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Ausflüge in die Provence

Montag, 18.06.2012 – Avignon

Heute war viiiieeel Fahrstrecke angesagt, denn es ging nach Avignon. Wir standen deshalb schon um 7:00 Uhr auf (trotzdem zu spät, wie sich später herausstellte), frühstückten und fuhren gegen 8:20 Uhr los. Es war eine ziemlich lange Fahrt, hinab nach Florac, dann in einer ewig kurvigen Straße immer weiter langsam ins Tal, aus den Cevennen heraus, bis wir schließlich das flache Land erreichten. Ab hier war dann leider sehr viel Verkehr, viele LKW waren unterwegs, und ziemlich langsam und endlos verlief unsere Fahrt durch Gewerbegebiete um Alès herum, bis wir endlich wieder auf einer Schnellstraße Richtung Nîmes waren. Die Fahrt ab hier ging dann wieder flott, in Nîmes selbst war erneut viel Verkehr, aber hier waren wir rasch auf der Autobahn, auf der wir ca. 25 km Richtung Avignon fuhren für 1,90 € Maut. Von der Autobahn ab erreichten wir Avignon nach nochmals etwa 20 km und fanden dort zum Glück auch rasch einen kostenlosen Parkplatz auf der großen Place de l’Oulle am Rhône-Ufer. Durch die Stadtmauer betraten wir die schöne und intakte Altstadt, steuerten als Erstes direkt den Papstpalast zur Besichtigung an (10,50 € Eintritt). Dank des im Preis enthaltenen Audioguide war es ein interessanter Besuch durch gut erhaltene, eindrucksvoll-monumentale, wenn auch eher karge, nicht möblierte Räume. Infolge der Erklärungen bekam man aber einiges über die Zeit am Hof der Päpste in Avignon mit, die Fantasie wurde angeregt. Erstaunlich auch, dass die Bauzeit damals trotz des Ausmaßes des Palastes nur etwa 20 Jahre betrug! Die eindrucksvollsten Räume waren sicher die beiden größten, nämlich der Speisesaal und die große Kapelle, außerdem noch die obere Küche mit einem gigantischen Rauchabzug sowie das Hirschzimmer und das Schlafzimmer des Papstes, die letzteren beiden, da in ihnen noch als einzigen prunkvolle Wandbemalungen erhalten waren. Schließlich war aber auch noch das Zimmer des Kämmerers erwähnenswert, denn in diesem war als einzigem noch eine originale Holzdecke erhalten. Der Hof des vorderen, „neuen“ Palastes war leider von Bestuhlung und Bühne für die Festspiele von Avignon komplett zugestellt, aber den Blick von der Dachterrasse konnten wir trotzdem genießen. Nach insgesamt 3 Stunden waren wir durch, voller Eindrücke, aber doch auch etwas geschafft, so schlenderten wir noch durch die weitere Altstadt. Zunächst ging es zum viel besungenen Pont d’Avignon, für den wir uns aber das Eintrittsgeld sparten, denn vom Flussufer aus sah man alles ganz genauso gut. Danach genossen wir den Ausblick und die entspannte Atmosphäre im Park Rocher des Doms. Im Vergleich zur eher kargen und abweisenden Landschaft in den Cevennen war hier natürlich alles viel offener und mediterraner. Bald stießen wir dann aber auf ein uns schon von früher bekanntes, französisches „Problem“, dass es nämlich „vernünftiges“ Abendessen erst später am Tag, frühestens ab 18 Uhr gab. Da wir allerdings noch eine lange Rückfahrt vor uns hatten, einkaufen und auch noch tanken mussten, konnten wir nicht so lange in Avignon warten, sondern machten uns stattdessen auf. In Villeneuve auf der anderen Rhône-Seite kauften wir ein und wollten tanken, wobei letzteres aber leider nicht klappte, da der Automat nur Tankkarten akzeptierte. Mit unserem letzten Benzintropfen erreichten wir (wie schon bei der Anreise in Lyon) die nächste Tankstelle in Remoulins, konnten dort zum Glück mit ec-Karte volltanken und fuhren dann weiter Richtung Cevennen. Inzwischen war Essenszeit, so dass wir in Uzès kurz anhielten, in die offensichtlich wirklich hübsche Innenstadt liefen und dort auf einem kleinen Platz in der Altstadt lecker und preislich okay zu Abend aßen, es war mittlerweile gegen 20:00 Uhr. Wir zahlten 26,50 € im Lokal „Les Terroirs“ und traten anschließend den weiteren Heimweg an, bedauernd, dass wir nicht mehr Zeit hatten, um uns Uzès anzusehen. Zum Glück waren die Straßen jetzt frei, die Fahrt gegen die über den Cevennen vor uns untergehende Sonne war zunächst noch sehr schön, die weitere Fahrt, etwa ab Alès, verlief dann aber im Dunkeln, das war dann nicht mehr so angenehm. So waren wir froh, gegen 22:50 Uhr endlich zurück in unserem Ferienhaus zu landen.

