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Navarra 1

Samstag, 03.09.2022: Anreise nach St.-Jean-Pied-de-Port (Frankreich)

Um 5 Uhr ging der Wecker und bald schon ging es los mit dem Auto Richtung Flughafen. Bei meiner Ankunft in Köln gab es eine ziemlich lange Schlange an der Sicherheitskontrolle, die wurde immer lĂ€nger, je weiter die Zeit voranschritt. Erstmal musste ich allerdings einchecken, das ging zu GlĂŒck flott, denn hier war nur ein Passagier vor mir dran. Dann habe ich mich in die Schlange zum Sicherheits-Check gestellt. Als ich endlich den Eingangsbereich des Sicherheits-Checks erreicht hatte, habe ich erst gesehen, dass ich dort den „Fast Track“ hĂ€tte nutzen und direkt an der Schlange vorbei gehen können. Schließlich hatte ich das ja extra vorgebucht! Also fix aus der Schlange raus und durch eine zweite Schleuse, nach insgesamt 30 Minuten war ich dann durch die Sicherheitskontrolle durch. Jetzt hatte ich noch ĂŒber zwei Stunden Zeit. Also bin ich mal wieder viel zu frĂŒh vor Ort gewesen, aber sicher ist sicher… Der Flieger war recht pĂŒnktlich, die Sitze bei Ryanair, mit denen ich zum ersten Mal in meinem Leben flog, waren nur mĂ€ssig bequem, mit Plastikschale, eine Verstellbarkeit in der RĂŒckenlehne gab es nicht, aber fĂŒr zwei Stunden ging’s. Unterwegs habe ich beim Blick nach draußen nicht viel gesehen, da wir die ganze Zeit ĂŒber Wolken geflogen sind, auch die PyrenĂ€en lagen weiter in der Ferne als gedacht, waren daher nicht so eindrucksvoll, wie ich mir das vorgestellt hatte. Fast noch pĂŒnktlich sind wir in Biarritz gelandet. Interessanterweise gab es hier eine Passkontrolle, und das trotz EU-Flug – seltsam! Mein Transport-Shuttle von Express Bourricot, der mich nach St.-Jean-Pied-de-Port bringen sollte, sollte um 14 Uhr kommen, tatsĂ€chlich war er erst 20 Minuten spĂ€ter da, da sich noch ein Flieger mit weiteren Mitfahrern verspĂ€tete. Wir Wartenden wurden darĂŒber aber per SMS informiert, insofern war das ganz okay und durchaus nachvollziehbar. Netterweise setze mich die Fahrerin direkt bei meinem Hotel ab, da das an der Ortseinfahrt lag, sehr praktisch! Ich checkte ein, leider habe ich den ĂŒber 80-JĂ€hrigen Besitzer mit durchgemachtem Schlaganfall und dadurch ziemlich nuschelndem Französisch nur sehr schwer verstanden, das Wichtigste war mir aber doch klar. Kurz ging ich dann zum Lidl in der NĂ€he, um ein paar MĂŒsliriegel als Wegzehrung und GetrĂ€nke zu kaufen, und habe danach dann einen Stadtbummel gemacht.

St.-Jean-Pied-de-Port ist ein hĂŒbsches Örtchen, wenn auch recht touristisch, außerdem war ja Wochenende, daher war ziemlich viel los! Ich lief hinauf zur Zitadelle mit schönem Ausblick, danach durch die Hauptstraße des Ortes, auf der gleichzeitig der Jakobsweg entlang fĂŒhrte. Die war hĂŒbsch angelegt und es lagen hier ziemlich viele Pilgerherbergen wie auch das PilgerinformationsbĂŒro. In dem war ganz ordentlich Betrieb, man musste draußen warten, ehe man endlich eingelassen wurde, der Laden war rappelvoll. Im PilgerbĂŒro habe ich dann meinen ersten Stempel im Pilgerpass erhalten, ein tolles GefĂŒhl! Anschließend bin ich noch ein wenig ĂŒber die Stadtmauer gelaufen und habe mir danach etwas zu essen gesucht. Allerdings musste ich noch ein wenig warten, denn die Lokale öffneten fĂŒrs Abendessen erst ab 19 Uhr – fast schon spanische VerhĂ€ltnisse! Ich gönnte mir erst ein herzhaftes Galette, danach ein sĂŒĂŸes Crepe, trank dazu einen Cidre, das alles war nicht ganz gĂŒnstig, aber wirklich lecker und auch sĂ€ttigend. Anschließend lief ich zurĂŒck zum Hotel, das nicht in St. Jean selbst, sondern in einem Nachbarort lag, und packte dort alles fĂŒr den nĂ€chsten Tag. Die Aufregung stieg, ich war gespannt, ob ich den nĂ€chsten Tag problemlos bewĂ€ltigen wĂŒrde, immerhin bot er einige Herausforderungen fĂŒr mich: die LĂ€nge, die Höhenmeter, und auch ordentliche Hitze war angesagt: ĂŒber 30 Grad! Wir werden sehen!

