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Dolomiten West – 2

Dienstag, 29.09. – Puflatsch, Kastelruth

Der Wetterbericht besserte sich langsam – endlich! Heute sollte sich ab und zu die Sonne zeigen, ansonsten sollte es bedeckt sein. Eigentlich hatte ich eine Fahrt in die Weingegend um Kaltern und Eppan angedacht, Thomas schlug aber vor, dass wir doch lieber wandern sollten, was letztlich auch eine gute Idee war, denn es wurde überraschenderweise ein noch viel herrlicherer Tag als angesagt. Immer wieder gab es Sonnenschein, nur um die Mittagszeit mal ein paar Stunden bewölkten Himmel, dazu bekamen wir eine grandiose Fernsicht von bis zu 100 Kilometer geboten! Nach dem Frühstück gingen wir zunächst zu Fuß hinab in den Ort und kauften uns im Bus für 18 € pro Person ein Ticket zur Seiser Alm und zurück. Ziemlich teuer, aber was will man machen! Auf Nachfrage hin teilte man uns jedoch mit, dass das Ticket sowohl für den Bus, als auch für die Seilbahn genutzt werden kann. Da die Busfahrt die Seilbahn ersetzt, ist das Ticket natürlich nicht in unserem kostenlosen Südtirol-ÖPNV-Ticket enthalten, sondern kostet genauso viel wie das Seilbahnticket. Mit der Linie 10 ging es also hinauf bis zur Bergstation der Seilbahn in Compatsch. Oben drehten wir eine Runde um den Puflatsch, der Rundweg war relativ kurz, keine 10 km lang, bot aber fast durchgängig tolle Fernblicke. Am sog. Engelssitz fand sich eine interessante Infotafel, auf der die Namen aller ringsherum sichtbaren Berge vermerkt waren. Da die Fernsicht heute so toll war, konnten wir auch alle Berge problemlos identifizieren. Neben den markanten Plattkofel und Langkofel, die wir heute von fast jedem Punkt der Tour aus immer wieder sahen und die wir erst am letzten Samstag umrundet hatten, sahen wir heute auch die „Königin der Dolomiten“, die Marmolada, die Adamellogruppe im Trentino, den Ortler, den Ritten, den Peitlerkofel, die Sekada, die Tofane-Spitzen und noch viele mehr. Abgesehen vom etwas längeren Aufstieg am Anfang war die Runde eigentlich ein recht einfach zu gehender Weg im leichten Auf und Ab, teilweise breit, allerdings nicht durchgängig kinderwagentauglich. Einige Geocaches fanden wir, das war aber auch heute wieder nicht ganz einfach bei den vielen Leuten, die hier unterwegs waren, außerdem lagen die Caches meist in unmittelbarer Nähe der beliebtesten Aussichtspunkte. Mittagessen bekamen wir in der Arnikahütte, das war auch hier wieder ganz lecker, mein Knödeltris schien mir aber abends irgendwie auf den Magen geschlagen zu sein, jedenfalls ging es mir gesundheitlich nicht so gut. Gegen 16 Uhr fuhren wir mit der Kabinenumlaufbahn von der Seiser Alm wieder hinunter nach Seis am Schlern, nahmen den (hier wieder kostenlosen) öffentlichen Bus nach Kastelruth.

In Kastelruth angekommen drehten dort noch eine kleine Runde durch den Ort. Es gab hier einige wenige, hübsche Häuser im alten Ortszentrum, dennoch fand ich den Ort nicht so herausragend, wie ich das nach der Empfehlung im Reise-know-how erwartet hatte bzw. aufgrund der Tatsache, dass die Stadt damit wirbt, einer der Orte mit dem schönsten Ortskern Südtirols zu sein. In der Ferienwohnung machten wir uns noch einen gemütlichen Abend, allerdings war ich wegen meiner Magen-Darm-Probleme etwas schlapp und ging deshalb auch früh ins Bett.

