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Ronda

Freitag, 24.04.15

FrĂŒh ging’s raus aus dem Bett, um 3:45 Uhr, wegen des laufenden LokfĂŒhrerstreiks waren wir nicht sicher, rechtzeitig den Flughafen zu erreichen, so haben wir am Vorabend einen Flughafen-Shuttle bestellt, das erste Mal bisher, das ich sowas tat, war aber nicht so ganz leicht, denn offensichtlich kamen viele auf diese Idee, um ihr Flugzeug nicht zu verpassen. Schließlich fand ich aber doch noch ein Unternehmen, das zusagte, und der Fahrer war auch ĂŒberpĂŒnktlich. Mit einem Eurowings Airbus A320 starteten wir um 7:20 Uhr gen ZĂŒrich, die Sicht war gut, der Flieger extrem leer, nach einer Stunde landeten wir, haben die 3,5 Stunden Aufenthalt in ZĂŒrich ganz gut rumgekriegt, der Weiterflug hob eine halbe Stunde zu spĂ€t um 12:30 Uhr ab. Die Alpen waren noch sehr schön zu sehen, ab Genf dann aber sah man nichts mehr, es war diesig und wolkig, ich habe deshalb auch ein wenig geschlafen. Auf beiden FlĂŒgen gab es nur einen kleinen Snack zu essen (Brot bzw. eine kleine Tarte), dazu ein GetrĂ€nk.

Landung war gegen 15:00 Uhr, mit dem GepĂ€ck ging’s zum Shuttle-Bus unseres Autovermieters. Dort wurden wir sehr freundlich behandelt und alles hat gut geklappt, wir bekamen einen beige-farbenen Corsa, nicht ganz neu mit 50.000 km auf dem Tacho, aber gut in Schuss. Ca. 16:30 Uhr fuhren wir los, vom Navi gefĂŒhrt nach Ronda, hier quer durch die Stadt, Ankunft in unserem Hotel war gegen 18:00 Uhr. In dem sehr netten und familiĂ€r von 2 Schwestern gefĂŒhrten Hotel „Ronda“ hatten wir ein zwar kleines, aber schönes Zimmer im ersten Stock (Nr. 5), kostenlos parken konnten wir am SĂŒdende der Altstadt im Barrio S. Francisco, jenseits der Stadtmauer, wo wir auch in den kommenden Tagen stets einen Parkplatz fanden. Wir machten noch einen ersten Erkundungsspaziergang durch die fantastisch gelegene Stadt und ĂŒber die Puente Nuevo, zu Abend aßen wir an der Plaza Socorro, ich hatte gemischte Tapas fĂŒr 9 €. Schon an diesem ersten Abend in Spanien stellten wir fest, dass gegen 19:30 Uhr Touristen in den Lokalen die einzigen sind, die etwas essen möchten, die Spanier essen alle mindestens 1 bis 2 Stunden spĂ€ter, manche Lokale machen auch vor 20:00 Uhr noch gar nicht auf
 Anschließend haben wir noch eine weitere Runde durch die schön abendlich beleuchtete Stadt wieder zurĂŒck zum Hotel gemacht und dabei noch ein paar andere SehenswĂŒrdigkeiten bestaunt. ZurĂŒck im Hotel waren wir gegen 22:00 Uhr und nach einem langen Tag ging‘s fĂŒr uns beide zu Bett.