Mittwoch, 20.06.2012 – Pont du Gard, Nîmes

Der zweite Ausflug mit großer Fahrstrecke in die Provence stand heute an, aber dank besserer Planung hat diesmal alles besser geklappt. So standen wir z.B. schon um 6:00 Uhr auf, kamen daher auch schon um 7:15 Uhr von unserem Ferienhaus weg. Das Wetter war zunächst noch gut, auf der Hochebene schien die Sonne, umso größer war die Überraschung, als wir über die Kante der Hochebene ins Tal fahren wollten und feststellten, dass dort alles unter Wolken lag – ein fantastischer Anblick! Die Fahrt über Alès und Uzès nach St. Bonnet du Gard, wo wir unsere Wanderung zum Pont du Gard beginnen wollten, hat auch gut geklappt, leider fing es unterwegs aber immer wieder zu regnen an, einmal richtig heftig, überall standen dunkle Wolken am Himmel, so dass der Tag nichts Gutes verhieß. Nachdem wir das Auto kostenlos geparkt hatten liefen wir durch eine schöne, provenzalische Landschaft, die zuerst noch kultiviert war mit Wein- und Olivenbaumterrassen, später dann ging es aber nur noch durch Natur in Form von Garrigue und Steineichenwäldern. Leider mussten wir schon bald die Schirme aufspannen und sahen daher nicht allzu viel von der Landschaft, erst auf den letzten Kilometern vor der Brücke, hinab durch den Wald, hörte der Regen auf – und sollte zum Glück auch für den Rest des Tages nicht wiederkommen. Es ging schließlich durch einen Tunnel, und plötzlich stand man auf der obersten Etage des Pont du Gard, der Etage mit einer (jetzt nicht mehr betriebenen) Wasserleitung. Grundsätzlich war die Lage des Pont toll und die Brücke als bauliche Meisterleistung unbedingt beeindruckend, trotzdem war ich zuerst etwas enttäuscht, denn bei bedecktem Himmel wirkte die Brücke eher grau und unscheinbar, erst später, als die Sonne sie gelb zum Leuchten brachte, wirkte sie viel imposanter und fotogener. Wir tranken noch einen Kaffee im Besucherzentrum, zusammen mit Horden von Bustouristen, und machten uns dann auf den Rückweg zum Auto. Dabei bekamen wir noch einen Schreck, denn der Tunnel der Wasserleitung, den wir 2 Stunden zuvor durchquert hatten, war plötzlich wegen Steinschlag gesperrt, da hatten wir aber Glück gehabt! Bei jetzt besserem Wetter machten wir auf dem Rückweg noch ein paar Fotos, bis wir schließlich beim Auto waren und um 13:15 Uhr weiterfuhren Richtung Nîmes.

Dort steuerten wir das Parkhaus Jardin de la Fontaine an, stellten unseren Wagen ab und besichtigten als Erstes den gleichnamigen Park nahebei mit dem Dianatempel aus römischer Zeit und der Tour Magne hoch oben auf einem Hügel, den letzten, noch erhaltenen Stadtturm der römischen Stadtmauer mit wirklich toller Aussicht über die Stadt. Hier gab es für 10 € ein Kombiticket inkl. Besichtigung der Arena und des Filmes in der Maison Carrée, das wir erwarben und das sich für uns auch gelohnt hat. Vom Park aus ging’s in die Stadt, in der Maison Carrée lief alle 30 Minuten ein Film über „Helden in Nîmes“ aus der Geschichte der Stadt, na ja, ganz okay, halbwegs lehrreich, wenn er auch mit der Maison Carrée selbst eigentlich nichts zu tun hatte. Der strahlend weiße und perfekt erhaltene (bzw. restaurierte), ehemalige römische Tempel, der die Maison Carrée einst war, ist für sich genommen auch schon beeindruckend genug. Schließlich liefen wir noch kreuz und quer durch die Gassen der autofreien Altstadt bis zur Arena und besichtigten auch diese, wiederum mit Audioguide, wirklich ausgesprochen informativ, lehrreich, gut gemacht und empfehlenswert. Was mich allerdings verwunderte war, dass hier in Nîmes als einem der wenigen Orte doch tatsächlich noch blutige Stierkämpfe stattfanden, was ich dann eher fragwürdig fand. Einzelne Toreros wie z.B. „Nîmeño“ wurden offensichtlich ausgesprochen verehrt, er bekam hier sogar ein Denkmal – na ja… Ansonsten hat sich die Besichtigung aber wirklich gelohnt! Wieder ging es zurück in die Altstadtgassen, wobei ich im Vergleich zu Avignon sagen muss, dass man als Franzose hier vermutlich besser lebt, während Avignon auf mich musealer und touristischer wirkte, fand ich Nîmes französischer und lebendiger. In einer Crêperie aßen wir nicht ganz preiswerte, aber leckere, herzhafte Galettes (38 €), gingen zurück zum Auto, zahlten 7,90 € für 6 Stunden im Parkhaus und fuhren dann gegen 20 Uhr wieder zurück Richtung Cevennen.

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