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mit dem Esel auf dem Stevenson-Weg

Sonntag, 24.06.2012 – Langogne bis Cheylard-l’Évêque

Auf geht’s zur Eselwanderung! Morgens bin ich recht früh aufgewacht, da ich arg geschwitzt habe trotz dünner Decke – man lebt hier im Gegensatz zum etwas kühleren Wetter in unserer Ferienwohnung auf dem Causse Méjean halt doch schon unter dem Einfluss des wärmeren Mittelmeerklimas. Um 8:00 Uhr gab es Frühstück (Weißbrot, diverse Marmeladen, Kakao, Müsli), und um 9:00 Uhr startete unser „Eseltransfer“, Sittelle war schon verladen. Es folgten ca. 1 ¾ Stunden kurviger, aber langsamer Fahrt (wegen des Esels im Hänger), bis wir in Langogne, dem Startpunkt unserer Wanderung ankamen. Am südlichen Ortsausgang wurden wir ausgeladen, der Esel wurde nochmal durch uns „unter Aufsicht“ für die Wanderung startklar gemacht, gestriegelt, gegen Mücken eingeölt, die Hufe gesäubert, und nachdem wir ihn bepackt und uns von unserem Schweizer Begleiter verabschiedet hatten, ging es um 11:15 Uhr los zur 1. Etappe.

Die Strecke, die wir heute bei erneut herrlichem Wetter und ca. 22 Grad Celsius zu laufen hatten, war i.A. einfach, nicht zu steil und durchweg gut beschildert, stellte also kein Problem dar. Und auch unsere Eselin lief gut und in einem angenehmen Tempo, machte allerdings, wie angekündigt, vor allem auf den ersten paar Hundert Metern immer mal wieder Versuche, zum Fressen von Gras am Wegrand einfach stehen zu bleiben, was nicht ganz einfach zu unterbinden war. Manchmal musste man schon arg ziehen oder die empfohlenen „Strafen“ (Klaps auf die Nase oder den Hintern) anwenden, damit sie weiterlief, aber meist war ihr Trott gut und nach einiger Zeit wusste sie auch, dass wir wandern und kein Gras fressen wollten. Nach etwa der Hälfte der heutigen Strecke machten wir im „Bois de la Garde“ eine Pause von 1 Stunde, bei der sich auch Sittelle ausruhen und grasen konnte. Das Gras schien ihr aber nicht so zu schmecken, sie interessierte sich viel mehr für unsere Marschverpflegung, mochte also offensichtlich Apfelsinen lieber… Nach insgesamt 5 Stunden (inkl. Pause) kamen wir schon gegen 16:15 Uhr am Ziel in Cheylard-l’Évêque an. Der Weg und die Landschaft, obwohl zwischen 900 und 1100 Höhenmetern gelegen, erinnerte sehr an deutsche Mittelgebirge, wenn es auch insgesamt etwas felsiger war. Die Unterkunft in Cheylard-l’Évêque war sehr gut. Erstmal wurde der Esel auf eine kleine, eigene Weide hinter dem Haus geführt, dann mussten wir die Packsäcke auspacken, da wir sie wegen der Gefahr, Flöhe ins Haus zu tragen, nicht mit hineinnehmen durften, und schließlich bezogen wir unser hübsches Zimmer, duschten und machten dann noch einen kleinen Erkundungsspaziergang durch den netten Ort einschließlich Besuch der sicher uralten, rustikalen Dorfkirche sowie Aufstieg zu dem kleinen Marienkapellchen mit Kreuzweg oberhalb des Ortes. Nach dem Tagebuchschreiben auf der Terrasse gab es gegen 19:30 Uhr Abendessen, was durchaus ein Erlebnis war: wir 2 und 17 Franzosen an einer langen Tafel, mehrere Gänge, und alles zusammen dauerte fast 2 Stunden, war aber wirklich lecker, nur für meinen Freund Thomas leider etwas doof, da er halt kein Französisch kann und dementsprechend gar nichts verstand, wenn man ihn ansprach. Als Vorspeise gab es einen Teller mit Schinken, Melone, Gemüsepastete, Salami, Gurke, Butter usw., als Hauptgang leckere Hähnchenkeulen mit Kohl und Couscous, danach Käse und als letztes Kuchen aus Blätterteig mit Früchten zum Dessert – so sei die Reihenfolge korrekt, wie man mir versicherte, also erst den Käse und dann die Süßspeise. Und ich dachte immer: Käse schließt den Magen!? Alles schmeckte prima, war üppig und nahrhaft. Gegen 22:30 Uhr gingen wir zu Bett und schliefen sofort tief und fest ein.