0 km

Mittwoch, 30.09. – Rosengarten, Karersee

Der bisher anstrengendste Tag des Urlaubs sollte das heute werden. Und das, obwohl die geplante Wanderung nicht viel mehr Höhenmeter beinhaltete als andere zuvor und mit circa 10 km auch nicht besonders lang war. Vielleicht lag es aber auch daran, dass es mir gesundheitlich immer noch nicht so wirklich gut ging, nachdem ich am Vorabend und in der Nacht mehrmals Durchfall gehabt hatte, jedenfalls habe mich den ganzen Tag über etwas „vergrippt“ gefühlt. Das Wetter war heute wieder ideal zum Wandern, es herrschten angenehme Temperaturen und sehr viel Sonnenschein! Ausgesucht hatte ich aufgrund der angepriesenen Ausblicke die Runde um den südlichen Rosengarten. Nach einer etwas längeren Anfahrt von einer Stunde kamen wir in Karersee an, konnten dort (überraschenderweise kostenlos!) das Auto an der Talstation des Paolina-Sesselliftes parken und fuhren mit diesem zum Ausgangspunkt unserer Tour, der Paolina-Hütte. Der Rundweg um die Felsgruppe war recht gut zu gehen, solange er mehr oder weniger parallel zum Hang verlief, die Aufstiege zu den zwei Pässen, die wir überqueren mussten, hatten es aber schon in sich. Einmal ging es hoch auf etwas über 2500 Meter, einmal auf 2600 Meter. Insbesondere bei den Abstiegen musste man ziemlich aufpassen, denn diese waren beide Male steil, voller Schnee oder sogar vereist, man musste sehr, sehr vorsichtig gehen, teilweise ein bisschen klettern und aufpassen, denn auch das Geröll war rutschig, es war nicht immer wirklich eine Wonne. Im Sommer macht das Ganze bestimmt viel Spaß, aber bei Schnee und Eis würde ich es nicht unbedingt empfehlen. Die Aussichten waren dafür aber umso grandioser, so, wie es der Reiseführer versprach! Auch Tiere haben wir gesehen, Murmeltiere, neugierige Dohlen zur Mittagspause und sogar Mufflons, die in Südtirol eigentlich gar nicht heimisch sind, aber wohl ab und zu vom benachbarten Trentino her die Grenze überqueren. Obwohl wir nicht wirklich langsam gingen, rannte uns die Zeit davon, zum ersten Mal auf einer unserer Touren in Südtirol konnten wir nicht mehr auf einer Almhütte einkehren, sondern mussten uns sputen, um noch den letzten Sessellift bergab um 17 Uhr zu erwischen. Diese Hetze auf dem letzten Stück von der Kölner Hütte zur Paolinahütte war nicht wirklich schön, trübte den positiven Gesamteindruck der Tour etwas. Kurz hinter der Rotwandhütte hätte sich nach etwa dem ersten Drittel unserer Tour noch die Möglichkeit ergeben, über den Vajolonpass abzukürzen, das wäre dann eine weniger lange Runde gewesen, die viele Leute auch genommen haben. Vielleicht hätte auch diese kürzere Variante ausgereicht, wer weiß. So aber haben wir die etwas größere Runde gedreht und trotz allem war die Route toll, wenn man sie auch nur mit ausreichend viel Zeit und wirklich nur bei Schneefreiheit machen sollte.

Da wir nun schon einmal vor Ort waren, stoppten wir auf der Rückfahrt noch kurz unterhalb der Ortschaft am berühmten Karersee und drehen eine Runde um diesen. Tagsüber ein Rummelplatz für Touristen war abends um 17:30 Uhr nicht mehr viel los , nur noch ein paar Fotografen bauten sich auf in der Hoffnung auf schönes Abendrot an der Latemargruppe. Der See war deutlich kleiner als der Pragser Wildsee, wies aber mindestens ebenso tolle Farben auf, von dunkelgrün über türkis bis tiefblau, unbedingt sehenswert! Anschließend folgte noch eine Stunde Heimfahrt, es ging auf 19 Uhr zu, deshalb kaufen wir uns unterwegs in einem Supermarkt nur noch Nudeln und Salat zum Abendessen. Zwar wollten wir heute eigentlich Pizza bestellen (es gab in Kastelruth einen Pizzadienst!), aber da es mir immer noch nicht so gut ging vom Magen her, entschieden wir uns um. Nach Duschen und Abendessen ging es mir zum Glück dann schon wieder etwas besser, trotzdem freute ich mich auch heute wieder sehr auf mein Bett!

92 km

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