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Norden

01. + 02.11.1995: Weiterfahrt nach Mae Hong Son und Stadtbesichtigung

Weiter ging es am folgenden Vormittag zum eigentlichen Zwischenziel Mae Hong Son, wo ich länger bleiben wollte. 3 ½ Stunden dauerte die Fahrt mit dem Bus, auch heute wieder war die Strecke recht kurvig, die Landschaft sah zunehmend weniger tropisch aus als weiter südlich, Reisfelder links und rechts der Straße fanden sich allerdings unverändert zuhauf. Mae Hong Son selbst machte auf den ersten Blick einen recht einladenden Eindruck, deutlich netter als Mae Sariang. Für 200 Bt. pro Nacht fand ich im Piya Guest House eine nette und saubere Unterkunft. Abends fing ich schon mal an, mich bei den örtlichen Anbietern nach Trekkingtouren in den nächsten Tagen zu erkundigen, zum Essen gab es scharfes, super-leckeres Chicken Curry. Ach ja: in der Vor-Handy-Ära habe ich dann auch von einem öffentlichen Telefon mal für 54 Bt. (3 DM) nach Hause telefoniert – Zeiten waren das…!

Der 2.11. war ein eher „schlaffer“ Tag, denn die Stadtbesichtigung in Mae Hong Son, die heute auf dem Programm stand, war nicht wirklich tagesfüllend, allzu viel gab es hier im Ort nicht zu sehen. Ich stieg zunächst vormittags auf zum Wat Doi Kong Mu auf dem Hügel oberhalb von Mae Hong Son, der Aufstieg war schweißtreibend, das Wasser lief mir nur so übers Gesicht, die Aussicht allerdings war die Mühen wert, der Ort sah von oben aber viel kleiner aus, als er von unten aus schien. Anschließend schaute ich mir die anderen Tempel des Ortes an und spazierte über das Rollfeld des kleinen, hiesigen Flughafens, wo gerade nichts los war und das deshalb abends angeblich auch gern von Joggern genutzt wurde. Schließlich buchte ich dann auch noch eine Trekkingtour ab dem Folgetag. Ich entschied mich für ein dreitägiges Trekking bei Nam Rin Tours für 1600 Bt. (knapp 90 DM), nachdem andere, angekündigte Touren mangels Teilnehmern abgesagt waren. Das Angebot von Nam Rin gefiel mir aber ganz gut, Dam, der Chef des Ladens, machte einen zuverlässigen Eindruck und auch der Preis war im Vergleich zu andern Anbietern reell, nicht ganz günstig, aber auch nicht überteuert. (Ganz so schlecht schien sein Geschäft in den Jahren danach auch nicht gelaufen zu sein, immerhin gibt es den Laden laut Internet auch heute noch!) Danach war ich extrem gespannt, was mich wohl in den folgenden Tagen erwarten würde, mein Tagebuch endete heute mit den Worten „So, morgen geht’s los. Au weia!“

03. – 05.11.1995: Dreitägiges Dschungeltrekking ab Mae Hong Son entlang der Grenze zu Myanmar