Montag, 25.06.21012 – Cheylard-l’Évêque bis La Bastide-Puylaurent

Auch das Frühstück war wieder ausgesprochen gut und reichlich, insgesamt eher süß orientiert, aber an Dingen, die etwas länger vorhielten, gab es auch Camembert, Salami und Müsli. Gegen 8:50 Uhr liefen wir los, 19 km standen heute auf dem Plan, und mit 2 Pausen (1 Stunde am Étang de l’Auradou und ¾ Stunde an der (eingestürzten) Hängebrücke vor La Bastide) waren wir wiederum um ca. 16:15 Uhr, nach knapp 7½ Stunden, am Ziel, wieder eine gute Zeit. Sittelle lief immer besser, zwar versuchte sie auch weiterhin ab und zu, beim Gehen Pausen zum Fressen einzulegen, aber deutlich weniger vehement, als das noch am Vortag der Fall war, sie ließ sich immer leichter davon abhalten, wir konnten uns wirklich nicht beklagen über unseren guten und lieben Esel! Der Weg war auch heute wieder sehr schön, wenn er auch deutlich mehr Asphaltstrecke beinhaltete als am Vortag. Sogar ein kurzes Stück auf einer vielbefahrenen Route départementale mussten wir gehen, das wir aber problemlos bewältigten, wie auch die Furt durch einen breiten, zum Glück flachen Bach. Das bereitete Sittelle keinerlei Probleme, viel mehr Angst hatte sie beim Überqueren eines zwar schmalen, aber trüben Rinnsals auf dem Weg. Dieses übersprang sie nach etwas Zögern, wohl, weil sie den Grund nicht sah, eigentlich wirklich pfiffig und vorsichtig! Die Landschaft war ähnlich wie am Vortag, eher lieblich, nicht so herb, wie ich mir das Gévaudan eigentlich vorgestellt hatte. Besonders schöne Plätze waren vor allem der schon erwähnte, herrlich gelegene Étang de l’Auradou und die Burg oberhalb von Luc, von der nur noch eine Ruine übrig war, deren Donjon man aber besteigen konnte, mit herrlicher Aussicht. Auch das Wetter war heute wieder schön, nicht zu heiß, viele Wolken, also angenehm zu gehen, wenn ich es mir auch manchmal noch etwas sonniger gewünscht hätte.

Das Hotel „La Grand’ Halte“ in La Bastide-Puylaurent, wo wir übernachteten, machte auch einen ganz guten Eindruck, war zwar etwas einfacher und weniger liebevoll gestaltet als die letzte Unterkunft, aber sauber war es auch und alles war da. Wieder duschten wir als erstes, machten einen kleinen Erkundungsspaziergang durch den Ort mit nettem Bahnhof und schrieben dann auf der Terrasse des Hotels Tagebuch bei einer Cola. Ab 19:00 Uhr gab’s Abendessen, eher restaurantmäßig, nicht so „familiär“ wie am Vortag, aber auch durchaus lecker, es gab hier sogar 2 Vor- und Hauptspeisen zur Auswahl. Als Vorspeise entschieden wir uns beide für eine Quiche mit Pilzen und Spinat, als Hauptgericht hatte ich eine Forelle mit Reis, mein Freund nahm gefülltes Gemüse mit Kartoffelbrei, als Nachtisch gab es für uns einen Schoko- und einen Kastanienkuchen. Danach machten wir noch einmal einen kurzen Verdauungsspaziergang, nachdem wir zuvor bei Sittelle vorbeigeschaut hatten, die heute Nacht nicht alleine war, sondern Gesellschaft von einem anderen Wanderesel hatte. Schließlich – wir waren ja immer noch auf 1000 Meter über NN – wurde es dunkel und uns ein wenig kalt, so gingen wir gegen 21:25 Uhr zurück ins Hotel, wo wir gegen 22:30 Uhr das Licht löschten.

