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Agia Roumeli – Sougia

Freitag, 04.10.2019: Samaria-Schlucht

Heute stand die Wanderung durch die Samaria-Schlucht auf dem Programm, fĂŒr viele sicherlich der Höhepunkt eines Urlaubs in Kreta, zumindest aber eine der bekanntesten SehenswĂŒrdigkeiten der Insel. Ich war sehr gespannt, wie mir die Tour gefallen wĂŒrde, zum einen, wie sich diese Schlucht von den anderen Schluchten unterscheiden wĂŒrde, durch die wir bisher gegangen waren, zum anderen aber auch, wie wir uns mit den Touristenmassen arrangieren wĂŒrden, die einem voraussichtlich entgegen kommen. Wie ĂŒblich frĂŒhstĂŒckten wir zunĂ€chst aber noch gemĂŒtlich um 7:45 Uhr im Hotel, stellten dann die Koffer bereit zum Abholen fĂŒr den Transfer und machten uns gegen 9 Uhr auf den Weg. Da die Schlucht direkt in Agia Roumeli begann beziehungsweise endete, konnten wir quasi vom Hotel aus loslaufen.

WĂ€hrend der ersten zwei Stunden trafen wir auch auf fast keinen Menschen, ab 11 Uhr kamen uns dann allerdings die ersten Wanderer entgegen. Insgesamt war das Feld der Schluchtwanderer ziemlich auseinander gezogen, die meisten trafen wir beim verlassenen Dorf Samaria, wo fast jeder mittags eine Picknickpause einlegte. Speziell im unteren Teil war die Schlucht wirklich eng, mit mehrere 100 Meter hohen FelswĂ€nden und dadurch sehr eindrucksvoll, vor allem an der engsten Stelle, der “Eisernen Pforte”, wo die WĂ€nde nur drei Meter auseinander standen. Der Weg war insgesamt problemlos begehbar, teilweise zwar auch steinig, aber trotzdem gut angelegt und gepflegt, mit BrĂŒcken ĂŒber den Bach, kein Vergleich mit der Kraxelei vom Vortag. Nach etwa der HĂ€lfte weitete sich die Schlucht etwas, nahm mehr den Charakter eines Tals an, war aber immer noch sehr schön zu gehen. Was mich auch positiv ĂŒberraschte war, dass durch die Schlucht immer noch Wasser floss, trotz der spĂ€ten Jahreszeit nach dem trockenen Sommer war hier offensichtlich stets noch genug Wasser erhĂ€ltlich, das auch aus den immer wieder am Weg stehenden Brunnen sprudelte, sodass man allzeit frisches Trinkwasser hatte.

Der verlassene Ort Samaria in der Mitte der Schlucht dient jetzt einerseits als Station fĂŒr die Ranger des Nationalparks, ansonsten aber auch als bevorzugte Mittagsrast fĂŒr die Touristen. TatsĂ€chlich liefen hier auch ein paar Ziegen herum, ob das allerdings wirklich die berĂŒhmten, wilden Ziegen (Kri-Kri) der Schlucht waren, kann ich gar nicht genau sagen, denn im Gegensatz zu denen, die angeblich sehr scheu sein sollen, waren diese hier ziemlich zutraulich und auf Nahrungsreste erpicht. Zumindest vom Aussehen her war aber kein Unterschied zu den vom Aussterben bedrohten Kri-Kri zu erkennen. Vielleicht haben sich die Tiere ja doch langsam an die Menschen gewöhnt. Der Ort selbst schien ehemals durchaus groß gewesen zu sein, terrassierte und gemauerte Felder und GĂ€rten erstreckten sich die Schlucht entlang in beide Richtungen ein ganzes StĂŒck. HĂŒbsch war auch die kleine Kirche, die Glocke mit Seil daran hing einfach daneben an einem Baum, der aus dem Fels wuchs!