Samstag, 25.04.15

Gut haben wir geschlafen, bis kurz vorm Wecker um 7:30 Uhr der Hahn in der Nachbarschaft krĂ€hte! Zum FrĂŒhstĂŒck gab es je 1 Teilchen, das wir am Vorabend gekauft hatten, außerdem kostenlos Kaffee und Obst vom Hotel. Um 9 Uhr gingen wir Richtung Auto, kauften auf dem Weg dorthin im CafĂ© „Sweet Ronda“ noch zwei Bocadillos (= belegte Brötchen) als Wegzehrung und fuhren in 1 Stunde nach Grazalema, unterwegs sahen wir die ersten, geschĂ€lten Korkeichen, einige Mohnblumen auf den Feldern, insgesamt war es ĂŒberraschend grĂŒn. Grazalema ist ein wunderschönes, weißes Dorf, leider hatten wir am heutigen Tag keine Zeit, uns dort nĂ€her umzuschauen, das wollten wir zwei Tage spĂ€ter nachholen. Wir parkten unseren Mietwagen hinter dem Ort am Parkplatz Puerto del Boyar und begannen unsere Wanderung, zunĂ€chst mit einem steilen und sehr rutschigen Aufstieg im Nebel bis zum Pass Puerto de las Presillas. Es folgte ein angenehmer, langgezogener Abstieg durch lichte KarstwĂ€lder bis zum verfallenen Gehöft Casa del Donajo, wo wir unsere erste Rast einlegten. Weiter ging es im weglosen Aufstieg (ein Weg war zwar in der Karte verzeichnet, aber vor Ort nicht sicher zu finden), z.T. recht steil Richtung Osten, auf einer Art Hochebene angekommen irrten wir erst noch ein bisschen hin und her, trafen aber schließlich doch auf den Fußweg von Benaocaz nach Charca Verde und liefen bis zu diesem schönen Rastplatz mit TĂŒmpel. Unterwegs begegneten uns eine ganze Reihe KĂŒhe, außerdem sĂ€umten viele Pflanzen den Weg, u.a. eine Anzahl Orchideen und eine Art Pfingstrose. Wir aßen unsere Bocadillos, setzten unseren Weg weiter fort und es bot sich plötzlich ein schöner Fernblick Richtung Osten. Es folgte ein steiler Abstieg, schließlich ein nicht mehr ganz so steiler und gut zu erkennender Wanderweg Richtung Grazalema. Das Gestein unterwegs war durchweg sehr karstig, entsprechend eindrucksvoll die Berge, so der Reloj links von uns, ein mĂ€chtiger Steinklotz. Auf eine Kröte, die auf dem Weg saß, wĂ€re ich fast draufgetreten, weil ich die Landschaft so bestaunt habe, ich habe mich daher ganz schön erschrocken! Endlich kamen wir in einen Wald, stiegen weiter ab, Richtung Peñon Grande, bis sich uns ein toller Ausblick auf die Ebene der Llanos del Endrinal bot. Hier gab es wieder mehr Touristen, im Tal war eine Kuhweide, wir legten eine letzte Rast ein, verzehrten die letzten Überbleibsel unseres Proviants und es folgte ein abschließender, krĂ€ftezehrender Aufstieg zurĂŒck zum Pass Puerto de las Presillas, wo sich der Kreis unserer Wanderung schloss. Der RĂŒckweg zum Auto bergab war zum GlĂŒck nicht mehr rutschig, die Feuchtigkeit des Morgens war verdunstet. Insgesamt dauerte unsere Tour fast 7,5 Stunden, aber gemĂŒtlich, mit vielen Pausen. Wieder in Ronda waren wir gegen 19 Uhr, duschten und gingen dann zum Essen, diesmal in der Tapas-Bar mit dem schönen Namen „Patatin-Patatan“. Es gab 1 kalte und 1 warme Tapas-Platte (je 8 €), 2 Rotwein und 2 Kaffee fĂŒr insgesamt 28,40 €. Lediglich der Kartoffelsalat war arg mayonaise-lastig, ansonsten war’s lecker, viele Spanier hier, am vollsten war es erst um 22 Uhr, als wir wieder gingen… leider im strömenden Regen… schade!