Dienstag, 26.06.2012 – La Bastide-Puylaurent bis Bleymard

Heute stand die mit 23 km längste Etappe auf dem Programm, von La Bastide-Puylaurent bis nach Les Bonnetes bei Bleymard. Nach einem eher einfachen Frühstück verließen wir, wie üblich, das Hotel und machten uns auf den Weg, der heute wieder einfach zu gehen war, teilweise schön, teilweise aber auch eher etwas eintönig. Zuerst ging es ca. 4 km auf einem langsam ansteigenden Forstweg bergauf mit allerdings z.T. toller Fernsicht. Danach folgte eine Hochebene, eher wenig abwechslungsreich, da leider wegen des hohen Bewuchses dort ohne Fernsicht, und nach einem kurzen Abstecher zum Rocher de la Réchaubo ging’s hinab nach Chabalier. An einem kleinen Bach hinter dem Weiler legten wir von 12 – 13 Uhr unsere erste Pause ein. Der nachfolgende Teil der Tour führte zunächst noch über einen schönen, alten Verbindungsweg, dann aber mehrere Kilometer über Landstraße bis nach Chasseradès, was nicht so angenehm war, zum Glück herrschte heute wenig Verkehr. Chasseradès selbst war sehr hübsch, ebenso wie der folgende und z.T. leider verlassene Weiler Mirandol. Weiter ging es durch Felder bis L’Estampe und dann erneut über eine Landstraße, lediglich mit einem kurzen Abzweig durch einen Buchenwald steil bergauf, nur um danach rasch wieder auf die Straße zu treffen und auf dieser die nächsten Kilometer weiterzugehen. Zuletzt folgten dann noch 2,5 km Waldweg, recht steil bergab und auch geröllfrei, bis wir schließlich den Weiler Les Bonnetes erreichten, wo wir im Gîte L’Escoutal unterkamen. Wesentliche Besonderheiten gab es unterwegs heute nicht, lediglich ein paar schöne Fernsichten. Architektonisch eindrucksvoll waren v.a. das Dorf Chasseradès sowie die eigenartigen, hiesigen Eisenbahntunnel, eher so eine Art Galerie, die nicht unter Bergen hindurch führten, sondern lediglich Überdachungen darstellten, um die Schienen im Winter vor Schneeverwehungen zu schützen. Toll war mal wieder unsere Unterkunft, ein sehr nettes und geschmackvoll eingerichtetes Zimmer in einem alten Steinhaus, ruhig und weitab von allem Trubel, mit einem heute wieder fantastischen Abendessen, das wir diesmal in Gesellschaft dreier Französinnen einnahmen. Es gab zuerst Salat mit selbstgebackenem Brot und Pastete vom Dorfschlachter, danach Rindfleisch aus dem Département Lozère mit Zucchini und Reis, anschließend sechs verschiedene Sorten Käse, zu allem einen leckeren Rotwein aus dem Département Gard und zum krönenden Abschluss selbstgebackenen Birnenkuchen mit Kaffee oder Salbeitee aus dem eigenen Garten – fantastisch gut und einfach lecker! Das Ganze dauerte 1¾ Stunden, bis wir gut gesättigt um 21:15 Uhr in unser Zimmer zurückgingen, um irgendwann später nach einem langen Wandertag das Licht auszumachen.