WĂ€hrend der Weg bis Samaria anfĂ€nglich noch kaum Steigung aufwies, sollte sich das jetzt Ă€ndern, die Steigung nahm im weiteren deutlich zu, speziell im letzten StĂŒck war diese ganz ordentlich, schließlich mussten insgesamt ĂŒber 1000 Höhenmeter ĂŒberwunden werden! Da der Weg aber so gut angelegt und gepflegt war, ließ sich auch hier alles recht gut gehen. Morgens und mittags war das Wetter meist bedeckt, was gar nicht so schlimm war, da man dadurch nicht so sehr schwitzte, es fielen auch ein paar Regentropfen, jedoch nicht der Rede wert. Als wir gegen 15:30 Uhr den oberen Ausgang der Schlucht erreichten, riss der Himmel sogar noch einmal auf, die Sonne strahlte und bot einen herrlichen RĂŒckblick ĂŒber die Schlucht.

Der Wind hatte mittlerweile deutlich zugenommen, es war hier oben doch recht frisch, sodass wir uns nicht auf die tolle Terrasse der dortigen Xyloskalo-Taverne setzten, um eine Kleinigkeit zu trinken, sondern vielmehr nach drinnen. Außerdem probierte ich dort Dakos, eine Art „griechisches Bruschetta“ auf einem fĂŒr hier typischen Zwieback, durchaus recht lecker, auch wenn es an italienische Bruschetta fĂŒr meinen Geschmack nicht herankommt. Kurze Zeit spĂ€ter holt uns der Bus vom Hotel “Exari” in Omalos ab und brachte uns die wenigen Kilometer dorthin. Unser GepĂ€ck war sogar schon eingetroffen, da hatten wir GlĂŒck, denn wegen des schlechten Wetters fuhr die FĂ€hre nach Sougia gar nicht, die unser GepĂ€ck eigentlich hĂ€tte transportieren sollen, lediglich die FĂ€hre nach Chora Sfakion war unterwegs, netterweise hatte der Wirt das GepĂ€ck aber auch von dort aus abgeholt, trotz der deutlich lĂ€ngeren Fahrstrecke, die damit verbunden war. Wir bezogen die einfachen, rustikalen Zimmer und genossen dort als erstes die warme Dusche, ehe wir uns hĂ€uslich einrichteten. WĂ€hrenddessen nahm der Wind immer weiter zu, ĂŒber den nahegelegenen Bergen braute sich ein regelrechtes Unwetter zusammen, ich bin gespannt, wie sich das heute Nacht entwickeln wird…!

Wie ĂŒblich gab es Abendessen um 19:30 Uhr, GemĂŒsesuppe als Vorsuppe, Krautsalat, Schweinefleisch, Pommes und Teigtaschen mit FrischkĂ€se-FĂŒllung und Honig als Nachtisch, alles sehr lecker, nur der Krautsalat hatte einen komischen Beigeschmack. Dazu trank ich einen halben Liter roten Landwein, sehr einfach, aber noch okay, kostete hier auch nur 3,50 €. Gegen 21:30 Uhr ging ich wieder auf mein Zimmer und macht etwa eine halbe Stunde spĂ€ter das Licht aus FĂŒr den Folgetag war die „Königstour“ der Reise vorgesehen, die Besteigung des Gingilos (oder auch Gigilos genannt), ich war gespannt, wie sich das angehen wĂŒrde!

Samstag, 05.10.2019: Gingilos

Heute sollte es nun also die „Königstour“ sein. Zumindest wurde die Wanderung so angekĂŒndigt. Und tatsĂ€chlich war die Tour auch tausendmal schöner und lohnenswerter als die „QuĂ€lerei“ auf den Papouras. Überraschenderweise wurde die „Ausfallquote“ in unserer Gruppe grĂ¶ĂŸer, denn tatsĂ€chlich sind wir heute nur noch mit 5 Teilnehmern gewandert, einer war krank, fĂŒnf andere haben sich kurzfristig fĂŒr einen Ausflug nach Chania abgesetzt.