Start der Tour war morgens um 8:30 Uhr. Zuerst holten wir meine beiden Mitstreiter, ein Pärchen aus England, in deren Hotel ab, 10 Minuten fuhren wir mit einem Wagen und schon trafen wir auf „unsere“ Elefanten, die uns etwa 1 Stunde lang gemütlich durch den Dschungel trugen, eine nette, harmlose Angelegenheit. Da ich mit meinem Mahut allein auf einem Elefanten saß, durfte ich irgendwann während der Tour auch mal den Platz wechseln und auf dem Kopf des Elefanten hinter dessen Ohren sitzen statt auf dem Touristensitz, ich kam mir fast vor, als wäre ich selbst Mahut! Am Ziel angekommen ging es los unter der Führung von Dam und seiner Begleitung, genannt „Mr. T“, einem Karen, der das gesamte Trekking übrigens in Flipflops ohne jegliche Probleme absolvierte. Grob gesagt verlief der Weg am ersten Tag 5 Stunden lang entlang eines Baches, immer aufwärts bis zu einem Karendorf, in dem wir auch übernachteten. Wir schwitzten dabei, wir dürsteten, wir legten Rast an einem Wasserfall ein, bis wir schließlich in dem Dorf ankamen. Geschlafen haben wir in einer Hütte auf dem Holzboden, besonders bequem war das für den komfortgewohnten Mitteleuropäer aber nicht. Da die Karen im Dorf abends bis 22 Uhr lauthals sangen und morgens ab 4 Uhr die Hähne krähten, habe ich nicht wirklich gut geschlafen, obwohl ich ziemlich groggy war. Die Atmosphäre im Ort war übrigens ein wenig seltsam, wir waren nicht die einzigen Touristen, in einer anderen Hütte übernachteten auch noch zwei weitere Leute, ich hatte insgesamt den Eindruck, dass man hier im Ort von den Touristen eher etwas genervt war, da man zu viele davon sah, aber vielleicht war das auch eine Fehleinschätzung, ich konnte es nicht genau sagen. Alles in allem war es trotzdem ein guter, erster Trekkingtag.

Aber es sollte sich ja noch weiter steigern! Gegen 8 Uhr am nächsten Morgen begannen wir, etwas unausgeschlafen, unseren Marsch Richtung burmesischer Grenze, der „natürlich“ (was auch sonst?) steil bergauf verlief. Wir japsten alle dauerhaft, bis auf Mr. T., mussten immer wieder pausieren, genossen dabei aber herrliche Aussichten. Wir sahen Vögel, Käfer, auch Schlangen, einen Hundertfüßer, ansonsten aber keine größeren Tiere. Nachdem wir den Berg erklommen hatten, krabbelten und rutschten wir auf schlickigem Boden durch einen Bambuswald auf der anderen Seite wieder hinunter. Im Tal angekommen stopfte man uns Tabak in die Socken und rieb das Ganze mit Zitronensaft ein, das sollte gegen Blutegel helfen, die in dem Bach wohl zu finden waren, entlang dessen unsere weitere Tour verlief. Schon den ganzen Tag über zuvor haben wir eine Limone in unserer Hosentasche mit uns herumgetragen, da die angeblich gegen Schlangenbisse helfen soll. Einen eigentlichen Pfad gab’s im weiteren nicht, deshalb legten wir in den kommenden 3 Stunden große Teile des Wegs auch im Wasser zurück. Wir hatten ständig nasse Füße, schwitzten weiterhin wie die Tiere im dichten Dschungel, man konnte die ersten Blasen spüren und fragte sich immer wieder, was man hier eigentlich macht, war aber doch irgendwie fasziniert von allem und grundzufrieden. Gegen 15 Uhr blieben wir dann irgendwo mitten im Urwald einfach stehen, und während Dam und Mr. T. ohne jede Müdigkeit darangingen, uns aus Bambus und Bananenblättern einen Unterstand für die Nacht zu bauen, ruhten wir Touristen erstmal unsere geschundenen Gliedmaßen aus. Abends wurde dann noch das Huhn geschlachtet, das Mr. T. frühmorgens bei unserem Abmarsch im Karendorf gekauft hatte, zusammen mit diesem gab es zum Abendessen noch Reis und Flusskrebse, die man unterwegs im Bach eingesammelt hatte. Was man hier im Urwald ohne Bambus machen würde, war mir nach dieser Tour auch nicht mehr vorstellbar, er wurde für fast alles verwendet: er diente zum Bau der Hütte, es wurden Koch- und Trinkgefäße daraus geschnitzt, wir bastelten uns eine Wäscheleine, einen Grillspieß, einen „Toaster“, unsere Feuerstätte usw. usf. Begegnet waren uns heute nur sechs Leute, drei Karen aus Myanmar, die zu Besuch bei Freunden im Flüchtlingsdorf waren und drei Karen aus diesem Dorf, die Bambus den Bach hinunter zogen. Die Grenze hier zwischen Thailand und Myanmar war zwar international festgelegt, da das Gebiet der Karen sich jedoch auf beiden Seiten der Grenze erstreckte, gab es natürlich den kleinen Grenzverkehr. Wenn dieser von den Karen selbst überwacht wurde, war alles friedlich, wenn die Burmesen das übernehmen, gab es wohl auch schon mal Probleme in Form von Übergriffen auf thailändisches Gebiet. Aktuell schien aber alles friedlich, so konnten wir beruhigt sein, zumal hier auch keine Banditen ihr Unwesen treiben sollten.