Mittwoch, 27.06.2012 – Bleymard bis Finiels

Die Königsetappe war heute dran, nicht die längste, aber die zum höchsten Punkt des gesamten Stevensonwegs, dem Sommet de Finiels genanten Gipfel des Mont Lozère-Bergmassivs auf 1699 m Höhe. Nach einem auch heute wieder sehr leckeren Frühstück verabschiedeten wir uns von unserem gemütlichen Zimmer im Gîte L’Escoutal und von dessen Besitzerin Nathalie. Gegen 9:30 Uhr brachen wir auf, heute etwas später als gestern, da das Frühstück erst um 7:45 Uhr begann und wir außerdem die Prozedur der Vorbereitung des Esels auf die Tagesetappe noch einmal in allen Etappen fotografisch festhalten wollten. Na ja, und wohl auch, weil es so schön und idyllisch hier war und wir uns nur schwer trennen konnten. Der Weg führte zunächst hinab nach Le Bleymard, sehr angenehm durch lichten Wald. Im Ort kauften wir auf Empfehlung von Nathalie hin noch zwei Teilchen in der hiesigen Bäckerei (lecker!), und dann begann der Aufstieg auf den Berg. Zunächst ging es allerdings nur gemäßigt bergauf, die ersten 120 Höhenmeter wurden entlang von Feldern überwunden, dann wurde der Weg steiler bis ziemlich steil für weitere 220 Höhenmeter, ehe wir die Skistation am Mont Lozère erreichten. Hier legten wir von 12:30 – 13:30 Uhr eine Pause ein. Die Station war bewirtschaftet, so gab es sogar den Luxus einer kalten Cola für uns – eine Wohltat an diesem warmen Tag! Unsere Eselin bekam eine Möhre und wir aßen noch Teile unseres Lunchpakets, ehe wir schließlich aufbrachen für die letzten 270 Höhenmeter zum Gipfel, die aber wieder viel weniger anstrengend waren als die zurückliegende Strecke. Der Aufstieg ab hier war nämlich meist eher gemächlich, und da wir oberhalb der Baumgrenze waren, wehte öfter mal ein leichter Wind, der die intensive Sonneneinstrahlung abmilderte, so ließ es sich einigermaßen angenehm gehen. Die Landschaft erinnerte mit ihrem Granit beinahe an das skandinavische Fjell, war wirklich beeindruckend, die Wegsteine (sog. „Pierres de Montjoies“), die z.T. mit Malteserkreuzen versehen waren, sorgten für ein zusätzliches, französisches Charakteristikum. Als wir schließlich den Bergsattel erreicht hatten, von dem aus es rechts als Abzweig zum eigentlichen Gipfel ging, machte Thomas mit Sittelle eine kurze Rast, während ich noch die letzten paar Höhenmeter in Angriff nahm, ca. 1 km einfache Strecke. Der kurze und wenig anstrengende Aufstieg hat sich in meinen Augen aber wirklich gelohnt, denn die Aussicht war heute fantastisch, bis zur gezackten Kette der Alpen in der Ferne ging der Blick, aber auch zum Mont Ventoux in der Provence oder zum Mont Aigoual hin, auf dem wir vor etwas über 1 Woche schon gestanden hatten. Anhand einer Panoramatafel ließen sich die Berge gut identifizieren. Schließlich machten wir uns wieder gemeinsam auf den Abstieg, nahmen aber, da wir keine Karte zur Hand hatten, nicht den eigentlichen GR70 (der für den Esel zu steil sein sollte) und auch nicht den Abstieg, den man uns empfohlen hatte, sondern den kurzen Direktweg nach Finiels gemäß unserem Conrad Stein-Reiseführer. Tatsächlich stellte der sich aber als ebenfalls ziemlich steil heraus, vermutlich kaum harmloser als der eigentliche GR70! Unsere treue Sittelle hat das aber trotzdem wieder super gemeistert! Nach einem letzten Kilometer auf der Landstraße kamen wir um kurz vor 17:00 Uhr in unserer Unterkunft, der „Maison Victoire“ in Finiels an. Nachdem wir den Esel auf die Weide gebracht hatten, erhielten wir vom Hausherrn erst einmal Wasser mit Fruchtsirup auf der Terrasse vor dem Haus im Halbschatten unter den Bäumen als Begrüßung – lecker und sehr willkommen! Unser Zimmer war ausgesprochen groß und schön, wie üblich duschten wir als Erstes, entspannten uns, ich schrieb Tagebuch, drehte danach noch eine kurze Runde durch den Ort und um 19:30 Uhr gab’s Abendessen, das heute so lange dauerte wie bisher noch nie! Wieder gab es als erstes einen Aperitif auf der Terrasse (Weißwein mit Holundersirup), dann gingen wir die Esel mit Hafer füttern, schließlich sollten die auch ihr Abendbrot bekommen! Anschließend begaben wir uns ins Haus für Salat, Quiche, Schweinebraten mit Kartoffeln, Käseplatte und Aprikosenkuchen, dazu jede Menge Rotwein, und das Ganze noch mit Familienanschluss, denn der Hausherr und seine Frau saßen mit uns 12 Gästen an einem Tisch! Das war typisch französisch, gemütlich, einfach schön, wenn ich es auch als ziemlich anstrengend empfand, mit meinen doch eher rudimentären Französischkenntnissen über so einen langen Zeitraum an einer Unterhaltung beteiligt zu sein. Schluss war erst nach fast 3 Stunden, gegen 22:15 Uhr. Müde und leicht angeschickert vom Wein und voller Erlebnisse vom Tag fielen wir k.o. ins Bett!