Sonntag, 04.09.2022: St.-Jean-Pied-de-Port – Roncesvalles

Es geht los! Und gleich mit einem der schwierigsten Tage auf dem ganzen Weg! Um 7:00 Uhr gab es FrĂŒhstĂŒck, das war fĂŒr 9 € sehr ĂŒppig und lecker, speziell fĂŒr französische VerhĂ€ltnisse! Abmarsch war um 7:40 Uhr, ich sollte etwas ĂŒber 7 Stunden brauchen fĂŒr meine heutige Etappe, das war aber deutlich schneller, als ich gedacht habe. TatsĂ€chlich war die Steigung akzeptabel, nur ein nicht allzu langes StĂŒck von Honta bis hinter Orisson war extrem steil, ansonsten waren die Steigungen fast durchweg gemĂ€ĂŸigt. Teilweise ging es auch ĂŒber asphaltierte Fahrstraßen, der Weg war also einfach zu begehen, da hat man die Höhenmeter gar nicht so wahnsinnig gemerkt. Morgens herrschte noch toller Nebel im Tal, der sich lichtete, je mehr die Sonne rauskam und je höher ich stieg. Ganz tolle Lichtstimmungen! Es waren extrem viele Menschen unterwegs, viel mehr, als ich das befĂŒrchtet hatte. Ich hoffe, das ist kein schlechtes Omen fĂŒr die weiteren UnterkĂŒnfte auf dem Weg, die ich noch nicht vorher gebucht habe! Nachdem man die bewaldeten Zonen verließ und auf die Hochebenen kam, wurde es sehr windig. Entgegen dem, was ich gedacht habe, habe ich dort daher nicht geschwitzt, sondern teilweise sogar fast ein bisschen gefroren. Zum GlĂŒck ließ der Wind nach einiger Zeit wieder nach. In der Ferne sah man toll die spitzen Gipfel der PyrenĂ€en. Auch ein paar Geier kreisten immer mal wieder ĂŒber dem Weg. Erst wollte ich in Orisson Mittagsrast machen, da ich aber schon nach zwei Stunden dort war, war mir das zu frĂŒh. So war ich froh, um die Mittagszeit auf einen Foodtruck zu treffen, auf den man mich gestern schon im PilgerbĂŒro hingewiesen hat. Ich gönnte mir dort eine Banane und eine Cola. Außerdem hatte ich kurz zuvor noch eine Camembertecke und eine Madeleine gegessen, die ich vom FrĂŒhstĂŒck mitgenommen hatte. Schließlich verließ der Wanderweg am Kreuz von Thibault die Straße und fĂŒhrte ĂŒber Pfade und Forstwege, jetzt meist eben, teilweise sogar schon wieder etwas bergab. Dabei ging es durch schöne WĂ€lder. Überall blĂŒhten Herbstzeitlose. Die Grenze zwischen Spanien und Frankreich habe ich ĂŒberhaupt nicht gemerkt, so unscheinbar war diese. Es folgte noch ein letzter Aufstieg zum höchsten Punkt der Etappe, wo sich dann erstmals ein Blick in das vor mir liegende Tal mit dem Kloster von Roncesvalles auftat, ein herrlicher Anblick! Da der direkte Abstieg steil und gefĂ€hrlich sein sollte, hatte man mir im PilgerbĂŒro die Straße zum Rolandsdenkmal empfohlen, die ich und die meisten anderen Pilger dann auch entlang wanderten. Es ging ab jetzt stetig bergab, bis ich auf die Hauptstraße traf. Kurz zuvor gab es noch einige Bunker zu sehen, interessante Relikte aus der unschönen Zeit der Franco-Ära. Die letzten Meter fĂŒhrte der Pfad dann wieder durch den Wald parallel zur Straße, bis ich schließlich das Kloster Roncesvalles erreichte. Wie schon gesagt war ich viel schneller dort als gedacht und auch gar nicht so erschöpft, wie ich das befĂŒrchtet hatte. Ich hoffe, das ist ein gutes Omen fĂŒr die kommenden Tage!

