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Aukštaitija NP

Freitag, 08.06.2018 – Mittelpunkt Europas, Imkermuseum Stripeikiai, Palūše

Heute war mein Geburtstag! Leider sah dieser Tag wieder ein wenig Fahrstrecke vor, allerdings nicht allzu viel, auch das Programm war beschränkt, so dass es letztlich doch ein angenehmer und gemütlicher Tag wurde. Den Wecker hatten wir erst auf 8 Uhr gestellt, dennoch war ich, wie in den Nächten zuvor, doch schon wieder um 7:15 Uhr wach. Nach dem Frischmachen ging es zum Frühstück, heute war es hier unruhiger, ein ständiges Kommen und Gehen, alle Tische waren besetzt, das Frühstück daher leider nicht so gemütlich wie am Vortag. Anschließend kaufte Thomas noch zwei Teilchen in der Bäckerei nebenan und um 10 Uhr checkten wir aus, fuhren los, mit dem Auto quer durch Vilnius und dann weiter gen Norden. Am Ausgang der Stadt tankten wir noch an einer Tankstelle, die zwar auch über ein Kassenhäuschen verfügte, dennoch musste man alles am Automaten erledigen wie an den meisten Tankstellen hier in Litauen. Erfreulicherweise konnte man auch Deutsch als Sprache vorwählen, leider haben wir nicht herausgefunden, wie man es schafft, voll zu tanken, wir mussten entweder einen Betrag oder eine Liter Anzahl vorgeben, wir wollten nicht zuviel eingeben in der Befürchtung, dass der überzahlte Betrag verfällt. Später hat man uns aufgeklärt, dass der eingegebene Betrag zunächst nur auf der Kreditkarte geblockt wird, abgebucht werden würde aber nur so viel, wie man tatsächlich getankt hat. Wir haben den Wagen für 30 Euro aber wieder fast voll gekriegt, fuhren noch ein Stückchen weiter und dann zu unserem ersten Tagesziel, eigentlich unspektakulär, allerdings landschaftlich schön gelegen machten wir einen kurzen Stopp am geografischen Mittelpunkt Europas, genau zwischen Azoren und Ural bzw. Spitzbergen und Kreta gelegen. Etwas verwirrend war hier nur die Tatsache, dass sowohl ein Stein, als auch eine Säule und noch eine Windrose vorhanden waren, welcher der drei Punkte nun tatsächlich der Mittelpunkt sein sollte, war nicht genau ersichtlich.

Schließlich ging es weiter Richtung Norden, die Landschaft wurde immer dünner besiedelt, bis wir schließlich in den Aukštaitija-Nationalpark einfuhren. Wir passierten einige hübsche Dörfchen und besuchten zuerst das Imkermuseum in Stripeikiai. Dieses war recht überschaubar, zeigte Gegenstände aus der Imkerei aus verschiedenen Jahrzehnten in zwei Räumen, außerdem ein paar alte, unbenutzte und neue, bewohnte Bienenstöcke, dennoch war es recht hübsch gemacht, eine kurze Einführung erhielten wir zuvor sogar auf Deutsch, konnten außerdem hiesigen Honig kaufen.