Donnerstag, 28.06.2012 – Finiels bis Mijavols

Langsam ging’s dem Ende der Wanderung entgegen, aber die heutige Etappe hatte es noch mal in sich. Sie war zwar „nur“ 18 km lang, hatte aber doch einige Auf- und Abstiege, die bewältigt werden mussten, z.T. eng und steinig, z.T. langgezogen, so dass sich das schon ziemlich hinzog. Nach einem zwar auch wieder nur süßen, aber ansonsten sehr leckerem Frühstück verabschiedeten wir uns von unseren freundlichen Gastgebern und dem Dorf Finiels. Bevor wir losmarschierten, machten noch ein paar „Friedhofsfotos“, denn hier in den Cevennen gibt es häufig die Besonderheit, dass jede der im Ort ansässigen Familien (hier insgesamt 8) das Sonderrecht hat, ihre Angehörigen auf dem eigenen Grundstück begraben zu dürfen, das wirkte auf uns schon sehr ungewöhnlich. Wir gingen anschließend zunächst 5 km lang weiter den Berg hinab bis zum Ort Le Pont de Montvert. Der Weg war zwar teilweise sehr schmal, gehörte aber trotzdem (oder vielleicht auch gerade deshalb) mit zu den schönsten Abschnitten der Wanderung bisher. In dem kleinen, engen, hübschen und geschäftigen Ort tranken wir an der Brücke eine Orangina, ehe wir den ersten Anstieg des heutigen Tages zur Hochfläche von L’Hermet auf einem Pflasterweg bewältigten. Oben legten wir eine erste längere Pause von 1 Stunde ein, mit toller Aussicht über Finiels bis zum Bergmassiv des Mont Lozère, dann ging’s weiter über die mit Granitfelsen übersäte Hochfläche, schließlich wieder hinab, ehe ein zweiter, diesmal endlos langgezogener und wenig abwechslungsreicher Anstieg durch Mischwald auf einem Forstweg folgte bis zum Col de la Planette. Auch hier wieder kam einem die Landschaft fast wie im deutschen Mittelgebirge vor, nichts Spektakuläres, deshalb wollte man eigentlich nur rasch weiter und konnte dementsprechend „Strecke machen“. Oben angekommen legten wir die zweite Pause ein, diesmal nur 45 Minuten, und erklommen dann noch ein paar weitere Höhenmeter bis zum Signal de Bougès auf 1421 m Höhe. Hier oben, oberhalb der Baumgrenze, hatte man wieder tolle Fernblicke in alle Richtungen, allerdings pfiff der Wind plötzlich so kalt, dass wir uns nicht lange aufhielten, sondern die letzten noch fast 5 km Abstieg bis zum Übernachtungsort Mijavols in Angriff nahmen. Das war ein eigentlich ganz einfach zu gehender, zwar erst steiler, später aber immer flacherer Weg, aber da es immer später wurde und uns die Füße langsam weh taten, waren wir froh, trotz der auch hier noch tollen Aussicht gegen 18:20 Uhr, so spät wie noch nie bisher, unsere Unterkunft zu erreichen. Es war auf dieser Wanderung unsere erste und einzige Übernachtung in einem Gîte d’Étape, also einer Art „Berghütte“, da es hier im Ort keine Privatzimmer gab, entsprechend groß war die Umstellung vom „Luxus“ der Vortage auf die doch eher spartanischen Verhältnisse hier, aber für eine Nacht war’s schon o.k., obwohl der Gîte, in dem die Betten dicht an dicht standen, mit 18 Leuten proppenvoll war, allein in unserem Schlafraum mit weniger als 20 qm schliefen 10 Leute! Köstlich war allerdings mal wieder das Abendessen, es gab Melone, Brot mit hausgemachter Wurst, leckere Bratwurst (mit Kastanieneinlage!?), Linsen mit jeder Menge Knoblauch, Ziegenkäse und weiße Pfirsiche zum Nachtisch – alles wieder extrem köstlich! Wie in Wanderhütten üblich ging man danach rasch ins Bett, das Licht wurde um kurz nach 22:00 Uhr ausgemacht. Leider war es extrem heiß und schwül in den Zimmer, alles klebte, so dass ich bis 1:00 Uhr arge Schwierigkeiten hatte, in den Schlaf zu kommen, dann kühlte es aber deutlich ab und letztlich schlief ich dann doch noch ganz gut.

