Donnerstag, 20.02.2020 – Barranco de las Angustias

Nachdem der Wetterbericht in etwa dasselbe Wetter wie am Vortag für Los Llanos vorhergesagt hatte, entschlossen wir uns, in der Nähe zu bleiben und die Wanderung im Barranco de las Angustias durchzuführen, zumal die Mitarbeiterin in der Touristeninformation am Vortag meinte, es sei noch nicht klar, ob der komplette Rundweg durch das Kraterinnere in den nächsten Wochen wieder durchgängig begehbar sein würde, ein Teil davon war nämlich nach einem Felssturz schon seit Wochen gesperrt. Gegen 9:30 Uhr fuhren wir also los von unserem Ferienhaus aus und waren gegen kurz vor 10 Uhr nach wenigen Kilometern schon am Parkplatz, wo bereits eine ganze Menge Autos standen, ähnlich, wie wir das schon am Vortag beim Blick vom Torre del Time hinab hier sehen konnten. Ein Teil der Touristen fuhr mit dem Shuttle zum Mirador los Brecitos, um den ersten Teil des Rundweg bis zum Camp zu gehen, wir entschieden uns allerdings für den zweiten Teil des Rundwegs bis zur Cascada de Colores und wieder zurück. Anfangs waren wir noch fast allein, spätestens ab dem Wendepunkt aber füllte es sich ziemlich, es waren doch eine ganze Menge Leute unterwegs, die denselben Weg in Angriff nahmen wie wir. Es war gut, nicht zu spät los zu laufen, denn morgens lag der Barranco noch zum größten Teil im Schatten, da war das Gehen einfach, man kam kaum ins Schwitzen, wobei die Steigung allerdings durchweg auch nur sehr mäßig war, lediglich in den Abschnitten, in denen man oberhalb des Barrancos ging, gab es anfangs kurze, knackige Anstiege, jedoch stets nur für wenige Meter. Insgesamt ließ sich der Weg recht gut gehen, war stets gut zu finden und meist auch ganz gut ausgetreten. Auf dem Hinweg nahmen wir den offiziellen Weg inklusive der Passagen, die häufig oberhalb des Bachbettes verliefen, auf dem Rückweg gingen wir aber die meiste Zeit unten im Tal im Bachbett, was gut möglich war, da es im Winter kaum geregnet und geschneit hatte und so nur wenig Wasser floss. Der Bach war oft voller leuchtend grüner Algen, das lieferte z.T. schöne Farbkontraste zum vulkanischen Gestein der Umgebung. Bei der ersten Rast nach etwa der Hälfte der Strecke fanden wir zusätzlich noch einen Geocache, eine nette Abwechslung, ich hatte beschlossen, in diesem Urlaub jeden Tag immer nur einen Cache zu suchen und zu loggen, damit das Wandern mehr im Vordergrund stand als die Cachesuche. Zwischendurch musste immer wieder der Bach durchquert werden, was allerdings ganz einfach war. Lediglich bei der Gabelung Dos Aguas war der Bach breiter, hier war das Queren etwas komplizierter, allerdings musste man auch hier nicht die Schuhe ausziehen. Das Ziel der Wanderung, die „vielfarbige Kaskade“, wirkte eher enttäuschend, die bunten Farben konnte man mehr erahnen als sehen, Wasser ergoss sich auch kaum, was allerdings wiederum den geringen Niederschlägen des Winters zuzuschreiben war. Auf dem Rückweg standen dann größere Teile des Barrancos in der Sonne, diese war mittlerweile so hoch gestiegen, das alles doch recht grell und konturlos wirkte. Dennoch machten wir immer wieder Stopps, fotografierten auch Frösche und eine Gebirgsstelze, so dass auch der Rückweg noch einige Abwechslungen bereit hielt, zumal die Wegführung, wie schon gesagt, unterschiedlich war, da wir diesmal ständig im Talgrund durch das Bachbett liefen. Gegen 15:30 Uhr erreichten wir wieder das Auto nach einer tollen und abwechslungsreichen Tour, ohne Regen und bei durchweg wolkenlosem Himmel! Zurück in der Unterkunft waren wir recht früh, genossen heute noch einmal den Pool ausgiebig, denn die Nachmittagssonne wärmte noch stark. Danach fuhren wir nach Puerto de Tazacorte zum Abendessen – ein typischer, kleiner Küstenort mit schwarzen Sandstrand und entsprechender Ufergastronomie, nichts Besonderes, aber doch ganz nett und entspannt. Wir aßen zu Abend im Lokal El Arbol, einfach, aber wirklich lecker! Mein Freund hatte Fisch, ich aß gegrillte Calamares. Dazu gab es Papas arrugadas mit Mojo Verde, weißen Hauswein und zum Abschluss zwei Cortado – alles zusammen gerade einmal 35 €! Die Sonne war inzwischen untergegangen, im Dunkeln fuhren wir wieder nach Hause und kamen gegen kurz vor 20 Uhr dort an. Erst einmal musste ich dann leider den Autositz säubern, denn ich hatte mich auf der Wanderung irgendwo auf Baumharz gesetzt und das ins Auto getragen. Dieses zu entfernen war gar nicht so einfach, mit einem warmen Bügeleisen und Löschpapier, das wir zufällig mithatten, ging es aber doch einigermaßen gut. Nach Tagebuchschreiben und Revuepassieren-Lassen der letzten Stunden ging ich alkoholselig nach meinem halben Liter Weißwein beim Abendessen schließlich zu Bett.

