte, denn langsam bekam ich Hunger aufs Abendessen. Ich wollte gerne ein Pilgermen├╝ essen und entschied mich daher f├╝r das Lokal El Soportal, in dem ich schon zwei deutsche Mitpilger sitzen sah, die mir das Essen empfahlen, ebenso wie mir das Lokal auch von meinem Hostal empfohlen wurde. Ich hatte als Vorspeise zwei Pfirsiche mit Thunfischsalat und Mayonnaise, etwas gr├╝nem Salat und Tomaten, als Hauptgang Fisch (Wolfsbarsch) mit Knoblauchso├če, beides war sehr lecker, insbesondere der Fisch war ganz zart, auf dem Punkt genau. Zum Nachtisch hatte ich Tiramisu bestellt, gebracht wurde dann allerdings Milchreis mit Zimt, war aber auch ganz lecker. Anschlie├čend bestaunte ich noch ein wenig die abendlich erleuchtete Kathedrale, die auch im Dunkeln wirklich eindrucksvoll wirkte und ging dann durch die Altstadt wieder ins Hotel zur├╝ck, wo ich gegen 23:15 Uhr das Licht l├Âschte. Eines ist mir noch aufgefallen hier in Burgos, und da stimmten die Angaben im Reisef├╝hrer tats├Ąchlich mit meinem Gef├╝hl ├╝berein: das Wetter ist hier in der Tat sehr eigenartig! Wenn die Sonne schien, war es teilweise wirklich sch├Ân warm, morgens und abends aber auch ├╝berraschend k├╝hl. Und selbst bei Sonnenschein ging oft ein kalter Wind, so dass man manchmal gar nicht wusste, wie man sich genau anziehen muss – T-Shirt oder Daunenjacke, wie es der Reisef├╝hrer ausdr├╝ckte. Komisches Wetter! Trotzdem war es eine tolle Stadt, und insbesondere die Kathedrale hat ihren UNESCO-Welterbestatus redlich verdient!

Sonntag, 18.09.2022: Burgos – Castrojeriz

Wieder habe ich ganz gut geschlafen, aber in den Morgenstunden ein bisschen unruhig, vermutlich hatte ich Angst, den Bus zu verpassen. Denn um die heutige, doch recht lange Strecke von ├╝ber 40 km etwas abzuk├╝rzen, habe ich mir vorgenommen, bis an den Stadtrand dann doch mal den ├Âffentlichen Bus zu nehmen, dadurch konnte ich 5 km Fu├čweg durch unsch├Âne Vororte sparen. Zuerst habe ich aber noch mal geduscht und dann meine Lebensmittel, die ich am Vortag gekauft habe, gefr├╝hst├╝ckt. Gegen 8:10 Uhr verlie├č ich das Hostal, genug Zeit, um den Bus um 8:30 Uhr zu erwischen. Dachte ich jedenfalls. Als ich mich langsam der Bushaltestelle n├Ąherte, es war 8:14 Uhr, kam der Bus schon von hinten angefahren! So habe ich ihn gerade noch erwischt. Die Abfahrtszeiten scheinen hier nur seeehr grobe Richtwerte zu sein! Auf jeden Fall war ich dadurch schon 25 Minuten eher an der Universit├Ąt, wo ich meine Wanderung starten wollte. F├╝r mich war das ganz sch├Ân, aber wenn ich den Bus verpasst h├Ątte, h├Ątte ich mich doch sehr ge├Ąrgert, denn sonntagfr├╝h fuhren die Busse nur recht selten. Es war auch heute fr├╝h wieder recht frisch, daher war es der erste Tag, an dem ich morgens mit Fleecejacke loswanderte. Sobald sich die Sonne zeigte, wurde es aber rasch w├Ąrmer. Der Weg f├╝hrte hinter der Universit├Ąt bald raus aus st├Ądtischen Gefilden und durch die Felder. Die Landschaft wurde ziemlich rasch ziemlich karg, wenig B├Ąume, die Sonne knallte. Nur ab und zu, dort, wo B├Ąche entlang liefen, die noch Wasser f├╝hrten, gab es so eine Art gr├╝ne Oasen. Ich passierte einige wenige Orte, die alle ganz h├╝bsch, wenn auch ein wenig verschlafen wirkten. Besonders sch├Ân gelegen in einer Talmulde war Hontanas, das auch einige Herbergen aufwies und wo ich eigentlich zuerst ├╝bernachten wollte, das aber schon recht ausgebucht schien. Dadurch wurde es f├╝r mich heute ein ziemlich langer Tag, insgesamt 37 km, bis ich endlich Castrojeriz erreichte. Sehensw├╝rdigkeiten gab es aber auch nicht viele unterwegs, so wurde es ein reiner Wandertag. Wirklich sch├Ân war, dass sich ab Hontanas die Landschaft ein wenig ├Ąnderte. Die kargen Hochebenen verschwanden, stattdessen verlief der Weg parallel zu einer Stra├če auf Feldwegen durch ein ├╝berraschend gr├╝nes Tal, recht idyllisch. Sp├Ąter f├╝hrte der Weg dann leider direkt ├╝ber diese Stra├če, was aber nicht so schlimm war, da mir in einer Stunde gerade einmal so ca. f├╝nf Autos begegneten. Die Ruinen von St. Ant├│n, die ich passierte, waren recht eindrucksvoll, nahezu gigantisch, aber ich musste ja weiter, hatte noch einige Kilometer bis zum Ziel. Pause gemacht hatte ich lediglich kurz in Hontanas, um einen Kaffee zu trinken. Apfelkuchen war zwar drau├čen an dem Lokal angeschlagen, den h├Ątte ich gerne dazu gegessen, aber den gab es leider nur in Verbindung mit einem ganzen Men├╝ und daf├╝r fehlte mir aber die Zeit, so gro├č war mein Hunger auch nicht. Schlie├člich erreicht um 16:45 Uhr Castrojeriz und checkte bei der Unterkunft ein, die ich zuvor ├╝ber booking.com reserviert hatte. Nach Duschen und W├Ąschewaschen machte ich noch einen kleinen Ausflug in die Kirche Sta. Maria de Manzanas. Es sah so aus, als sei die Kirche entweiht, in den Seitenschiffen und Kapellen hatte man teilweise ein Museum mit sakralen Kunstgegenst├Ąnden eingerichtet, dennoch wirkte auch das ├╝brige Kircheninnere sehr sch├Ân, insbesondere die gro├čen Alt├Ąre. Um 19:00 Uhr gab es koreanisches Abendessen in der Albergue, da die Herbergsmutter Koreanerin war. Das war mal eine nette Abwechslung nach all dem spanischen Essen der letzten Tage!

­čąż: 37,5 km