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Norden

Samstag, 04.12.2021 – Har├şa und Risco de Famara

Eigentlich wollte ich an diesem Tag eine Streckenwanderung von Haria nach Guinate machen und den Weg vom Ziel zum Start vorher mit dem Bus ├╝berbr├╝cken. Leider fuhr der aber nur extrem selten, und au├čerdem waren auf der offiziellen Homepage der hiesigen Busgesellschaft unterschiedliche Abfahrtszeiten vermerkt, was das Ganze noch zus├Ątzlich verkomplizierte. Lange habe ich hin und her ├╝berlegt, letztlich dann den Plan mit dem Bus verworfen und stattdessen umgeplant auf eine Rundwanderung, was organisatorisch halt viel einfacher ist. Dadurch konnte ich au├čerdem noch gem├╝tlich in meinem Hotel fr├╝hst├╝cken, ehe ich mich ins Auto setzte und nach Haria fuhr, wo die Wanderung starten sollte. Ich habe extra den heutigen Tag ausgew├Ąhlt, da samstags dort immer Markt ist, der auch recht sehenswert sein sollte. Nun ja, so ein typischer, lokaler Markt f├╝r die Einheimischen war das nicht, es gab n├Ąmlich genau einen einzigen Gem├╝sestand. 90% der anderen St├Ąnde verkauften Kunsthandwerk oder andere Arten Souvenirs, dementsprechend waren auch ziemlich viele Touristen dort unterwegs, weniger Einheimische. Zwar war der Rummel nicht ganz so schlimm, wie das im benachbarten Teguise sein soll, trotzdem bin ich im Nachhinein nicht der Meinung, dass man sich diesen Markt unbedingt anschauen muss, da hab ich schon authentischere gesehen. Als ich ankam, gegen kurz nach 9 Uhr, war es auch noch recht fr├╝h, es war noch kaum etwas los, manche St├Ąnde wurden gerade erst aufgebaut. Gegen 14 Uhr, als ich von meiner Wanderung nach Haria zur├╝ckkam, war da schon deutlich mehr Betrieb. Die Anreise fr├╝hmorgens war also nicht unbedingt erforderlich, sie hatte aber den Vorteil, dass ich problemlos einen Parkplatz fand.

Nach einem ersten Blick auf den Markt startete ich meine Tour und verlie├č den Ort gen Westen durch das Valle del Rincon, langsam bergauf, bis sich pl├Âtzlich eine grandiose Aussicht auf die K├╝ste auftat. Hier musste ich mich entscheiden, ob ich links oder rechts weiter gehen will. Mein Wunsch war der rechte Weg, immer am Grat entlang Richtung Guinate. Ich war ein wenig in Sorge wegen des heftigen Windes, der gestern herrschte, der auch heute noch auffrischen sollte laut Wetterbericht und da die Wanderung doch meist an der Kliffkante entlang verlief. Dennoch wagte ich es, versuchte, immer gen├╝gend Abstand zum 500 Meter tiefen Abgrund zu halten, was letztlich auch problemlos m├Âglich war, zumal der Wind im Laufe des Tages immer mehr nachlie├č. Anders als an den beiden ersten Tagen des Urlaubs war es n├Ąmlich heute genau umgekehrt, morgens war das Wetter noch bedeckt, viel Wind, nachmittags dann strahlender Sonnenschein und kaum noch B├Âen. Der Weg verlief teilweise auf erkennbaren Pfaden, zwischenzeitlich aber auch mal weglos oder auf Ziegenpfaden, dank GPS und da man ja letztlich immer nur der K├╝ste folgen musste, war das aber kein gr├Â├čeres Problem. Insgesamt drei H├╝gel mussten ├╝berwunden werden, es ging ordentlich rauf und runter, richtig ins Schwitzen kam man aber nicht, daf├╝r waren die Temperaturen nicht hei├č genug. Die Sicht sowohl zur├╝ck nach Caleta de Famara als auch geradeaus Richtung La Graciosa pr├Ąsentierte sich immer wieder grandios! Schlie├člich erreichte ich wieder eine Fahrstra├če unterhalb des Vulkankegels Los Helechos, hier war die Gegend auch nicht mehr so sch├Ân, viel Schotter und Anzeichen der Zivilisation. Ich verlie├č die K├╝ste und stieg ├╝ber schmale Pfade und kurze Abschnitte auf Fahrstra├čen hinab nach Maguez. Im Ort war kaum etwas los, der Spaziergang hindurch war aber trotzdem ganz h├╝bsch, auch hier strahlend wei├če H├Ąuser, typisch f├╝r Lanzarote. Es folgte noch ein letzter Aufstieg auf den Hausberg von Haria, La Atalaya, ehe ich schlie├člich wieder im Ort selbst landete.