In der Herberge war schon viel Betrieb, ich musste deshalb noch ca. 15 Minuten „Schlange stehen“ und warten, bis ich einchecken und mein Bett beziehen konnte. Alles war aber gut durchorganisiert, die Hospitaleros, alle aus Holland, sehr nett und freundlich, die SchlafsĂ€le waren sauber und gut gelĂŒftet. Lediglich die Anzahl der Duschen und Toiletten kam mir doch ziemlich knapp vor. Nachdem ich mein Bett bereitet hatte, duschte ich erstmal und drehte dann eine kleine Runde durch den Ort. Der hat im Übrigen nur 20 Einwohner, war also nicht wirklich groß, wenn die Pilgerherberge voll war, hatte sich die Zahl der Menschen in dem Ort fast verzehnfacht! Ich warf auf meiner Runde einen kostenlosen Blick in die Kirche und besuchte fĂŒr 2,50 € auch den Kreuzgang und den Kapitelsaal, dafĂŒr hatte sich das Geld durchaus gelohnt. Anschließend entspannte ich etwas im Schatten eines Baumes auf der Wiese vor dem Kloster wie so viele andere, um mich von den Strapazen der Tour zu erholen.

SpĂ€ter ging ging ich dann zum Abendessen ins Lokal La Posada., war fĂŒr die zweite „Runde“ fĂŒr 20:30 Uhr angemeldet. Es herrschte dort echt viel Betrieb, man wurde an große Tische verwiesen fĂŒr jeweils 9 Personen, mehrere Tische waren voll besetzt. Dadurch saß man bunt durcheinander, an meinem Tisch allerdings leider sechs Franzosen, die sich natĂŒrlich nur auf Französisch unterhielten, wie das bei Franzosen leider meist so ist, so dass ich der Unterhaltung nur sehr eingeschrĂ€nkt folgen konnte. Das Essen war leidlich okay, es gab Nudelsalat mit Thunfisch, Cremesuppe, etwas ungesalzen, zum Hauptgang HĂŒhnchen oder Fisch mit Pommes und zum Nachtisch ein Cornetto. Sicherlich keine Haute Cuisine, aber fĂŒr 11 € konnte man nicht meckern. Da die Herberge um 22:00 Uhr die Pforten schloss, musste ich nach dem Essen auch rasch wieder zurĂŒck. PĂŒnktlich wurde im Schlafsaal automatisch das Licht ausgemacht, ich haderte noch ein wenig mit den vielen GerĂ€uschen, fiel dann aber doch so nach 10 bis 15 Minuten in einen zumindest anfangs recht tiefen Schlaf.