Der Rest der Truppe wurde also um kurz vor 9 Uhr dorthin gebracht, wo unsere Wanderung am Vortag endete, nĂ€mlich an den oberen Ausgang der Samaria-Schlucht. Ab hier begann der Aufstieg auf den Gingilos, es ging zunĂ€chst immer bergauf durch steiniges GelĂ€nde, der Weg war aber viel besser angelegt als am Papouras, schön in Serpentinen und nicht so steil, so dass das Gehen schon fast als angenehm bezeichnet werden konnte, wenn man natĂŒrlich auch trotzdem langsam gehen musste, auf den Weg achten und ein bisschen aus der Puste kam. Aber ehe man sich versah, hatte mein schon ordentlich Höhenmeter hinter sich gebracht, es boten sich immer tolle Blicke zurĂŒck in die Samaria-Schlucht. Es folgte dann eine kleine Traverse, ehe man erst einmal wieder abstieg zu einem Felsbogen, der durchschritten werden musste, bis dann der steile Aufstieg zu einem kleinen Sattel zwischen dem Gingilos und seinem Nachbarberg begann. Auch dieser Aufstieg war jedoch problemlos in langsamem Tempo zurĂŒckzulegen. Am Sattel machten wir nur kurz Pause, zogen uns kurz um, denn der Wind begann hier oben ordentlich zu pfeifen. Der Aufstieg bis dahin verlief noch weitgehend im Schatten des Berges, war daher auch von der Temperatur her angenehm. Von den letzten etwa 250 Höhenmetern bis zum Gipfel war die erste HĂ€lfte etwas schwieriger, dennoch gut zu bewĂ€ltigen, wenn man auch hier öfter die HĂ€nde zu Hilfe nehmen musste, denn es ging durch Felsen bergauf, aber bei doch sehr festem Gestein, so dass man meist auch recht trittsicher stand. Die 2. HĂ€lfte bis zum „ersten Gipfel“ war dann wieder ziemlich einfach und ohne Kletterpassagen. An diesem ersten Gipfel beendeten wir auch unsere Tour und legten erstmal eine Mittagsrast ein. Es gab noch einen etwas weiter entfernt liegenden zweiten Gipfel, der das Gipfelkreuz trug, nur minimal höher war, aber da er angeblich technisch schwieriger war, wollte unser Reiseleiter uns nicht dorthin bringen, die zwingende Notwendigkeit sahen wir auch nicht, zumal der Gipfel nur wenige Meter höher war und der Ausblick nicht wirklich anders. WĂ€hrend des morgendlichen Aufstiegs nieselte es auch immer mal wieder, wĂ€hrend der Kletterei zog es sich sogar soweit zu, dass der Berg ringsum von dunklen Wolken eingehĂŒllt war und man kaum etwas sah, sodass wir fĂŒr den Gipfel schon Schlimmes befĂŒrchteten. Kurz bevor wir dort ankamen, riss allerdings innerhalb von Sekunden die Wolkendecke auf und es boten sich auf einmal in beide Richtungen grandiose Fernsichten bis zur Nord- und SĂŒdkĂŒste von Kreta, atemberaubend und einmalig.

Nach einer knappen halben Stunde Mittagspause ging es an den Abstieg. Dieser war technisch etwas schwieriger als der Aufstieg, vor allem bei der Felskletterei, zog sich gerade gegen Ende auch ein wenig, wie das aber meist so ist, wenn man endlich ankommen will. Trotzdem war ich nach der Tour bei weitem nicht so erschöpft wie nach dem Aufstieg auf den Papouras, dafĂŒr hundertmal zufriedener ĂŒber das Gesehene und Erreichte. Neben uns waren zwar noch ein paar andere Wanderer unterwegs, der Betrieb hielt jedoch sehr in Grenzen. Wir kehrten noch einmal in der Xyloskalo-GaststĂ€tte am Ende des Weg ein, probierten dort diesmal verschiedene KĂ€sesorten, was auch ganz lecker war, ehe uns der Bus wieder zurĂŒck nach Omalos brachte, wo wir gegen 16 Uhr wieder eintrafen.