Zum Frühstück gab es am letzten Trekkingtag dann noch eine Steigerung gegenüber dem Abendessen: anstelle der Flusskrebse wurden nun gegrillte, im Bach gefangene Frösche serviert, aber wenn man die Augen schloss, schmeckten auch die eigentlich gar nicht so schlecht. Die Wanderung verlief zunächst über viele Reisfelder bis zu einem Karen-Flüchtlingsdorf, wo wir die Krankenstation besichtigen konnten, was ganz interessant war. Schließlich ging es als krönenden Abschluss des Trekkings ein letztes Mal 2 Stunden lang einen Berg steil hinauf, der Schweiß lief wieder nur so, bis wir ein fantastisch gelegenes 30-Seelen-Dorf des Volksstamms der Lisu erreichten. Hier oben genossen wir eine grandiose Aussicht, die Sonnenaufgänge hier müssen wirklich fantastisch sein! Das Dorf wirkte sehr gepflegt, die Leute freundlich, zuvorkommend, man fühlte sich richtig wohl. Danach folgte der letzte, zweistündige Abstieg und als krönender Abschluss eine entspannte Fahrt auf einem Bambusfloß den Pai-Fluss hinab nach Mae Hong Son. Dort angekommen waren wir alle drei hundemüde, dreckig, völlig k.o., aber doch unheimlich zufrieden mit uns, dieser Tour und dem dabei Erlebten.

06. – 08.11.1995: Flug nach Chiang Mai und Besichtigung der Stadt und der Umgebung

Dann hieß es schon wieder Abschied nehmen von Mae Hong Son. Den Morgen des nächsten Tags konnte ich noch gemütlich vertrödeln und wusch meine Wäsche, ehe mich der Flieger um 14:10 Uhr in einem 25-minütigen, ruhigen und aussichtsreichen Flug nach Chiang Mai brachte. Unterwegs flogen schon einige Krathongs an uns vorbei, Himmelslaternen, die hier in Thailand während des aktuell gerade stattfindenden Loy Krathong-Festes in die Luft gelassen werden. Nach Bezug meiner Unterkunft begab ich mich abends noch auf einen Spaziergang Richtung Ping-Fluss, dem Zentrum der Feierlichkeiten anlässlich Loy Krathong. Unterwegs an den Straßen waren schon überall Stände zu sehen, an denen Krathongs verkauft wurden. Bei Einbruch der Dunkelheit schließlich wurden diese auf dem Fluss zu Wasser gelassen, bis der Ping von Tausenden kleiner Flöße beleuchtet war. Auch zahlreiche fliegende Krathongs wurden in den Himmel steigen gelassen, einige Kracher und Feuerwerkskörper abgefeuert, es herrschte eine tolle Stimmung, einerseits festlich-feierlich und romantisch, andererseits aber auch fröhlich und ausgelassen, fast wie eine Mischung aus Weihnachten und Neujahr. Auf dem Rückweg zum Hotel sah ich noch einen Umzug anlässlich des Festes, auch dieser brachte die Stimmung gut rüber, zeigte allerdings auch den Hang der Thais zu etwas übertriebenem Kitsch. Mein Hotel, das Lai Thai Guest House, war das bisher beste der Reise, mit 320 Bt. zwar auch nicht gerade günstig, aber vom Ambiente und der Ausstattung her wirklich empfehlenswert.