đŸ„Ÿ: 26,1 km

Montag, 05.09.2022: Roncesvalles – Zubiri

Ganz angenehm war hier die Anlage der SchlafsĂ€le: dadurch, dass immer vier Betten so eine Art Kabine bildeten, Ă€hnlich wie in einem Liegewagen der Bahn, war es noch einigermaßen privat, auch, wenn die Kabine durch keine TĂŒr abgetrennt war und die GerĂ€usche natĂŒrlich auch vom Gang dorthin drangen. DarĂŒber hinaus war die Tatsache, dass jedes Bett einen eigenen, abschließbaren Spind hatte, ebenfalls nicht schlecht. Bei einem Schlafsaal mit ca. 60 Leuten pro Etage war natĂŒrlich klar, dass es nachts nicht gĂ€nzlich ruhig bleiben wĂŒrde. Letztendlich habe ich aber doch einigermaßen gut geschlafen. Das erste Mal aufgewacht bin ich gegen 2:00 Uhr, ich weiß gar nicht, warum. Auch da war aber schon der eine oder andere unterwegs zur Toilette, vielleicht lag es daran. Danach bin ich wieder eingeschlafen und gegen 4:30 Uhr erneut aufgewacht, diesmal drĂ€ngte es mich selbst zum Klo, ich war froh, das erledigt zu haben, denn zwei Herrentoiletten bei 60 Betten ist jetzt auch nicht wirklich viel, Schlangestehen am Klo ist etwas, worauf ich gar keine Lust hatte. TatsĂ€chlich bin ich danach auch noch einmal eingeschlafen und erst um kurz vor 6:00 Uhr erneut aufgewacht, als es dann doch zunehmend unruhiger wurde. Um 6:00 Uhr ging dann auch automatisch das Licht wieder an, tatsĂ€chlich brachen da schon die ersten auf, keine Ahnung, warum. Die meisten hatten heute nur eine Strecke von ca. 25 km vor sich, da muss man wahrlich nicht so frĂŒh loslaufen. Es sei denn, man hat Angst um einen Schlafplatz und will sich frĂŒhzeitig einen sichern, wobei ich es da praktischer finde, telefonisch oder online ein Bett zu reservieren. Allerdings ist das bei manchen Pilgern offensichtlich gegen den Codex, wie es aussieht, mir war das egal und es machte mir das Gehen deutlich entspannter. In Zubiri dĂŒrfte es nĂ€mlich wieder ziemlich voll sein, wie ich gestern Abend schon gehört hatte! Meine drei französischen MitschlĂ€fer machten sich auch schon um 6:00 Uhr fertig und brachen um 6:30 Uhr auf. Bis dahin blieb ich erstmal noch gemĂŒtlich im Bett liegen, ließ sie gewĂ€hren und stand dann erst langsam auf, nachdem sie aufgebrochen waren, so hatte ich Ruhe und Platz. Um 7:00 Uhr ging’s los, als erstes mit den gepackten Sachen zum FrĂŒhstĂŒck, wieder ins Lokal La Posada. Hier musste die große Pilgerschar, die schon vor der TĂŒr wartete, aber noch etwa 20 Minuten draußen bleiben, ehe wir eintreten durften. Das Essen gab es an denselben Tischen wie am Vorabend, Weißbrot, je eine Scheibe Wurst und KĂ€se, ein StĂŒck ganz leckeren Kuchen, Kaffee, Orangensaft, Marmelade und Butter, nicht ĂŒppig, aber okay zum Sattwerden.