Da der Nachmittag noch lang war, ging ich noch zum Turm von Omalos, um dort einen Geocache zu suchen, zusammen mit zwei weiteren Cachern aus der Gruppe ging es von da aus weiter zur Höhle von Tsanis, bei der ein Earthcache zu finden sein sollte. Diese Höhle mussten wir dazu soweit erkunden, dass wir nach Ausschalten des Lichts unserer Taschenlampen komplett im Dunkeln standen, durchaus etwas „gruselig“ und spannend, aber unbedingt lohnenswert!

Abendessen gab es um 19 Uhr. AngekĂŒndigt wurde Zicklein, darauf habe ich mich sehr gefreut, das Fleisch war auch ziemlich lecker, allerdings wurden grĂ¶ĂŸere “Brocken” aus Knochen, Knorpel, Sehnen und wenig Fleisch serviert, von denen man kaum etwas abbekam, gegen Ende hatte ich vielleicht, wenn es hoch kommt, einen Löffel voll Fleisch gegessen, dafĂŒr Berge von Resten auf dem Teller liegen – schade um die eigentlich schöne Mahlzeit! Salat und Linsensuppe als Vorsuppe waren dafĂŒr dann der Ausgleich und wieder recht lecker, rechtschaffen mĂŒde ging ich gegen 22:30 Uhr zu Bett.

Sonntag, 06.10.2019: Omalos-Hochebene bis Sougia

Auf dem Omalos-Plateau war es vor allem nachts meist recht kĂŒhl, hier reichte nicht nur ein Laken zum Zudecken, man benötigte zusĂ€tzlich noch mindestens eine Wolldecke. Dennoch habe ich in der zweiten Nacht deutlich besser geschlafen als in der ersten, vor allem deshalb, da nicht schon morgens ab 5:30 Uhr Leute zu packen und abzureisen begannen, es war herrlich ruhig diesmal. FrĂŒhstĂŒck gab es, wie am Vortag, um 7:30 Uhr, danach packten wir und wurden um 8:45 Uhr abgeholt fĂŒr einen kurzen Bustransfer in die Berge. Es ging vorbei an zahlreichen Schafen und ĂŒppig vollhĂ€ngenden Apfel- und BirnbĂ€umen, bis der Bus uns nach circa 15 Minuten absetzte.

Wir wollten am heutigen Tag eine Wanderung wieder von der Omalos-Hochebene hinab zum Meer nach Sougia unternehmen. ZunĂ€chst ging es noch ein wenig auf und ab, zum Schluss jedoch tendenziell nur noch bergrunter, allerdings an keiner Stelle extrem steil, die insgesamt 1300 kumulativen Höhenmeter bergab ließen sich recht gut gehen. Gerade im ersten Teil der Strecke war das teilweise etwas anstrengend, da man ĂŒber scharfkantiges und unregelmĂ€ĂŸiges Karstgestein laufen musste, spĂ€ter wurde der Weg einfacher zu gehen, es ging mehr ĂŒber Kies, durch Wald und schließlich ĂŒber bereite Wirtschaftswege, kurzfristig sogar mal ĂŒber eine Asphaltstraße. Die WĂ€lder waren schön und kĂŒhl, die Ausblicke nach Westkreta durchaus imposant, wenn auch nicht so superspektakulĂ€r nach den letzten Tagen.

Um 13 Uhr waren wir in dem kleinen Ort Koustogerako, wo wir in der einzigen Taverne extrem lecker zu Mittag aßen, es gab Teigtaschen mit Porree und KĂ€sefĂŒllung, den ĂŒblichen Hirtensalat und ein HĂ€hnchen mit Kartoffeln und einer Soße, die ein wenig nach Zitrone schmeckte – alles sehr lecker, in meinen Augen eines der leckersten Essen des Urlaubs bisher, sicher auch, da alles ganz frisch zubereitet war. Dazu genoss ich einen lecken Weißwein, zum Nachtisch gab es wie ĂŒblich Kuchen und Raki, ehe wir den weiteren Abstieg in Angriff nahmen.