Cuevas de los Verdes

Es war jetzt 14 Uhr, ich ├╝berlegte, ob ich erst etwas essen sollte, entschied mich dann aber f├╝r den Besuch in den Cuevas de los Verdes, denn dort sollte gegen 15 Uhr die letzte F├╝hrung starten, daf├╝r hatte ich noch Zeit. Die Fahrt dorthin dauerte von Haria aus keine 15 Minuten. Ich hatte Gl├╝ck, musste nicht Schlange stehen, kaum hatte ich mein Ticket gel├Âst, konnte ich mich einer F├╝hrung anschlie├čen. Als F├╝hrer hatten wir einen netten, ├Ąlteren Spanier, der so freundlich war und f├╝r die ausl├Ąndischen Touristen vieles auch noch mal ins Englische ├╝bersetzte. Dadurch und da er allgemein sehr gerne zu erz├Ąhlen schien, dauerte die F├╝hrung l├Ąnger als gedacht, die n├Ąchste Gruppe hing uns stets dicht auf den Fersen. Es war aber auch wirklich sehr interessant! Die Runde durch die Lavatunnel war spektakul├Ąr, teils eng, oft mehrere Etagen ├╝bereinander, an manchen Stellen musste man regelrecht aufpassen, wo man hin trat, damit man nicht ungesichert in ein Loch trat oder in die Tiefe fiel! Grunds├Ątzlich war der Weg aber sehr gut ausgebaut und auch mit Sandalen gut zu gehen. Nach etwa einer Stunde blendete einen wieder das Licht und man kam zur├╝ck an die Oberfl├Ąche.

Ich setzte mich ins Auto und fuhr noch einmal nach Haria, wo ich zun├Ąchst noch einen kurzen Stopp auf dem Friedhof machte, um das Grab von Cesar Manrique zu besuchen. Im ├Ârtlichen Lokal des Centro Socio-Cultural ÔÇ×La TegalaÔÇť verzehrte ich schlie├člich meine heutige, warme Mahlzeit. Es war 16 Uhr, also weder klassische Zeit zum Mittag-, noch zum Abendessen, insofern war kaum etwas los, der Ort war im Vergleich zum Mittag zur Marktzeit jetzt fast leer. Ich bekam aber trotzdem ein leckeres Zicklein mit Kartoffeln, Brot und Mojo-Saucen, das ich mir schmecken lie├č. Im Gegensatz zur Ziege auf Kreta war hier auch richtig viel Fleisch dran, die Knochen und das Fett hielten sich noch einigerma├čen im Rahmen, gew├╝rzt war es sehr lecker, wenn auch vielleicht heute wieder ein bisschen zu fettig f├╝r meinen Geschmack, aber das scheint man hier ja offensichtlich zu m├Âgen. Zum Schluss g├Ânnte ich mir noch einen Kaffee, zahlte mit Trinkgeld 20 ÔéČ und machte mich dann wieder auf die Heimfahrt. Die war teilweise extrem unangenehm, da mir die knallrote Abendsonne direkt ins Gesicht schien und ich manchmal kaum die Stra├če vor mir erkennen konnte! So war ich froh, als ich gegen 18 Uhr wieder im Hotel war. Da ich mein Tagwerk weitestgehend vollbracht hatte, hatte ich jetzt alle Zeit der Welt zum Duschen und daf├╝r, den Tag gem├╝tlich ausklingen zu lassen.