30 km

Mittwoch, 26.02.2020 – Cumbrecita, Tazacorte

Heute sollte es ein ruhigerer Tag ohne größere Wanderungen werden, auch, um unseren Füßen eine Auszeit zu gewähren. Wir planten daher nur einen kleinen Spaziergang vom Parkplatz an der Cumbrecita aus zu den zwei dortigen Aussichtspunkten mit Blick auf die Caldera. Gestern noch ärgerte ich mich erst ein wenig, da unsere frühe Parkplatzreservierung hieß, dass wir schon um 6:30 Uhr aufstehen mussten, wenn wir morgens nicht allzu viel Stress haben wollten. Im Nachhinein war das aber das beste Zeitfenster, wie sich herausstellen sollte! Wir waren überpünktlich um 8:15 Uhr am Gate, mussten allerdings noch etwas warten, bis eine Rangerin kam und uns unserer schriftliches Ticket ausstellte, das man am Parkplatz hinter die Windschutzscheibe legen muss. Dann ging es hoch, und tatsächlich waren wir die ersten und einzigen Touristen auf dem kleinen Parkplatz, der für ca. 20 Autos ausgelegt ist, allerdings auch noch für einige Busse… 90 Minuten benötigten wir insgesamt für die Spazierrunde, dabei trafen wir hier, an einem der beliebtesten Touristen-Hotspots auf La Palma, wegen der frühen Uhrzeit gerade mal auf ein einziges, weiteres Wanderpärchen, ansonsten hatten wir alles für uns allein inklusive der grandiosen Blicke in den noch nicht dunstigen, morgendlich klaren Talkessel der Caldera – das frühe Aufstehen und der frühe Termin haben sich im Nachhinein somit wirklich gelohnt! Man konnte gut den Roque de los Muchachos auf der gegenüber liegenden Seite erkennen, wenn auch nicht die Sternwarten, diese waren von hier aus nicht zu sehen. Auch die Blicke in den Kessel waren toll, allerdings war ich nicht sicher, ob man die Abschnitte erkennen konnte, die wir einige Tage zuvor auf dem Weg zur Cascada de Colores erwandert hatten. Auf der Rückfahrt legten wir noch einen Stopp am Besucherzentrum an der Hauptstraße  ein, das auch eine ganz nett gemachte Ausstellung hatte.  Danach ging es weiter nach Puerto de Tazacorte, da ich heute doch noch einmal die Brandungsmole bei Vormittagssonne fotografieren wollte, nachdem diese vor knapp einer Woche leider gesperrt war. Das gelang heute dafür dann zum Glück ganz gut, die Konstruktion ist schon recht futuristisch und optisch sehr ansprechend durch die Schattenwürfe, auch der Hall, der beim Klatschen in die Hände unter den Betonbögen erzeugt wird, ist sehr wechselhaft und interessant. Danach machten wir „Brotzeit“ an der Hafenpromenade, wollten anschließend noch ein Eis essen, leider hatte die Eisdiele heute Ruhetag. Das war im Nachhinein aber nicht schlimm, denn wir fuhren anschließend hoch nach Tazacorte und kehrten dort ins Café „Ferreteria“ ein, wo wir sehr leckeren Kuchen mit Himbeerlimonade bzw. Eiskaffee mit Mandelmilch bekamen, für günstiges Geld, sehr empfehlenswert und liebevoll zubereitet. Außerdem drehten wir noch eine Runde durch den Ort, für mich bisher der schönste auf der Insel, auch dank seiner vielen alten Bausubstanz. Auf unserer Runde steuerten wir einige Punkte eines Multi-Cache an, um die dortigen, recht einfachen Aufgaben zu lösen. Die letzten Fragen mussten in der Unterstadt in den Bananenplantagen beantwortet werden, der abschließende Fund war dann nicht mehr schwer. Der Stadtrundgang verlief auch deshalb etwas ausgedienter, da das Bananenmuseum in der Unterstadt erst um 16 Uhr nach der Siesta wieder eröffnete, das wir uns gerne noch ansehen wollten. Es war interessant gemacht, allerdings gab es nicht so viel Exponate, dafür war das Ganze recht textlastig, in meinen Augen war fast zu viel geschrieben, aber einiges Wissenswertes ist dann doch hängen geblieben. Es war inzwischen 17 Uhr, wir hatten wieder Hunger und fuhren daraufhin zu unserem letzten Abendessen vor dem Unterkunftswechsel. Für heute hatten wir noch einmal das Lokal „Balcon de Taburiente“ angepeilt, das vor ein paar Tagen ja leider geschlossen hatte. Da wir hier recht früh waren, bekamen wir einen Platz direkt am Geländer mit tollem Blick auf den Barranco de Angustias in der Abendsonne unter uns. Mein Freund hatte Schnitzel mit Soße nach Taburiente-Art, ich Kaninchen mit Knoblauch. Dazu gab es Papas arrugadas, Weißbrot mit Knoblauchbutter, ein Viertel Hauswein und zum Abschluss einen Cortado und einen Barraquito. So nahm der erste Teil des Urlaubs auf der Westhälfte der Insel ein schönes Ende. Bevor wir zurück zum Ferienhaus fuhren, gurkten wir noch ein wenig durch Los Llanos, um endlich einen Briefkasten für unsere Postkarten zu finden. Leider hatten wir uns beim Postkartenkauf ja Briefmarken der Swiss Post andrehen lassen, die nur wenige eigene Briefkästen haben, in einem Zeitschriftenladen wurden wir dann aber letztendlich beim vierten oder fünften Versuch dann doch fündig… Beim nächsten Mal würde ich auf jeden Fall darauf achten, in Spanien nur Briefmarken der regulären Post zu kaufen, die wird man sicherlich einfacher los!