Freitag, 29.06.2012 – Mijavols bis Florac

Leider war die Nacht aber um 6:00 Uhr schon wieder zu Ende, als sich, wiederum wie üblich auf Wanderhütten, die ersten Schläfer bereits regten, und das, obwohl es erst um 7:30 Uhr Frühstück gab. Wir standen dann aber auch irgendwann auf, machten uns frisch, überbrückten die Zeit bis zum Frühstück mit Tagebuchschreiben und liefen dann los ins Dorf zum Essen, denn der Gîte lag etwas abseits. Das Frühstück war leider nicht so doll wie das Abendessen, aber satt wurden wir auch. An unser (vorab reserviertes) Lunchpaket dachte die Wirtin aber erst in letzter Sekunde, da sie nichts vorbereitet hatte, beschränkten wir uns auf Obst, 1 kleinen Schafskäse und Schokolade. Gegen 8:30 Uhr machten wir uns auf den Weg. Die letzte Etappe unseres Abschnitts des Stevensonwegs lag vor uns, nur ein paar Stunden noch, dann sollten wir es (leider) geschafft haben. Es folgte zuerst ein gemächlicher Aufstieg zum Col du Sapet mit schönen Ausblicken auf die südlichen Cevennen, unser Ziel, den Ort Florac, sah man allerdings nie. Ab dem Col du Sapet ging es nur noch langsam bergab, bis ins Tal des Tarn auf breiter Forststraße. Zwar gab es auch hier noch vereinzelt ganz hübsche Aussichten, diesmal nach Norden, aber irgendwie zog sich der Weg doch wieder arg, v.a. das letzte Drittel, aber vielleicht lag dieses Empfinden ja auch nur am „drohenden Ende“ unserer Wandertour. Schließlich bei Cocurès im Tal des Tarn angekommen war die Gegend zwar viel stärker besiedelt als auf den Bergen, aber da der letzte Teil des Wegs bis Florac meist nah am Fluss entlang führte, ließ er sich doch recht hübsch gehen. Um kurz nach 16:00 Uhr kamen wir schließlich an unserem verabredeten Treffpunkt an, dem Kreisverkehr vor Florac. Thomas blieb dort bei unserem Esel, ich lief nochmal kurz zum Einkaufen in die Stadt, und überpünktlich um 17:15 Uhr kam unser „Taxiservice“, der Sittelle, unsere treue und liebe Gefährtin der letzten sechs Tage, und uns in 1¼ Stunden zurück nach Castagnols brachte. Eine schöne, erlebnisreiche, an manchen Tagen (3 und 5) durchaus anstrengende und trotzdem erholsame Wanderung ging damit zu Ende. Für mich ohne, für meinen Freund mit insgesamt 4 Blasen… Wir bekamen in Castagnols unser „altes“ Zimmer wieder wie in der Nacht vor der Wanderung, und nachdem der Esel zurück in den Stall gebracht worden war, duschten wir und aßen anschließend wieder lecker zu Abend. Heute gab es Tomaten-Zwiebel-Möhren-Rohkost mit Ei, Kotelett mit Bandnudeln, Käse und Birne mit Schokoladensauce. Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang durch das nicht ganz so kleine, aber hübsche Dorf fielen wir ein letztes Mal in diesem Frankreich-Urlaub ins Bett und in einen tiefen und erholsamen Schlaf.

Samstag, 30.06.2012 – Heimreise

Um 7:00 Uhr standen wir auf, frühstückten um 7:30 Uhr und machten uns dann um 8:30 Uhr auf den Weg der langen Autofahrt: über Vialas, Génolhac, Les Vans (letzte Einkäufe im Supermarkt und Tanken) ging es nach Aubenas und Montélimar. Hier fuhren wir auf die Autobahn, weiter ging es über Lyon, Dijon und Metz bis nach Luxemburg, wo wir noch einmal tankten, da es hier immer noch 30 ct günstiger war als in Frankreich oder in Deutschland. Hinter der Grenze aßen wir bei einem Italiener an der Mosel zu Abend und fuhren schließlich die schon vom Hinweg bekannte Strecke über Trier, Mayen, Köln und Düsseldorf wieder nach Hause, wo wir um 23:00 Uhr abends erschöpft ankamen nach einer langen Autofahrt, aber zufrieden und glücklich nach einem wunderschönen und vor allem in der 2. Woche ganz besonderen Urlaub. Sollte sich mir noch einmal die Gelegenheit ergeben, eine Eselwanderung zu machen, so habe ich mir vorgenommen, das unbedingt wiederholen zu wollen. Es war einfach toll, wie rasch wir mit unserer Eselin zu einem Team zusammen gewachsen waren, wie treu und zuverlässig sie uns in den 6 Tagen begleitet hatte und welche Freude sie uns bereitete! Au revoir, ma chère!

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