Schließlich erreichten wir unsere Unterkunft, die restaurierte Wassermühle in Ginučiai, wo wir eincheckten, unser Gepäck deponierten und von wo aus wir dann weiter fuhren nach Palūše. Dort informierten uns ein wenig im Nationalpark-Informationszentrum über mögliche Wanderwege, besichtigten die Holzkirche, was leider nur von außen möglich war und kauften anschließend im Supermarkt ein paar Lebensmittel ein. Der Supermarkt war recht klein, interessanterweise aber zu deutlich über 50% mit Getränken, auch Alkoholika bestückt, die übrige Auswahl war eher gering. Naja, für uns reichte es. Schließlich liefen wir noch den knapp 4 km langen, botanischen Lehrpfad entlang, ein hübscher Spaziergang, trotz der Nähe zu den Seen hielten sich sogar die Mücken in Grenzen, nur unmittelbar am Wasser war es unangenehm. Zum Abendessen fuhren wir wenige Kilometer weiter nach Ignalina, aßen dort im Lokal Romnesa, das Essen war lecker, wenn auch doch recht deftig-fettig. Ich hatte eine Pfanne mit Pilzen in Speck-Sahnesoße, dazu ein paar Kartoffeln. Außerdem kosteten wir den in Litauen üblichen Biersnack, der neben dem schon bekannten, leckeren Brot mit Knoblauchsauce außerdem noch aus Käse und Schweineohren bestand, letztere haben uns, auch wenn in feine Streifen geschnitten, beide nicht begeistert. Auf dem Rückweg wurden bei langsam untergehender Sonne noch einige wenige Fotos gemacht, in der Wassermühle angekommen drehte ich auch noch eine kurze Runde durch den Ort, schließlich wurde dann aber geduscht, die E-Mails und WhatsApp-Nachrichten zum Geburtstag wurden gelesen und gegen kurz vor 23 Uhr ging es ins Bett.

160 km

Samstag, 09.06.2018 – Wanderung im Aukštaitija NP

Mal wieder Wandertag. Da Thomas leider im Aukštaitija-Nationalpark nicht paddeln wollte trotz des heute diesbezüglich fantastischen Wetters und der guten Möglichkeiten, entschieden wir uns für eine Wandertour, die uns durch die Wälder und teilweise auch an die Ufer der zahlreichen Seen führte. Der Weg insgesamt war durchaus hügelig, mehr als erwartet, wenn auch nicht wirklich anstrengend. Als wir um kurz nach zehn unsere Unterkunft nach dem selbst zubereiten Frühstück verließen, hatte das Museum der Wassermühle nebenan gerade geöffnet, sodass wir zunächst auch noch dieses besichtigen. Es bot einen interessanten Einblick in die Funktionsweise dieses Industriedenkmals, einige wenige Fotos und Werkzeuge waren auch noch ausgestellt, das war dann aber auch alles, reichte jedoch völlig aus, um sich ein anschauliches Bild von der Funktion der Mühle zu machen. Interessant fand ich, dass das Schaufelrad hier nicht, wie ich es vermutet hätte, senkrecht stand, sondern waagerecht in einem Trog lag, der vom Wasser des Baches durchströmt wurde, um so das Rad anzutreiben. Im weiteren erfolgte die Nutzung über Umlenkrolle dann wie bekannt. Um kurz nach 10:30 Uhr starteten wir endlich unsere eigentliche Tour.