Sonntag, 26.04.15

Der Wecker ging wieder um 7:30 Uhr, heute haben wir uns etwas mehr beeilt, da zunehmend schlechteres Wetter angesagt war mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 95-100 % nach 14 Uhr! Wir haben uns deshalb fĂŒr eine nicht ganz so lange Wanderung durch den Wald bei Yunquera entschieden in der Hoffnung, dort nicht so nass zu werden wie auf freiem Feld. Zur Verpflegung kauften wir auf dem Weg zum Auto wieder 2 Bocadillos, 1x KĂ€se, 1x Schinken, beide mit Olivenöl und Tomaten fĂŒr zusammen 7 €. Yunquera war auch eines der sog. weißen Dörfer, aber nur von weitem einigermaßen schön, bei der Einfahrt traf man auf viele unschöne Außenbezirke, BausĂŒnden, z.T. vernachlĂ€ssigte GrundstĂŒcke usw. Los ging unsere Wanderung um kurz nach 10 Uhr, schön wurde es, sobald man Yunquera nicht mehr sah. Der Weg ging in der ersten HĂ€lfte fast nur bergauf, in der zweiten HĂ€lfte nur noch bergab, teils Waldwege, teils Forststraßen, immer gut zu laufen. Leute trafen wir erst kurz vor Ende wieder, ansonsten waren wir die meiste Zeit allein unterwegs. Das Wetter war sehr wechselhaft, teils schien die Sonne, teils nieselte es leicht, einmal regnete es aber auch heftig, so dass wir uns unterstellen mussten, konnten die Zeit aber dann fĂŒr unsere Mittagsrast nutzen, klatschnass wurden wir zum GlĂŒck aber nie. Beim Aufstieg sahen wir in der Ferne noch das Meer, spĂ€ter nicht mehr. Highlight des Wanderwegs waren die Igeltannen (Pinsapo), die hier wuchsen, hĂŒbsche Tannen mit Nadeln rund um den Zweig, die auf der ganzen Erde sehr selten sind und in Andalusien mit der grĂ¶ĂŸten Konzentration angetroffen werden können. 1 Baum hatte eine besonders interessante Wuchsform und wurde danach auch Kandelaber genannt. Nach knapp 5 Stunden und 13 km waren wir zurĂŒck am Auto, ab jetzt setzte Sturzregen ein, da haben wir gerade noch mal GlĂŒck gehabt! Auf der RĂŒckfahrt wurde noch ein kurzer Stop am Mirador de la Guardia Forestal bei El Burgo eingelegt, die Aussicht hier war toll, aber leider bei heftigem Wind und Regen nicht zu genießen. Auch der weitere Weg zurĂŒck nach Ronda wies eine tolle Landschaft auf: karge Hochebenen mit riesigen Felsen, die Wildwest-Feeling vermittelten, Winnetou lĂ€sst grĂŒĂŸen! Gegen 16 Uhr kamen wir in Ronda an, passend hörte der Regen auf, die Sonne schien, so konnten wir noch einen tollen Spaziergang durch die Altstadt machen und schöne Fotos schießen. Im Hotel duschten wir dann, gingen um 19:15 Uhr wieder raus, wollten vor dem Abendessen noch eine weitere, „kleine Runde“ drehen, hinab ins Tal nördlich der Altstadt-Felsen, daraus wurde aber leider doch eine viel grĂ¶ĂŸere Tour als eigentlich gedacht, da wir keinen zwischenzeitlichen Aufstieg zurĂŒck auf die Felsen fanden. Immerhin hatten wir schöne Blicke auf die Stadt und die neue BrĂŒcke, der restliche Weg Richtung Nordost bis zur Asphaltstraße lohnte sich nicht wirklich. Schließlich waren wir gegen 21:15 Uhr dann doch beim Abendessen angekommen, wir aßen jeder ein Menu, fĂŒr mich gab es Gazpacho, frittierte Sardinen (boquerones), Karamelpudding und Sangria fĂŒr 10 € , war auch ganz o.k. ZurĂŒck im Hotel waren wir gegen 22:30 Uhr, lasen noch etwas und gingen dann rasch ins Bett.