­čÜŚ 75 km / ­čąż 13,1 km

Sonntag, 05.12.2021 – Jameos del Agua

Heute war der zweite Advent. Komisch, davon habe ich den ganzen Tag nichts mitbekommen, kein Wunder bei dem Klima hier! Erst am Abend beim Lesen der Nachrichten aus Deutschland fiel mir das auf. Unternommen habe ich meine zweite Wanderung im Norden Lanzarotes. Nachdem ich gestern schon eine Ecke dort erkundet hatte, habe ich mich heute noch ein bisschen weiter n├Ârdlich vorgewagt. Dazu kam aber auch noch die Besichtigung zweier Sehensw├╝rdigkeiten, einmal vorher, einmal nach der Wanderung. Ich hatte das extra so geplant, um die Sto├čzeiten zu vermeiden, ich denke, das war auch ganz gut. Morgens um 10 Uhr zur ├ľffnungszeit war ich bei den Jameos del Agua, abends um 16 Uhr, eine Stunde vor Schlie├čung, am Mirador del Rio. Gerade vormittags bei den Jameos del Agua war noch relativ wenig los, da hat sich die fr├╝he Ankunft auf alle F├Ąlle gelohnt, bei meiner Abfahrt eine Stunde sp├Ąter standen bestimmt schon f├╝nf Mal so viel Autos auf dem Parkplatz! Gl├╝ck hatte ich auch dank meines Kombitickets, das ich schon am Vortag bei den Cuevas gekauft hatte, so musste ich mich nicht noch einmal an der Kassenschlange anstellen, sondern konnte direkt zum Kontrolleur durchgehen. Dort, bei den Cuevos de los Verdes, war ├╝brigens gegen 11:30 Uhr, als ich sp├Ąter dort vorbei fuhr, auch eine Riesenschlange bis auf die Stra├če, da hatte ich gestern ebenfalls Gl├╝ck – wertvolle Zeit gespart! Auf dem Weg zu den Jameos machte ich noch einen kleinen Fotostopp, um mich schon mal auf Cesar Manrique ÔÇ×einzustellenÔÇť, und zwar an einem Windspiel in Arrieta, einem interessanten Kunstwerk mit vielen Deutungsm├Âglichkeiten, das irgendwie gut hier in die Landschaft passte.

Die teilweise eingest├╝rzte Lavah├Âhle der Jameos del Agua hat Manrique zu einem tollen Ensemble umgebaut, das sich harmonisch in die Natur integriert und das, da alles unterirdisch ist, von oben so gut wie gar nicht auff├Ąllt. Die nat├╝rlichen Formen der Lava wurden aufgenommen, selbst die Sitzb├Ąnke darin eingepasst, kleine H├Âhlen genutzt, alles wirkte wirklich perfekt! Und solange noch nicht allzu viele Menschen da waren, konnte man es sich auch noch ganz gut anschauen. M├Âchte nicht wissen, wie das ist, wenn sich die Massen hier durchschieben… Wobei man letztlich ehrlich gesagt feststellen muss, dass das Ganze eigentlich doch nur ein zugegebenerma├čen sehr schick gestyltes Restaurant ist, ansonsten gibt es hier n├Ąmlich eigentlich nichts besonderes weiteres zu sehen, insofern ist der Eintrittspreis von ├╝ber 10 ÔéČ schon recht happig. Ach nein, da waren ja auch noch die zahlreichen kleinen, wei├čen Krebse, die im unterirdischen See schwimmen, die es nur hier gibt und die von allen bestaunt werden. Und au├čerdem gibt es auch noch wirklich tolles Auditorium, da w├╝rde ich gerne mal ein Konzert oder ├ähnliches h├Âren.