Um 8:00 Uhr brach ich dann schließlich auf, etwas spĂ€ter als gestern, aber in Anbetracht der bevorstehenden Strecke eigentlich immer noch zu frĂŒh. Entgegen meinen Erwartungen verlief der heutige Weg nicht stetig bergab, sondern auf den ersten Kilometern bis kurz vor Zubiri immer wieder bergauf, auch gar nicht so wenig. So kam ich auch heute auf manchen Abschnitten ordentlich ins Schwitzen. Ich passierte viele Ortschaften mit schönen, zum Teil alten und sehr stabilen und wuchtig erscheinenden SteinhĂ€usern, ansonsten ging es grĂ¶ĂŸtenteils durch den Wald, was bei den Temperaturen von fast 30 Grad durchaus angenehm war. Im Gegensatz zum gestrigen Tag war der Wind weit weniger kĂŒhl, aber wir waren ja auch nicht mehr ganz so hoch. Kurz vor 12:00 Uhr, bis Zubiri waren es nur noch 6 km, machte ich es mir im Wald auf einer Lichtung gemĂŒtlich und legte eine lĂ€ngere Pause ein, döste sogar ein paar Minuten. Als ich noch etwas ĂŒber einer Stunde wieder aufbrechen, musste ich noch ein paar Sekunden warten, da gerade eine Frau neben ihrem im GebĂŒsch ihre Notdurft verrichtete. Sie hatte mich hier nicht rasten sehen und ich sie nicht kommen hören – wie unangenehm, aber da ich mich ruhig verhielt, bemerkte sie mich auch danach nicht. Leider fiel mir unterwegs hĂ€ufig auf, dass hinter quasi jedem geeigneten Baum neben dem Weg Toilettenpapier lag, das irgendjemand zurĂŒck gelassen hatte. Nicht wirklich schön, das Ganze! NatĂŒrlich kann es mal sein, das man ins GebĂŒsch muss, wenn „die Natur ruft“, aber wenn man schon Papier benötigt, kann man das nicht einfach mitnehmen? Schließlich laufen hier jedes Jahr Tausende Menschen entlang, und dementsprechend sah es leider an manchen Stellen auch aus. Es ging jetzt noch ein StĂŒck parallel zum Hang durch den Wald, ehe ich ein letztes Mal fĂŒr heute die Straße kreuzte. Netterweise stand hier ein Food Truck, der nicht nur gekĂŒhlte GetrĂ€nke verkaufte, sondern einem auch noch einen Stempel gab. Das nutzte ich natĂŒrlich, außerdem gab es wieder eine Banane und einen frischen Orangensaft zur StrĂ€rkung. Jetzt waren es nur noch 3,5 km bis Zubiri, aber die hatten es in sich. Der Weg war zwar nicht so steil wie ich dachte, aber doch sehr steinig, geröllig und teilweise musste man ĂŒber abschĂŒssige Platten gehen, da war Vorsicht angesagt, denn stolpern wollte ich hier nicht wirklich!

Schließlich kam ich aber doch unten im Tal an und bezog auch gleich mein Bett in der Albergue Palo de Avellano: ein 8-Bett-Raum, davon 3 Etagenbetten, ich hatte ein Einzelbett, das war aber auch 2 Euro teurer…! Nachdem ich mich geduscht hatte und ein wenig entspannte, drehte ich eine kleine Runde durch den Ort, der aber nur direkt in der Mitte aus ein paar Ă€lteren HĂ€usern bestand, ansonsten nicht so toll war, Neubauten und Industrie. Der Ortskern war aber wirklich hĂŒbsch und insbesondere auch der ihn hindurchfließende Bach, indem man schön die FĂŒĂŸe kĂŒhlen konnte. Es kamen sogar ein paar kleine Fische an, die einem an den FĂŒĂŸen knabberten, quasi wie im Foot Spa! Um 19 Uhr gab es Abendessen im Hotel, Ă€hnlich wie am Vortag, aber etwas besser, nur der Wein war nicht so gut. Vorneweg gab es grĂŒnen Salat, dann eine Suppe, danach hatte ich Fisch mit Paprikaauflage und zum Abschluss ein typisches hiesiges Dessert, so eine Art Joghurt mit Honig. Den Abend verbracht ich auf dem Dorfplatz, sah zu, wie die Lichter angingen, ehe ich zurĂŒck in die Albergue und dort ins Bett ging.