Gegen 16 Uhr erreichten wir Sougia, mussten noch etwas warten, bis wir unsere Zimmer in der Anlage “Stelios Rooms” beziehen konnten, meines war ganz okay, wenn auch wieder recht einfach, immerhin mit KĂŒhlschrank und als einziges Zimmer hatte meines auch eine eigene, kleine Terrasse nach hinten raus, die allerdings direkt auf die Terrasse des Nachbarhauses schaute. Leider war die Unterkunft auch ziemlich weit vom Strand entfernt, das Meer war weder zu sehen noch zu hören, was schade war. Doof war auch, dass erst ein Teil der Koffer eingetroffen war, meiner noch nicht, ich musste noch bis 17:30 Uhr warten, ehe ich meinen Kulturbeutel mit Duschgel und frische Sachen zum Anziehen bekam. Die Zeit nutzte ich, um ein paar GetrĂ€nke einzukaufen, auf der Terrasse zu entspannen und Fotos aufs Handy zu ĂŒberspielen.

Zum Essen mussten wir in ein Lokal am Strand gehen, trafen uns dort wie immer um 19:30 Uhr. AngekĂŒndigt waren „sieben oder mehr GĂ€nge”, tatsĂ€chlich wurde jedes Gericht, auch jede Beilage, als ein „Gang“ gezĂ€hlt. Es gab Salat, mit Spinat und KĂ€se gefĂŒllte Teigtaschen, ZucchinigemĂŒse, KartoffelgemĂŒse, Ziege und gegrillten Fisch, zum Abschluss Raki und fĂŒr jeden ein Baklava. Zu trinken konnte man sogar original griechisches „Radler“ bestellen, das hier auch genauso hieß! Hinterher war ich ziemlich genudelt, das Essen war aber auch wirklich lecker. So “rollte” ich spĂ€ter ins Bett…

Montag, 07.10.2019: Lissos-Schlucht

Heute war mal wieder ein Tag zur freien VerfĂŒgung. Trotzdem wurde, wie auch schon am ersten Ruhetag das Urlaubs, vom Reiseleiter eine Tour angeboten, und zwar dergestalt, dass man mit einem Boot zum Kap Tripiti fahren und von dort wieder zurĂŒck wandern wollte. Nun war allerdings leider der Wetterbericht fĂŒr den heutigen Tag ziemlich grĂ€uslich, ab mittags waren 80 bis 90% Regen- und Gewitterwahrscheinlichkeit angesagt, kein Wetter, das einen wirklich zum Wandern verlockt. Außerdem war ich von den langen und durchaus auch anstrengenden Touren der Vortage irgendwie ein wenig “durch” und hatte daher schon am Vortag beschlossen, die angebotene Tour nicht mitzumachen.