50 km

Samstag, 29.02.2020 – Roque de los Muchachos, Roque Palmero

Unser heutiges Ziel war der höchste Punkt der Insel, der Roque de los Muchachos am Rande der Caldera.  Die Fahrstrecke dorthin sollte etwas über 30 km lang sein, wurde aber mit einer Stunde Fahrzeit vom Navi prognostiziert, da die gesamte Strecke quasi nur aus Serpentinen besteht. Das hat sich dann auch bewahrheitet, zum Glück war kaum Verkehr am frühen Vormittag und mein Freund fuhr sehr schön, so dass uns beiden nicht schlecht geworden ist von der ganzen Kurverei. Zunächst frühstückten wir wieder im Hotel, Abfahrt war dann gegen 9:15 Uhr, 1½ Stunden später erreichten wir unser Ziel. Schon in Santa Cruz schien die Sonne, das sollte auch in den höher gelegenen Regionen den ganzen Tag über so bleiben, lediglich vormittags schoben sich noch ab und zu dünne Wolkenschichten davor. Ich hatte mir morgens ein langes Hemd angezogen, als wir oben aus dem Auto ausstiegen, schien mir das zunächst etwas zu kalt, sodass ich mir die Softshelljacke noch drüber zu, nach höchstens 20 Minuten entledigte ich mich dieser aber dann doch schon wieder, denn von der Bewegung wurde einem rasch warm und auch der Wind, der anfangs noch wehte, ebbte bald ab. Nachmittags war es sogar so warm, dass ich am liebsten die Ärmel hochgekrempelt hätte, andererseits dachte ich mir, dass die langen Ärmel auch für den Sonnenschutz ganz gut sind, denn in dieser Höhe unterschätzt man die Sonne doch oft deutlich, daher verzichtete ich darauf. Überhaupt: die Höhe war der Faktor, der einem heute doch ein wenig zu schaffen machte, denn auf 2400 m über NN ist die Luft schon ziemlich dünn, bei jedem Anstieg kam man da schnell aus der Puste, um das zu vermeiden, musste man halt ein wenig langsamer gehen. Mein Freund setzte mich zunächst am Mirador del los Andenes ab, von dort lief ich den ersten Teil des Wanderwegs zum Roque de los Muchachos allein, er fuhr mit dem Auto dorthin, sodass wir dann den restlichen Wanderweg bis zum Roque Palmero und wieder zurück zum Auto gemeinsam gingen. Der Pfad am Kraterrand entlang führte stetig im Wechsel rauf und runter, war dadurch durchaus abwechslungsreich und bot immer wieder tolle Ausblicke einerseits in den grandiosen Kessel der Caldera selbst, andererseits aber auch zur Nord- und sogar Westküste hin, ich weiß gar nicht genau, welche Orte man dabei sah, etwa Puntagorda oder Tijarafe vermutlich. Auf der gegenüberliegenden Seite der Caldera erblickte man die Cumbrecita, wo wir vor 5 