đŸ„Ÿ: 22,3 km

Dienstag, 06.09.2022: Zubiri – Pamplona

In unserem Schlafsaal waren wir diese Nacht nur zu acht. Dementsprechend war es um einiges ruhiger und ich habe deutlich besser geschlafen als in der Nacht davor. Um 22 Uhr wurde das Licht ausgemacht und ich schlief auch rasch ein. Zwei “Nachteulen” kamen zwar noch eine ganze Zeit spĂ€ter wieder, das habe ich auch kurz mitgekriegt, habe aber sofort weiter geschlafen. Erst morgens um 6:00 Uhr begannen die ersten dann aufzustehen, was ganz okay war, 8 Stunden Schlaf waren ja durchaus ausreichend. Ich hatte die FrĂŒhstĂŒcksgruppe um 7:00 Uhr gebucht, das FrĂŒhstĂŒck war ganz lecker, wenn auch nicht so sĂ€ttigend wie das letzte, es gab nĂ€mlich leider keine Wurst und keinen KĂ€se, nur SĂŒĂŸes, dafĂŒr aber auch noch Cornflakes mit Milch und Dosenobst. Um kurz vor 8:00 Uhr war ich startklar und machte mich auf auf die heutige Etappe, die die bisher einfachste werden sollte. Es ging entlang des Rio Arga durch das Tal bis nach Pamplona, oft eben, manchmal am Ufer ein wenig auf und ab, aber lĂ€ngere Steigungen oder GefĂ€lle waren nicht dabei. Der Weg aus Zubiri hinaus war nicht so toll, ging durch ein Industriegebiet, danach wurde die WegfĂŒhrung aber ganz hĂŒbsch, schmale Pfade oder wenig gefahrene Straßen, ganz idyllisch. Wenn nur die durchaus viel befahrene Straße nicht gewesen wĂ€re, die auch durch das Tal verlief und deren VerkehrslĂ€rm man quasi die ganze Zeit hörte, das war nicht so schön. Etwas ĂŒberraschend fand ich, dass es keinerlei Verpflegungsstationen unterwegs gab, die direkt am Weg lagen. Die ersten Möglichkeiten, etwas zu essen und zu trinken, fanden sich tatsĂ€chlich erst in den Vororten von Pamplona. Bis dahin musste ich mich mit Wasser und einigen NĂŒssen begnĂŒgen. In einem Supermarkt in Pamplona kaufte ich mir dann zwei Pflaumen, Waffeln und eine Limo, die ich zur Mittagsrast im Park von Burlada verzehrte, wĂ€hrend ich den spanischen Rentnern und Kindern mit ihren Eltern dabei zuschaute, wie Sie den Tag verbrachten. Danach ging es noch weiter durch die Vororte, bis ich schließlich die Mauern der Altstadt erreichte. Durch das französische Tor betrat man die eigentliche Innenstadt und traf hier auf enge Gassen, von mehrstöckigen, hohen HĂ€usern gesĂ€umt, sehr schön, erinnerte mich ein wenig an Cadiz, aber auch an die Bilder, die man vom Pamplona zur Zeit der San Fermin her kennt, wenn die Stiere hier durch die Straßen getrieben werden. Ich musste einmal quer durch die Innenstadt hindurchmarschieren, bis ich schließlich nach etwas ĂŒber 20 gemĂŒtlichen Kilometern mein Hotel erreichte.

Ich konnte einchecken und bezog ein zwar kleines, aber wirklich ordentliches Zimmer mit Blick auf die Straße und sogar einem kleinen Balkon, wo ich es mir erstmal gemĂŒtlich machte und die erste WĂ€sche des Urlaubs wusch. Immerhin hatte ich hier zwei NĂ€chte vorgesehen, so hatte die WĂ€sche genug Zeit zu trocknen. Ich hatte vorab, schon von Deutschland aus, in den drei großen StĂ€dten, die ich durchquerte, jeweils schon ein Hotel vorgebucht. Das hatte mehrere GrĂŒnde. Zum einen schien es mir nĂ€mlich erstrebenswert, nach mehreren NĂ€chten in den MehrbettschlafsĂ€len der Herbergen auch mal ein ruhiges Einzelzimmer genießen zu können. Dieses war umso mehr der Fall, als dass ich jeweils 2 NĂ€chte in Pamplona, Burgos und LeĂłn verbringen wollte und da ein nettes Zimmer schon recht erstrebenswert war. Außerdem ist es so, dass man in den Herbergen immer nur fĂŒr eine Nacht unterkommen darf, ich hĂ€tte also bei 2 Übernachtungen an einem Ort sogar noch die Unterkunft wechseln mĂŒssen, was ich natĂŒrlich nicht wollte. Auf meinem Zimmer gab es dann ein kleines Picknick mit Lebensmitteln, die ich mir im Supermarkt nebenan besorgt hatte. Irgendwie hatte ich dann einen DurchhĂ€nger und es zog mich nicht mehr so nach draußen, zumal ich nach meinen zwei kleinen Picknicks eigentlich auch schon satt war, also kein Restaurant fĂŒr ein Abendessen mehr brauchte. Also entspannte ich den Rest des Nachmittags auf dem Zimmer bzw. auf dem Balkon und las noch etwas im ReisefĂŒhrer ĂŒber Pamplona, um zu wissen, was mich am nĂ€chsten Tag bei meinem Stadtbummel so erwarten wĂŒrde. So endete der 3. Tag meiner Pilgerreise.