Morgens beim FrĂŒhstĂŒck herrschte auch erst noch strahlender Sonnenschein, man konnte sich gar nicht vorstellen, dass sich das Wetter verschlechtern sollte. Sieben Leute aus unserer Gruppe fuhren also gegen 9 Uhr mit einem gecharterten Boot los, ich hatte mir stattdessen eine kleine Rundtour ab Sougia herausgesucht, damit ich mich einerseits doch ein bisschen bewege, andererseits aber auch gegen Mittag wieder zurĂŒck sein könnte, falls der Regen einsetzen sollte. Ich zog mir also meine Wandersachen wieder an und lief um 9:15 Uhr dann auch los. Erstes Ziel war die kleine Kapelle Agia Irini, die oberhalb des Ortes am Hang lag und zu der eine recht steile Schotterstraße quasi direkt hinter unserer Ferienwohnungsanlage bergauf fĂŒhrte. WĂ€hrend des Aufstiegs kamen auch schon in die ersten Tropfen herunter, kein richtiger Regen, es hörte auch bald auf, verhieß aber trotzdem nichts Gutes, denn in der Ferne ĂŒber den Bergen brauten sich dunkle Wolken zusammen. Auch wenn wieder strahlender Sonnenschein herrschte, als ich bei der Kapelle angekommen war, ĂŒberlegte ich deshalb doch kurzfristig, sofort wieder umzukehren, entschied mich dann letztlich aber doch fĂŒrs Weitergehen, so schlimm wĂŒrde es schon nicht werden, hoffte ich. TatsĂ€chlich lohnte sich die Tour auch unbedingt, es ging hinter der Kirche noch ein weiteres StĂŒck bergauf und dann ĂŒber eine abgeschiedene Hochebene, ein wunderbarer Weg , auf dem ich fast ganz allein war, nur dreimal traf ich auch andere Wanderer bzw. Gruppen. Am Ende der Hochebene folgte ein Abstieg in eine Schlucht, was ich bei der Planung gar nicht so realisiert hatte. Diese sogenannte Lissos-Schlucht war herrlich zu durchlaufen, durchaus etwas anspruchsvoll wie auch die bisherigen Schluchten mit kleinen Klettereinlagen, aber auch idyllisch und verwunschen, ein toller Ort.

Irgendwann traf ich dann auf den E4, dem ich noch ein kurzes StĂŒck Richtung Lissos folgte, kehrte aber nach einiger Zeit wieder um. Auf diesem StĂŒck des Weges sah ich auch die erste Schlange des Urlaubs, die war aber sehr klein und flink, ein Foto gelangt mir deshalb leider nicht. Der E4 zurĂŒck nach Sougia folgte im weiteren wieder der Lissos-Schlucht, am Hafen kam ich schließlich nach etwas ĂŒber drei Stunden aus. Das Wetter hatte sich zum GlĂŒck gehalten, wurde sogar immer besser, die Sonne schien ab und zu, der Regen hatte sich irgendwie an den Bergen festgesetzt.

Den Nachmittag verbrachte ich auf dem Zimmer beziehungsweise auf meiner kleinen Terrasse, bis der Rest der Gruppe von seiner Tour zum Kap Tripiti zurĂŒckkam, wo es auch sehr schön gewesen sein soll, sogar eine Mönchsrobbe haben sie angeblich gesehen. Zum Abendessen gab es auch heute wieder mehrere GĂ€nge, z.B. Okraschoten und Zucchinipuffer mit Minze als Vorspeise, Ziege und Fisch als Hauptgericht, Joghurt als Nachspeise, erneut alles sehr lecker.

Dienstag, 08.10.2019: Irini-Schlucht

Auf den Wetterbericht hier auf Kreta ist anscheinend auch kein Verlass. Nachdem gestern die Wettervorhersage 80 bis 90% Regenwahrscheinlichkeit ansagte und nur ganz wenige Tropfen am frĂŒhen Vormittag herunterfielen, regnete es heute bei einer angesagten Wahrscheinlichkeit von 40% Niederschlag nahezu wĂ€hrend unserer gesamten Wanderung durch die Irini-Schlucht! Zum GlĂŒck nicht so doll, aber doch kontinuierlich, Regenschirm und Rucksack-RegenĂŒberzug kamen daher auch zum Einsatz.

Morgens gab es wieder das ĂŒbliche, kĂ€rgliche FrĂŒhstĂŒck in demselben Restaurant, in dem wir abends so ĂŒppig aßen, um 9 Uhr holten uns dort 2 Taxen ab und brachten uns zum Eingang der Schlucht. Eigentlich kostete die Schlucht auch Eintritt, aber heute war das KassenhĂ€uschen nicht besetzt, ob es am Ende der Saison liegt oder am Wetter, wer weiß, jedenfalls durchliefen wir daher umsonst die Schlucht von unten nach oben. Sie war wieder anders als die bisherigen, auch mit z.T. recht hohen WĂ€nden, wenn auch nicht ganz so hoch wie die der Samaria-Schlucht, dafĂŒr war es hier ĂŒppig grĂŒn, viel Oleander und Platanen, Ă€hnlich wie in der (kleineren) Lissos-Schlucht. Durch das herabgefallene Laub dieser BĂ€ume sah es fast schon herbstlich aus, wĂ€hrend der Oleander-BlĂŒte ist es hier sicher aber auch sehr schön! Der Weg war relativ gut zu gehen, wenige Kletterstellen, teils steiniger Untergrund, aber insgesamt ganz okay und stets gut zu finden. Auch ein paar PicknickplĂ€tze gab es unterwegs, ferner zwei Quellen. Alles in allem eine schöne Wanderung, auch, wenn man sich durch den herbstlichen Anblick an manchen Stellen fast wieder wie in Mitteleuropa fĂŒhlte!