Playa del Risco und Mirador del R├şo

Nach etwas ├╝ber einer Stunde war ich durch mit meiner Besichtigung und fuhr zum Startpunkt der heutigen Wanderung. Das hei├čt: zun├Ąchst verfuhr ich mich noch, steuerte den Mirador de Guinate an, denn ich dachte, dort w├╝rde die Wanderung beginnen, dem war aber nicht so, der eigentliche Start lag woanders. Der Ausblick vom Mirador von Guinate war aber auch nicht von schlechten Eltern. Schlie├člich fand ich dann aber doch noch den richtigen Parkplatz und machte mich an den Abstieg zur Playa del Risco. Etwa 350 m ging es steil auf Serpentinen hinab in die Tiefe, aber selbst f├╝r einen Sonntag, an dem auch einige Einheimische heute hier waren, war aufgrund des beschwerlichen Wegs nur wenig los, die Menschen verliefen sich unten am Fu├če der Steilwand rasch. Ich wanderte erst zu den ehemaligen Salinen unterhalb des Mirador del Rio, den ich nach meiner Wanderung noch aufsuchen wollte, danach ├╝ber den tollen, wei├čen Strand zur├╝ck. Auch heute wehte der Wind wieder heftig, man sah auch an den Schiffen auf dem Meer, wie sie schaukelten. Solange die Sonne schien, war das nicht schlimm, sp├Ąter, nach Sonnenuntergang, wurde es dann aber doch rasch kalt. Nachdem ich meine Runde gedreht hatte, suchte ich mir am Ende des Strandes ein windgesch├╝tztes Pl├Ątzchen, um ein Picknick zu machen, ehe ich mich wieder an den Aufstieg begab, wobei ich aber entgegen den Angaben im Reisef├╝hrer nicht l├Ąnger als f├╝r den Abstieg brauchte, sondern sogar schneller war, dieses vermutlich deshalb, da ich keine Fotopausen machte. Allgemein bin ich beim Gehen bergab ja auch immer etwas vorsichtig und daher oft nicht viel schneller als bergauf. Gegen kurz vor 16 Uhr hatte ich den Aufstieg geschafft und kam wieder oben an, suchte in der N├Ąhe der Kliffkante noch einen Geocache, den ich mit M├╝he auch fand und steuerte dann mit dem Wagen mein letztes Ziel an, den Mirador del Rio.

Zwar war hier noch einiges los, der Gr├Â├če des Parkplatzes nach zu urteilen tummeln sich hier aber vermutlich auch manchmal Tausende von Leuten, ich fragte mich, wie die da alle reinpassen – ich fand es so schon voll genug! Auch hier wieder: tolle Architektur, grandios in die Landschaft angepasst, ich hatte von meiner Wanderung gegen Mittag von unten aus M├╝he, den Mirador an der Kliffkante ├╝berhaupt zu entdecken. Und auch hier wieder: letztlich ist dies ÔÇ×nurÔÇť ein Restaurant, toll gemacht mit tollem Ausblick, aber eben auch nicht mehr. Und den Ausblick hat man von anderen Miradores kostenlos. Immerhin, der Eintritt war mit 5 ÔéČ nur halb so hoch wie in den Jameos del Agua. Nachdem ich die Aussicht genossen hatte und die Sonne schon langsam im Sinken begriffen war, wurde es recht k├╝hl, zumal hier oben der Wind ordentlich ging. So nahm ich mir vor, erstmal ins Hotel zur├╝ck zu fahren und dort heute wieder zu Abend zu essen. Die Fahrt mit dem Wagen verlief ganz gut, wobei ich aber auch heute wieder mit dem Gegenlicht zu k├Ąmpfen hatte, teilweise glich die Fahrt fast einem Blindflug! Im Hotel gab es dann leider eine b├Âse ├ťberraschung: es gab ausgerechnet heute kein Essen, da eine geschlossene Veranstaltung stattfand. Dumm! Da ich allerdings auch keine Lust mehr hatte, noch mal wegzufahren, beschloss ich, mich nach dem Duschen auf dem Zimmer an meinen Vorr├Ąten g├╝tlich zu tun. Immerhin hatte ich noch Salami und Oliven, au├čerdem Bananen, ist ja alles auch nicht das Schlechteste!