Montag, 27.04.15

Heute haben wir fĂŒr 4 € pro Person mal zusĂ€tzlich das FrĂŒhstĂŒck im Hotel bestellt, das auch sehr lecker war und auf einem Servierwagen vors Zimmer gebracht wurde. Es gab Weißbrot, 2 Sorten KĂ€se, 3 Sorten Wurst, Marmelade, Obst, Kaffee bzw. Tee und Obstsaft. Um 9:30 Uhr machten wir einen kleinen Stadtbummel, aber die GeschĂ€fte hatten um diese Zeit fast alle noch zu…! In der Filiale der Sparkasse Servicaixa sollte man eigentlich die gebuchten Tickets fĂŒr die Alhambra ausdrucken können, das hat aber nicht geklappt, egal, war ja nicht so wichtig, die Tickets sind ja reserviert. Das Wetter war kĂŒhl, nieselig und ungemĂŒtlich. Wir kauften nur noch ein paar Postkarten und gingen wieder zurĂŒck ins Hotel, zogen uns um und fuhren ein zweites Mal nach Grazalema, wo wir diesmal auch den beim ersten Besuch ausgelassenen Stadtbummel machten. Es war, wie schon der Anblick aus der Ferne vermuten ließ, ein wirklich hĂŒbscher Ort, leider hielten hier dann auch dementsprechend viele Touristenbusse… Das Wetter war leider weiterhin durchwachsen, kĂŒhl und kaum Sonne, gelegentlich nieselte es auch etwas. Wir nutzten die Zeit fĂŒrs Mittagessen in der Bar „La Posadilla“ und bestellten jeder zwei Mal eine halbe „racion“, das sollte sowas wie eine etwas grĂ¶ĂŸere Portion Tapas sein, es war lecker, aber letztlich viel zu viel – beim nĂ€chsten Mal sind wir schlauer! Es gab Kroketten, frittierte Auberginenstreifen mit Honig (!), gefĂŒllten Schinken und ZiegenkĂ€se… Abends hatten wir von der Menge an doch recht fettigem Essen beide noch ein wenig Bauchschmerzen. Obwohl sich das Wetter danach immer noch nicht gebessert hatte, fuhren wir trotzdem weiter, es war inzwischen auch schon 14 Uhr durch, wir hatten schließlich fĂŒr heute die schriftliche Genehmigung fĂŒr die Wanderung in die Garganta Verde, die ich schon von Deutschland aus bestellt habe. Unterwegs stoppten wir noch am Aussichtspunkt Puerto de las Palomas (mehr als 1300 m ĂŒber NN) mit tollem Ausblick. Über eine sehr kurvige Bergstraße ging es dann wieder hinunter zum Wanderparkplatz, von wo aus wir in etwas ĂŒber 3 Stunden einmal in die Schlucht hinab- und wieder hinaufstiegen. Zum GlĂŒck hatte sich das Wetter inzwischen gebessert und war trockener, z.T. zeigte sich sogar die Sonne! (Das war im Übrigen auch vom Wetterbericht her so angesagt, deshalb haben wir die Tour extra auf den Nachmittag gelegt.) Die Schlucht, in die es steil hinab ging, war ĂŒppig grĂŒn, wie auch der Name „verde“ (= grĂŒn) schon vermuten ließ. Oberhalb der Schlucht war der Bewuchs noch flach mit KrĂ€utern und Zwergpalmen („palmitos“), je tiefer man kam, desto höher und dichter wurde die Vegetation, unten am Grund der Schlucht war es ganz feucht und moosig. Der Abstieg war nicht ganz so steil wie befĂŒrchtet, ließ sich ganz gut gehen, zwischendurch gab es auch immer mal wieder kĂŒrzere, flache Strecken. Im Tal kletterte ich noch ĂŒber ein paar Felsen zur Ermita und schaute mir dort einen Stalagmiten an, der sich gebildet hatte und an eine Madonnenstatue erinnerte. Der anschließende Aufstieg verlief wieder problemlos, viele Geier waren zu sehen, die z.T. ganz nah an uns vorbeiflogen, so nah, dass man den Wind zwischen ihren Schwingen hören konnte, ein herrlicher und majestĂ€tischer Anblick! Mit dem Auto ging es dann entlang einem tĂŒrkisgrĂŒnen Stausee zurĂŒck nach Ronda, Ankunft dort war um 19:30 Uhr. Noch satt vom Mittagessen kauften wir uns nur Obst und ein paar Teilchen, sind auch nicht noch einmal in die Stadt gegangen, da wir irgendwie groggy waren. Stattdessen haben wir uns im Hotel ausgeruht und die Koffer gepackt fĂŒr die Weiterreise am nĂ€chsten Tag.

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