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Cevennen 2012

Der Sommerurlaub 2012 versprach etwas ganz besonderes zu werden. Wobei ich gar nicht mehr genau weiß, wie es dazu kam. Irgendwo und irgendwann muss ich mal was vom Stevensonweg gelesen haben. Der ist benannt nach dem schottischen Dichter Robert Louis Stevenson, bekannt vor allem als Autor der Romane “Die Schatzinsel” und “Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde”. Im Jahre 1879 veröffentlichte er einen kleinen Bericht mit dem Titel “Eine Reise mit dem Esel durch die Cevennen”, in dem er die Erlebnisse und Gedanken während einer 12-tägigen Wanderung aufschrieb, die er im Jahr zuvor zusammen mit der Eselin Modestine unternahm. Grund für die damalige Reise war Liebeskummer, da sich seine Ehefrau von ihm scheiden lassen wollte und er Ruhe und Abstand suchte. Der Weg führte Stevenson von Le Monastier-sur-Gazeille nach St. Jean-du-Gard, 220 km von Nord nach Süd durch die Cevennen. Herausgekommen ist ein interessanter und abwechslungsreicher Bericht über das Reisen im 19. Jahrhundert mit ausführlichen Beschreibungen der Natur und vor allem auch der Geschichte der Region.

Karte der Cevennen

In den 1990er Jahren begann man, auf den Spuren von Stevensons Wanderung einen weiteren der zahlreichen Fernwanderwege in Frankreich einzurichten, eine sog. “Grande Randonée” (abgekürzt GR), dieser bekam die Nummer GR70. Heutzutage ist die Wanderung eine der beliebtesten in Frankreich, die Infrastruktur, was Übernachtungen anbelangt, ist gut ausgebaut, in fast allen Orten am Weg finden sich kleine, feine Hotels, Privatunterkünfte oder Wandererhütten, sog. gîtes d’étape. Und der Clou: man kann die Tour nicht nur als Wanderer unternehmen, sondern auch, wie Stevenson, zusammen mit einem angemieteten Esel, der einem Gesellschaft leistet, das Gepäck trägt und so dem ganzen Unternehmen einen besonderen Reiz verleiht!

Das verlockte mich ungemein, zumal ich Fernwanderwege eh liebe und nach vielen Jahren endlich mal wieder nach Frankreich reisen wollte, auch, um zu schauen, was von meinem Schul-Französisch überhaupt noch übrig geblieben ist. Mein Freund Thomas, der nicht so begeistert von Fernwanderungen mit großem Gepäck ist, konnte aber auch rasch überzeugt werden mit der Aussicht auf einen (im wahrsten Sinne des Wortes) Lastesel, der einem das Tragen des Gepäcks abnimmt. Als Kompromiss entschieden wir uns dann noch dazu, nicht die ganzen 14 Tage Urlaub auf dem GR70 zu verbringen, sondern nur die schönsten Etappen mitten in den Cevennen zu erwandern, von Langogne bis nach Florac. In der 1. Woche des Urlaubs, vor unserer Wandertour, mieteten wir uns stattdessen eine kleine Ferienwohnung. Diese lag auf dem Causse Méjean oberhalb von Florac, von dort aus unternahmen wir Tagesausflüge in die Umgebung, zweimal sogar bis in die Provence, nach Avignon und Nîmes, Orte, die ich in einem früheren Urlaub in der Provence noch nicht gesehen hatte.

Die Buchung der Eselwanderung nahm ich übers Internet in Frankreich selbst vor, direkt beim Anbieter Gentiâne in Castagnols. Zwar hätte ich denselben Veranstalter auch hier in Deutschland buchen können, so aber war es ein bisschen günstiger. Und auch unsere Ferienwohnung buchte ich direkt vor Ort, über das größte, französische Portal für Ferienwohnungen Gîtes de France. Am 16. Juni schließlich war es soweit: wir stiegen frühmorgens ins Auto und machten uns auf die über 1000 km lange Anreise. Cevennes, nous arrivons!

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