­čÜŚ 89 km / ­čąż 10,2 km

Dienstag, 07.12.2021 – La Graciosa

Heute wollte ich einen Ausflug auf die Nachbarinsel La Graciosa, die achte, bewohnte Kanaren-Insel machen. Dort hatte ich mir eine Wanderung rund um den n├Ârdlichen Teil der Insel herausgesucht, da dieser Weg ├╝ber 20 km km lang war, hie├č es fr├╝h aufstehen. Ich wollte gerne die erste F├Ąhre um 8 Uhr erreichen, deshalb klingelte der Wecker schon um 6:30 Uhr und ich konnte noch nicht im Hotel fr├╝hst├╝cken. Ich machte mich kurz frisch, trank einen l├Âslichen Kaffee mit dem Heisswasserbereiter auf meinem Zimmer, a├č einen M├╝sliriegel und sa├č um 7 Uhr im Auto. 40 Minuten dauerte die Fahrt, dann kam ich im Hafen von Orzola an der Nordspitze von Lanzarote an. Dort war alles perfekt organisiert, Einweiser am Hafen lotsten einen auf die entsprechenden, kostenlosen Parkpl├Ątze der F├Ąhrgesellschaft. Am Kiosk am Hafen kaufte ich mir ein Ticket f├╝r die Hin- und R├╝ckfahrt (Kostenpunkt 26 ÔéČ) und bestieg das Schiff. Auf der ersten F├Ąhre fr├╝hmorgens war noch nicht allzu viel los, alles verteilte sich ganz gut an Deck. P├╝nktlich um 8 Uhr startete die wackelige und lustige ├ťberfahrt. Tats├Ąchlich wurde das Schiff gerade beim Ausfahren aus dem Hafen und bis zur Umrundung des Nordkaps von Lanzarote ganz ordentlich hin und her geschaukelt, ehe wir dann im sogenannten Rio, der Meerenge zwischen Lanzarote und La Graciosa, in etwas ruhigere Gew├Ąsser gerieten. Die Sonne war gerade aufgegangen, brach durch die Wolken, ein sch├Âner Tagesanbruch! 25 Minuten sp├Ąter landeten wir im noch verschlafenen Caleta del Sebo auf La Graciosa, wo ich mir erstmal in der ├Ârtlichen B├Ąckerei ein Bocadillo und zwei s├╝├če Teilchen besorgte. Die beiden letzten verzehrte ich direkt auf der Hafenmauer und startete dann gegen 8:45 Uhr meine Wanderung.

Zun├Ąchst f├╝hrte der Weg mich durch den Ort, asphaltierte Stra├čen gab es hier nicht, alles war Sand, ein Hauch von Wildwest wehte hier durch, ├Ąhnlich wie in El Rocio in Andalusien sah es aus. Gerne h├Ątte ich auch die Kirche von innen besichtigt, leider war die aber geschlossen, sie soll einige sch├Âne Votivschiffe haben. H├╝bsch war auch das Postamt, t├Ąglich nur 2 Stunden mittags ge├Âffnet, einfach nur ein Fenster in einem Haus! Auch wenn fr├╝h morgens um die Uhrzeit noch nicht allzu viel Betrieb war, so konnte man aber doch erkennen, dass der Ort keine ÔÇ×GeisterstadtÔÇť war. Einige H├Ąuser waren erkennbar bewohnt, andere hingegen waren als Ferienh├Ąuser gekennzeichnet. Zwei oder drei N├Ąchte k├Ânnte es mir hier durchaus gefallen, l├Ąnger w├╝rde ich es aber wohl nicht unbedingt aushalten wollen, daf├╝r bot die Insel dann doch nicht genug Abwechslung. Ich verlie├č den Ort und macht mich auf Richtung Norden, zur einzigen weiteren Siedlung der Insel, nach Pedro Barba. Anfangs ging das Gehen sehr flott und z├╝gig, der Weg war gut zu finden, komplett flach, festgetretener Sand, alles kein Problem. Auf der ganzen Strecke bis zum Ort begegneten mir auch gerade einmal drei Menschen! Etwas schwieriger war lediglich das letzte St├╝ck, ein bisschen Kraxelei an einer Felsk├╝ste entlang, aber auch nichts Dramatisches. In Pedro Barba selbst konnte man sehen, dass die H├Ąuser hier vor allem als Ferienh├Ąuser beg├╝terter St├Ądter dienen, sie waren teilweise n├Ąmlich wirklich schick! Ich setze mich wieder auf die Hafenmauer, a├č jetzt mein Bocadillo und setzte dann meinen Weg fort.