Kurz vor Ende der Schlucht bogen wir dann nach rechts in die Figou-Schlucht ein, eine kleine „Seitenschlucht“, die noch steiler nach oben fĂŒhrte. Da die drei schwĂ€chsten Wanderer uns am Abzweig verließen und direkt zum Endpunkt der Irini-Schlucht wanderten, zog unserer Reiseleiter das Tempo hier noch mal ziemlich an, wir sausten die Schlucht nur so hoch, vom sportlichen Aspekt her gesehen sicherlich okay, fĂŒr meinen Geschmack im Urlaub aber doch wieder ein bisschen zu schnell, zumal ich mir dadurch die Zeit, Fotos zu machen, stets „abknapsen“ musste, um die Gruppe nicht zu sehr aufzuhalten ohne schlechtes Gewissen. Am Ende der kurzen Schlucht kam man auf eine Art Hochebene, von dort aus ging es auf einem teils angelegten Steinweg, teils auf Pfaden durch Garrigue wieder bergab, bis auch wir den Ausgang der Irini-Schlucht erreichten und auf die drei anderen Wanderer trafen. Diese saßen schon in der hiesigen Taverne, wir setzten uns dazu und aßen lecker und gĂŒnstig, ich hatte Gyros, viel Fleisch, die hier ĂŒblichen, wabbeligen Pommes, (wenig) Tzatziki und köstliches Fladenbrot, mit frisch gepresstem Orangensaft und einem Cappuccino zahlte ich nur 13 €. Außerdem erstand ich noch ein Glas Honig fĂŒr 7 €, das erst eine Woche zuvor vom Sohn des Hauses hier abgefĂŒllt worden sein soll.

Mit dem öffentlichen Bus fuhren wir zurĂŒck nach Sougia, etwas umstĂ€ndlich, denn erstens kam der ĂŒber eine halbe Stunde zu spĂ€t und dann hatte der Fahrer auch noch Probleme, den richtigen Fahrpreis fĂŒr 12 Leute zu ermitteln, benötigte dazu erst eine Dolmetscherin von den Passagieren! Schließlich dauerte die Fahrt auch noch ĂŒber eine halbe Stunde, ganz schön lang, da wĂ€re mit der Gruppe ein Taxi sicher gĂŒnstiger und schneller gewesen.

Gegen 16:35 Uhr waren wir wieder in Sougia, liefen zum Hotel, duschten und entspannten erst einmal. Zum Abendessen treffen wir uns erneut um 19:30 Uhr im Lokal „Galini“ wie auch schon an den Abenden zuvor. Das Essen war auch heute recht gut, wenn auch wie immer die GĂ€nge viel zu schnell nacheinander kamen, man hatte kaum Zeit, alles richtig zu verdauen. Diesmal gab es Krautsalat, Tzatziki, Okras, gefĂŒllte Auberginen, Schwein, gegrillten Fisch und zum Nachtisch Baklava und Raki wie am ersten Abend. Auf dem RĂŒckweg zur Unterkunft kaufte ich noch etwas VorrĂ€te fĂŒr das Picknick am Folgetag ein, da bei der Wanderung keine Taverne angesteuert werden könnte, abends trödelte ich noch etwas herum und machte heute erst recht spĂ€t das Licht aus.

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