đŸ„Ÿ: 22,8 km

Mittwoch, 07.09.2022: Pamplona

Obwohl heute ein Ruhetag angesagt war, bin ich im Endeffekt laut Aufzeichnung doch wieder ĂŒber 10 km durch die Stadt hin und her gewandert. Geschlafen habe ich ein bisschen unruhig, ich weiß nicht genau, warum, aber das Fenster schloss perfekt, der StraßenlĂ€rm blieb außen vor und die Luft im Zimmer war auch okay, ĂŒberhaupt nicht stickig. Den Wecker hatte ich auf 7:15 Uhr gestellt, keine Ahnung, warum, drĂ€ngte mich doch heute eigentlich gar nichts. Ich habe ihn dann auch wieder ausgestellt und noch bis ca. 8:00 Uhr weiter gedöst. Danach bin ich runter zum FrĂŒhstĂŒck, das war wirklich nicht schlecht, besser als das ĂŒbliche PilgerfrĂŒhstĂŒck, aber mit 12 € dann doch ein bisschen ĂŒberteuert. Na ja, halt touristische Großstadt und Hotelpreis. Gegen 9:30 Uhr oder so bin ich gemĂŒtlich losmarschiert, erstmal zur Post, um Briefmarken zu kaufen, die lag nĂ€mlich direkt am Weg, dann habe ich verschiedene Punkte in der Stadt angesteuert, die ich mir im ReisefĂŒhrer herausgesucht hatte. Als erstes ging es zur Kirche St. Nicolas, einen kurzen Blick konnte ich reinwerfen, aber es begann gerade ein Gottesdienst, deshalb blieb ich nicht. Mittags, als ich noch einmal hier vorbei kam, war die Kirche dann leider geschlossen – Ă€rgerlich! Als nĂ€chstes ging es zum Hauptplatz der Altstadt, der Plaza del Castillo, ein schöner, großer, weiter Platz mit einem Pavillon in der Mitte. Leider war das Wetter recht bewölkt, das Ganze wirkte daher nicht so schön wie noch am Vortag, als die Sonne strahlte. Weiter ging es zum Denkmal fĂŒr das Stiertreiben („Monumento al Encierro“), tatsĂ€chlich schaute hier die Sonne doch einmal kurz durch die Wolken, gerade, als ich ein Foto machen wollte, perfekt! Danach fĂŒhrte mich mein Weg passend zur Stierkampfarena mit dem Hemingway-Denkmal davor. Die Arena ist ein riesiger Klotz, wird zum GlĂŒck mittlerweile aber nur noch in der Festwoche im Juli fĂŒr StierkĂ€mpfe genutzt. Hineinschauen konnte man nur gegen GebĂŒhr mit FĂŒhrung, das hat mich dann doch nicht so interessiert. Überraschenderweise geöffnet hatte dafĂŒr der Fronton Labrit, die grĂ¶ĂŸte Pelota-Halle der Stadt, so konnte ich zumindest einmal einen kurzen Blick hinein werfen, auch, wenn gerade nichts los war. Sah aber schon ganz interessant aus, wo die Basken und Navarresen (heißen die so?) ihrem Nationalsport frönen. Der Weg fĂŒhrte mich dann ĂŒber die Bastionen der Verteidigungsanlagen rund um Pamplona, man hatte hier einen tollen Blick in die Ferne und auf die leider doch recht retortenmĂ€ĂŸig ausschauenden Vororte der Stadt. Weiter ging es zum Königspalast, der mittlerweile ein ArchivgebĂ€ude ist und mit einem modernen Mantel umgeben, zwar recht schlicht, aber doch dem Stil des eigentlichen Palastes durchaus angepasst. Durch die Markthalle, die wie im ReisefĂŒhrer beschrieben ein wenig steril und leer aussah, fĂŒhrte mich mein Weg erneut zum Rathaus, an dem ich gestern schon vorbeikam. Ich schoss noch ein paar Fotos und bekam dann langsam Hunger. Diesen stillte ich in einer Pintxo-Bar in der Calle San Nicolas, sehr lecker und durchaus akzeptable Preise, gĂŒnstiger als Tapas bei uns in Deutschland.