Dieser f├╝hrte nun durch die sandigen Ebenen des Nordteils der Insel bis schlie├člich zu den eindrucksvollen Felsentoren Los Arcos aus Basalt. Mittlerweile wurde es etwas voller, Fahrradfahrer kamen mir entgegen, am Felsentor selbst traf ich dann pl├Âtzlich und ├╝berraschend auch auf vier Jeeps. Als “Fu├čkranker” kann man sich n├Ąmlich mit einem Jeep auch ├╝ber die Pisten der Insel kutschieren lassen. F├╝r die Einheimischen ist das nat├╝rlich ein prima Gesch├Ąft, die Naturidylle und Einsamkeit der Insel werden dadurch aber nat├╝rlich nachhaltig gest├Ârt! Ich genoss das Spektakel und den Blick in den wilden Hexenkessel, den das Wasser unterhalb des Torbogens pr├Ąsentierte, ehe ich weiter ging. Der Weg verlief jetzt ein kurzes St├╝ck auf der Piste, die auch von dem Jeeps genommen wurde, was nicht so angenehm war. Am Fu├č der Monta├▒a Bermeja bog ich von diesem Weg ab und erklomm auf geradem Weg den Vulkankegel. Im letzten St├╝ck war das recht steil und rutschig, der Ausblick von oben war aber einmalig, speziell auch der erste Anblick der Playa de las Conchas, der sich von hier oben bot: ein wundersch├Âner, heller, ebenm├Ą├čiger, halbmondf├Ârmiger Strand mit t├╝rkisblauem Wasser davor! Hier war mittlerweile, es war jetzt um die Mittagszeit, deutlich mehr Betrieb, viele Strandlieger, die die Sonne genossen, ein paar Schritte ins Wasser wagten und au├čerdem ein Haufen jugendlicher Surfer. So gab es einiges zu gucken, manchmal konnten die Kids die nicht ganz unerheblichen Wellen hier ziemlich gut reiten! Da mich meine Wanderschuhe mittlerweile ein wenig dr├╝ckten, speziell nach dem ziemlich steilen Abstieg von der Monta├▒a Bermeja, zog ich die erstmal aus und g├Ânnte den F├╝├čen eine Erholung beim Spaziergang durch den weichen Sand. Man musste dabei aber durchaus aufpassen, oft kam l├Ąngere Zeit gar keine Welle, dann pl├Âtzlich eine recht ordentliche, die st├Ąrkste davon spritzte mir sogar bis an die Beine meiner kurzen Hose hoch, sodass ich mein Handy fix aus der Seitentasche retten musste. Zum Gl├╝ck trocknete bei dem sch├Ânen Wetter alles wieder rasch!