Es ging aus dem Ort heraus, zunächst über einen endlos langen, sonnigen Fahrweg geradeaus, der auch als Straße benutzt wurde, wenn eines der wenigen Autos hier vorbei kam, wurde man leider doch in eine ziemliche Staubwolke eingehüllt, zumal die wenigsten Autofahrer ihr Tempo drosselten beim Passieren. Ab und zu sahen wir auch Seen durch die Bäume blitzen, teils größer, teils kleiner, der vor allem aus Kiefern bestehende Wald war nämlich sehr licht und dadurch auch hell, nicht düster. Erstes Ziel des Tages war auch gleich der am weitesten entfernt gelegene Punkt unser Wanderung, eine Landzunge, die wir ansteuerten. Man näherte sich dieser über einen Höhenzug, als wir schon fast an der Spitze waren, lief uns doch tatsächlich ein Marderhund vor die Füße in circa 100 m Entfernung, schaute uns kurz an und drehte dann leider wieder ab, so dass kein Foto gelang, man konnte ihn aber kurz schön anschauen. Wir legten hier dann ein erstes Picknick ein, suchten einen Geocache, machten ein paar Fotos, dann ging es zunächst auf demselben Weg zurück, im weiteren dann bogen wir Richtung Süden ab, um einen kleinen Ort anzusteuern, in dem ein paar ältere, aber auch einige überraschend große und neue Häuser standen, letztere vor allem etwas abseits, vermutlich Ferienhäuser wohlhabender Städter. Dort wurde dann auch gegen 15 Uhr das zweite und größere Picknick absolviert. Über eine Brücke ging es zum Ort Salos 2, der als historisch wertvoller Ort geschützt war. Gemäß einer dortigen Informationstafel waren allerdings auch nur noch zwei Gebäude ursprünglich aus dem 19., alle anderen aus dem 20. Jahrhundert, zum Teil auch hier schick renoviert, dennoch wirkte der Ort gemütlich, verschlafen und wie aus einer anderen Zeit, zumal man nur einen einzigen Menschen sah, der mit einem Traktor auf dem Feld arbeitete. Weiter führte uns der Weg auf den höchsten Berg der hiesigen Gegend, den Ladakalnis. Die Aussicht von dort oben war wirklich schön und wild, wenn man auch nicht alle 6 Seen sah, die man hätte sehen sollen. Ganz interessant war noch, dass sieben junge Leute, die dort hoch kamen, sich plötzlich im Kreis aufstellten und zu singen anfingen. Uns war nicht ganz klar, was sie dort sangen, möglicherweise entsprach es einfach der litauischen Tradition, nur mal so aus Freude dran gemeinsam zu singen, bei uns findet man sowas ja eher selten, schon gar nicht bei jungen Leuten. Über einen zweiten Aussichtshügel daneben von fast derselben Höhe, den Ginučiai-Hügel, auf dem vor acht Jahrhunderten mal ein Fort stand, ging es weiter, die letzten Meter zurück zu unserer Unterkunft mussten wir auf der Asphaltstraße zurücklegen. Dieses war allerdings auch der einzige Asphaltanteil an der Strecke, der übrige Weg war, wie schon gesagt, teils Schotterpiste, größtenteils aber auch guter Fußweg. Um kurz vor sechs waren wir schließlich wieder in unserer Unterkunft, gingen zum Abendessen in das einzige, auch nur saisonal geöffnete Lokal des Ortes und aßen in Selbstbedienung verschiedene Kloßgerichte, einfach und ganz lecker.

0 km

Sonntag, 10.06.2018 – Berg der Kreuze

Ein langer Fahrtag, unterbrochen aber durch einige Besichtigungen. Wegen der langen Fahrzeit standen wir heute früh auf, um 7 Uhr ging der Wecker, schon kurz davor waren wir aber wach, da uns ein paar Mücken im Zimmer störten. Zum zweiten Mal bereiteten wir uns heute selbst ein Frühstück, kamen mit den eingekauften Dingen auch gut hin, so dass wir alles aufbrauchten. Um 8:20 Uhr fuhren wir los, zunächst über nahezu menschenleere Straßen, da ja auch Sonntag war, wieder aus dem Aukštaitija-Nationalpark hinaus. Über Moletai und Panevežys ging es quer durchs Land bis zum Berg der Kreuze. Die Straßen waren gut, ließen sich prima fahren, auch aufgrund des geringen Verkehrs, die Landschaft war aber nach Verlassen des Nationalparks doch eher langweilig, recht flach, wenig Landwirtschaft, wenig Wald, immer wieder vereinzelte Häuser, wenig Dörfer. Am Berg der Kreuze fuhren wir auf den Parkplatz, der uns 0,90 Euro kosten sollte, interessanterweise konnte man nur 100 m weiter auch kostenlos am Straßenrand parken, was aber nicht offiziell ausgeschildert war. Egal, die Parkgebühren lagen ja noch im Rahmen! Etwa eine Stunde liefen wir über und um den Hügel herum. Es waren sicherlich auch einige Litauer da, ansonsten jedoch hauptsächlich Touristen, die Atmosphäre entsprechend. Auch ging kaum Wind, sodass man nicht das Klappern der Holzkreuze hören konnte, dass angeblich zur Atmosphäre des Ortes beitragen soll. Dennoch war die riesige Anzahl der Holzkreuze, die sich überall um den Berg herum befanden, sicherlich eindrucksvoll, gerade auch in Kenntnis der Geschichte, dass dieser Berg vor allem zu Zeiten des Sozialismus mehrfach zerstört wurde, aber trotzdem in kurzer Zeit immer wieder neu entstanden ist.

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