Tagen waren, der Blick dorthin war anfangs noch im Gegenlicht, wurde aber nachmittags dann besser. Über Los Llanos  brauten sich tagsüber zunehmend dichtere Wolken zusammen, zu regnen schien es mir aber auch dort nicht. Auf dem ersten Stück des Wegs, das ich noch allein lief, kamen mir nicht wenige Wanderer entgegen, was aber sicherlich auch daran lag, dass heute Wochenende war. Am Aussichtspunkt Roque de los Muchachos selbst war die Hölle los, der viel zu kleine Parkplatz war komplett zugeparkt, drei Busse standen dort bei meiner Ankunft, mein Freund musste ein ganzes Stück unterhalb an der Straße parken – Tourismus in seiner negativsten Auswirkung! Zum Glück verschwanden zwei der Busse dann aber, so wurde es ein bisschen leerer. Wir gingen zunächst zu zweit hinab bis zum äußersten Aussichtspunkt, etwas unterhalb des namensgebenden „Fels der jungen Männer“, genossen den Blick in die Tiefe, um dann wieder zurück zum Auto und von da aus zum Roque Palmero zu laufen. Und wie es so oft ist, wenn man sich nur ein wenig von den touristischen Hotspots weg bewegt, begegneten uns in den kommenden drei Stunden gerade einmal fünf Menschen… Auch hier boten sich von zahlreichen Punkten immer wieder grandiose Blicke in die Caldera, dadurch, dass wir den Kraterrand gegen den Uhrzeigersinn abliefen, änderte sich die Perspektive ständig. Am Roque Palmero legten wir unsere Mittagspause ein, ich suchte noch einen Geocache, den ich nur ziemlich mühselig fand, ehe wir uns wieder auf den Rückweg machten. Gegen 17 Uhr am Auto war der Parkplatz dann schon wieder fast geleert. Wir fuhren zurück Richtung Santa Cruz, auf dem Weg kamen wir noch an den neuen, spiegelnden MAGIC-Teleskopen zur Erforschung von Gammastrahlung vorbei, die wir bestaunten, die seit einigen Jahren hier stehen und die offensichtlich besonders leistungsstark sind. Gegen 18:30 Uhr waren wir dann wieder am Hotel, etwas erschöpft, aber begeistert vom Erlebten. Die Dusche tat sehr gut, danach ging es in die Stadt zum Abendessen. Nachdem wir am Vortag bei der Casa Luis in Santa Cruz einen Volltreffer gelandet hatten, waren wir diesmal mit der Carlos Tasca nicht so ganz zufrieden, das Essen war zwar okay, der Service ließ leider ziemlich zu wünschen übrig, war nicht wirklich aufmerksam und sehr unterkühlt. Zum Ausgleich genehmigten wir uns daher anschließend noch ein Eis an der Uferpromenade und gingen dann aufs Zimmer, schrieben Tagebuch, überspielten Fotos und machten dann irgendwann das Licht aus.

95 km