Nachdem ich den Strand gequert und mir die Schuhe wieder angezogen hatte, wanderte ich weiter. Der Weg f├╝hrte jetzt ein St├╝ck durch die D├╝nen, ich nahm einen in der Karte eingezeichneten, schmalen Fu├čweg und nicht die Autopiste. Auf die traf ich erst sp├Ąter, folgte ihr ein St├╝ck, bis sich dann aber erneut die Gelegenheit zu einem Abstecher an die K├╝ste bot bei der Playa Baja del Ganado. Auch diesem folgte ich wieder, kaum hatte ich den Strand verlassen, war ich wieder allein und lief weiter, jetzt Richtung S├╝den. Im Gegensatz zum sandigen Nordteil war die K├╝ste hier sehr felsig und ger├Âllig, auch nicht flach, sondern in stetigem Auf und Ab, so kam ich nat├╝rlich nicht ganz so schnell voran, da ich aber gut in der Zeit lag, war das kein Problem. Zwischendurch wurde noch eine ehemalige M├╝lldeponie gequert, was nicht ganz so sch├Ân war, immerhin wurde hier aber gerade mit der Renaturierung angefangen. Ganz zum Schluss, bevor ich wieder auf die Autopiste traf, f├╝hrte der Weg noch durch so eine Art Mini-Industriegebiet, aber egal, immerhin war hier kein Autoverkehr. Die Piste zum Strand kreuzte ich kurz noch einmal und lief dann weiter, eine ausgeschilderte Umleitung f├╝r Fu├čg├Ąnger entlang, denn die Autopiste war f├╝r Fu├čg├Ąnger ab hier gesperrt. Nach insgesamt etwas ├╝ber 20 Kilometern und etwas ├╝ber 6 Stunden (inklusive Pausen) kam ich so schlie├člich wieder im Hafen von Caleta del Sebo an. Im Ort war jetzt deutlich mehr los, viele Tagestouristen auf den Stra├čen oder in den Lokalen, es herrschte richtig Leben. Ich ├╝berlegte kurz, auch noch hier zu essen, entschied mich dann aber daf├╝r, zun├Ąchst mal die Insel zu verlassen und Lanzarote wieder zu erreichen, zumal ich mir in Orzola schon ein Restaurant ausgesucht hatte.

Auf dem Schiff war es nun deutlich voller als am Morgen, fast das gesamte Oberdeck war besetzt. Die R├╝ckfahrt dauerte ein wenig l├Ąnger, vermutlich, da das Schiff jetzt gegen den Gegenwind ank├Ąmpfen musste, nach etwas ├╝ber einer halben Stunde aber war schlie├člich Orzola wieder erreicht. Auch die R├╝ckfahrt war an einigen Stellen eine ganz sch├Âne Schaukelei, viel Auf und Ab, schlecht wurde mir zum Gl├╝ck aber nicht. Besonders spektakul├Ąr waren auch noch acht oder zehn Gleitschirmflieger oberhalb des Kaps, ziemlich eindrucksvoll, was die hier so boten. Nachdem ich das Boot verlassen hatte, steuerte ich gleich das Lokal “El Norte” an, das ich mir wegen guter Bewertungen ausgesucht hatte, es sollte leckeres Essen und auch freundliche Bedienung geben, gerade das letztere hat mir am Vortag in El Golfo leider gefehlt. Hier stimmte dann aber wieder alles. Mutter und Sohn, vermute ich mal, waren wirklich sehr nett und zuvorkommend. Ich bestellte eine Knoblauchsuppe, frittierte Calamares, eine Fanta Limon und zum Abschluss noch einen Cafe Solo. F├╝r alles zahlte ich 23 ÔéČ, einen Ron Miel gab’s noch dazu auf’s Haus – lecker! Schlie├člich setzte ich mich wieder in den Wagen und machte mich auf die 40min├╝tige Fahrstrecke zur├╝ck ins Hotel. In Arrieta tankte ich an der freien Tankstelle recht g├╝nstig, 120,9 ct, au├čerdem pr├╝fte ich den Reifendruck, nachdem ich am Vorabend Reifendruckalarm erhielt. Tats├Ąchlich war der Druck vorne links ordentlich abgefallen. Ich f├╝llte alles wieder auf 2,5 bar auf und hoffte, dass das bis zum Ende des Urlaubs h├Ąlt! Gegen kurz nach 18 Uhr kam ich im Hotel an und machte mir dann noch einen gem├╝tlichen Abend. Leider war es abends doch immer so k├╝hl, dass ich die Terrasse meines Zimmers nie so wirklich nutzen konnte, wie ich das erhofft hatte, schade! Stattdessen habe ich mehrmals sogar die kleine Elektroheizung angestellt, die hier bei mir im Zimmer stand ÔÇô auch nicht unbedingt das, was ich bei einem Urlaub auf den Kanaren erwartet h├Ątte!

­čÜŚ 81 km / ­čąż 21,3 km

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