Danach ging es kurz ins Hotel zur Siesta, ehe ich mich auf eine zweite Runde begab, noch einmal durch die Stadt. Mein Ziel war jetzt die Kathedrale, die ich besichtigen wollte, wobei ich mich da ein wenig Ă€rgerte, denn erst spĂ€ter, nachdem ich den Eintrittspreis von 5 € bezahlt habe, habe ich gesehen, dass Pilger nur 3 € zahlen mĂŒssen. Das hĂ€tte die Kassiererin mir eigentlich sagen mĂŒssen, denn direkt neben ihrem HĂ€uschen habe ich meinen Pilgerpass abgestempelt! Fand ich etwas Ă€rgerlich, aber okay, Hauptsache, das Geld wird sinnbringend verwendet. Der Preis ging auch noch in Ordnung, denn damit konnte man nicht nur die Kathedrale, sondern auch den Kreuzgang und das Museum besichtigen. Die Kirche war von innen reinste Gotik, sehr schön, gut erhalten wie auch der Kreuzgang. Hier waren Beschriftungen auch in Englisch, im Museum leider alles nur auf Spanisch, dort habe ich mir es dann verkniffen, die ganzen Texte zu gelesen, da ich eh nicht alles verstanden hĂ€tte. Es war aber wirklich schön und interessant gemacht, chronologisch aufgebaut, nicht allzu viele Exponate, durchaus sehenswert. Sehenswert war auch die KĂŒche, ein riesiger, 27 m hoher Raum mit mehreren AbzĂŒgen, da kann man sich gut vorstellen, was hier frĂŒher los war, wie die Mönche speisten oder auch fĂŒr die Pilger gekocht wurde. Noch einmal ging es ĂŒber die Bastionen, diesmal dann in die andere Richtung bis zum Taconera-Park, wo ich mich noch ein bisschen ausruhte, ehe mich mein Weg ein weiteres Mal zurĂŒck ins Hotel fĂŒhrte.

Nachdem ich meinen Rucksack fĂŒr den nĂ€chsten Tag gepackt hatte, die Fotos sortiert, in Whatsapp gepostet und mich ein wenig ausgeruht hatte, ging ich gegen 19:30 Uhr ein letztes Mal nach draußen, um etwas zu essen. Wieder zog es mich in die Calle San Nicolas, da hier die meisten Lokale lagen. Gelandet bin ich diesmal gegenĂŒber von dem Lokal, wo ich heute Mittag war, wiederum in einer Tapasbar („Ulzama“), wie ĂŒblich mit Fernseher mit FußballĂŒbertragung, aber ohne Ton, so hat es nicht gestört. Ich bestellte mir das MenĂŒ des Tages, bei dem man aus mehreren ersten GĂ€ngen, mehreren zweiten GĂ€ngen und mehreren Desserts jeweils eines auswĂ€hlen konnte, alles zusammen mit Wasser und Wein fĂŒr 16,80 €, das war ziemlich okay. Das Essen war unterschiedlich, mein erster Gang Salmorejo sensationell, danach gab es gefĂŒlltes HĂ€hnchen nach Cordon bleu-Art mit Pommes, ganz okay, mehr nicht. Zum Nachtisch gab es drei Scheiben KĂ€se mit ein bisschen Quittenmus und zwei WalnĂŒssen, auch nicht schlecht, aber ich hĂ€tte besser was SĂŒĂŸes nehmen sollen. Der Wein war ebenfalls nicht so toll, insgesamt war das Essen aber in Ordnung, ich war satt und vor allem die Vorsuppe werde ich ihm sehr guter Erinnerung behalten. Zum Abschluss des Tages drehte ich noch eine kurze Verdauungsrunde durch die abendlich beleuchtete Stadt und war dann gegen kurz nach 22 Uhr wieder zurĂŒck zum Hotel. Morgen geht die Pilgertour weiter!