Der nächste Tag war dem Sightseeing in Chiang Mai gewidmet, dabei standen in erster Linie einige Tempel auf dem Programm in der folgenden Reihenfolge: Wat Chedi Luang, Wat Phra Singh, Wat Suan Dok und Wat Chiang Man. Jeder Tempel war auf seine Art recht schön und beeindruckend, meist mit viel Grün drum herum, in dem die Wohnhäuser der Mönche stehen. Negativ war für mich allerdings die Tatsache, dass man hier (zum ersten Mal während meines Thailand-Urlaubs) unmittelbar nach Betreten der Tempelanlagen rasch von selbsternannten Führern angesprochen wurde: „Hello! Where are you from? Where are you going?“ Ich kannte das von Urlauben in Europa bisher gar nicht und fand das ziemlich lästig, damit umzugehen, musste ich erstmal lernen. Was mir hier in Chiang Mai auch nicht so gut gefiel, war der ausgesprochen dichte Verkehr, der Lärm, die Abgase, selbst bis in die Klosteranlagen hinein fuhren die Autos, beim Überqueren der Straßen hatte ich als Fußgänger kaum eine Chance, das schlauchte mich doch ziemlich. Schließlich waren auch die Entfernungen in der Stadt zu Fuß nicht zu unterschätzen. Grundsätzlich hätte die Stadt mit ihrer quadratischen Anlage, umgeben von einer Stadtmauer, dem Wallgraben, den Tempeln und schönen alten Häusern die Chance, einiges aus sich zu machen, mit dem vielen Verkehr und architektonisch hässlichen Neubauten wurde das leider zunichte gemacht. Nachdem ich die Innenstadt erkundet hatte, ging es noch aus der Stadt raus, hinauf zum Wat Doi Suthep, dem goldenen Tempel hoch über Chiang Mai. Hier herrschte ein unglaublicher Touristenrummel, zahllose Busse waren vor Ort, zugegebenermaßen war der Tempel aber auch wirklich fantastisch, über und über mit Gold bedeckt, außerdem bot sich von hier oben aus ein toller Blick auf Chiang Mai. Abends warf ich noch einen ersten Blick auf den hiesigen Nachtmarkt, wo ich etwas aß, ehe es zurück ins Guest House ging.

Der letzte Tag im Norden war dann etwas stressfreier. Ich wollte einen Ausflug ins Handwerkerdorf Bor Sang machen. Mit dem Bus ging es für 4 Bt. je Strecke (20 Pfennige!) über eine lange Ausfallstraße dorthin. Schon entlang dieser Straße fanden sich unzählige Kunsthandwerksbetriebe, vor denen überall Touristenbusse hielten. Bor Sang selbst entpuppte sich letztlich als eine von dieser Ausfallstraße abzweigende Stichstraße. Zunächst war ich etwas enttäuscht, da alles hier recht tot aussah, vereinzelt entdeckte ich dann aber doch in Gärten oder Hinterhöfen Leute, die dabei waren, Schirme oder Fächer zu bemalen, ein paar kleine Fächer als Souvenir erstand ich dann letztlich auch. Später zurück in Chiang Mai ging es wieder auf den Nachtmarkt, und nachdem ich dort erstmal meinen Hunger gestillt hatte, verfiel ich noch in einen regelrechten „Kaufrausch“, das Einkaufen machte hier aber auch wirklich Spaß. Stets musste gehandelt werden, die Thais waren dabei immer fröhlich, und wenn man etwas erworben hatte, hatte man meist ein gutes Gefühl, selbst, wenn man vielleicht doch etwas zu viel bezahlt hat, aber günstig war das meiste trotz allem, besonders Kleidung, speziell aus Seide, aber auch Schmuck und Souvenirs, da fiel es oft schwer, nein zu sagen.

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