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Mount Kinabalu

15./16.03. – Kinabalu Nationalpark: Anreise und Tageswanderung

Etwas ĂŒber 1 Stunde musste ich auf den öffentlichen Bus warten, der aus Tawau kam und nach Kota Kinabalu weiterfuhr. GerĂŒchte, dass es hier oft schwer sei, Busse anzuhalten, da sie schon voll besetzt waren, bewahrheiteten sich zum GlĂŒck nicht, es saßen zwar eine Menge Leute drin, aber es waren auch noch einige PlĂ€tze frei. Ich musste RM 40 fĂŒr die Fahrt zahlen wie auch die beiden Berliner, obwohl die bis Kota Kinabalu fahren wollten, also noch 100 km weiter als ich, den Preis versteht auch niemand, kam mir etwas ĂŒberteuert vor
 Erst hat uns der Busbegleiter sogar RM 45 abgeknöpft, spĂ€ter, als ein Kontrolleur (offensichtlich sein Vorgesetzter) zustieg, gab es plötzlich RM 5 zurĂŒck
!? Der Bus war zwar schon Ă€lter, aber insgesamt ganz o.k., die Klimaanlage angenehm und nicht zu kalt. Außerdem gab es ab er leider, wie hier ĂŒblich, den typischen Brutalo-Actionfilm in Form von „The Expandables“, in Deutschland FSK 18, hier fĂŒr alle im Bus zu sehen, selbst kleinste Kinder
 Und nachdem der Film dann auch noch ein 2. Mal abgespielt wurde, gab es fĂŒr den Rest der Fahrt so eine Art asiatisches SchlĂŒmpfe-Tekkno mit englischen Hitsamples – schrecklich! Trotzdem war die Fahrt insgesamt entspannt, der Fahrer fuhr leidlich akzeptabel und es gab auch nicht allzu viele Zwischenstopps. Die Fahrt fĂŒhrte uns wie schon vor 2 Tagen zunĂ€chst wieder durch dieselben, endlosen Ölpalmenplantagen, erst ab Telupid wurde es bergiger und landschaftlich schöner, leider auch kurviger, und wĂ€hrend ich die Fahrt anfangs sehr gut vertrug, kam gegen Ende dann doch leider ein wenig ReiseĂŒbelkeit auf, aber nicht allzu schlimm. Mehr Sorgen machten mir die dunklen Wolken, die sich vor uns auftĂŒrmten, und tatsĂ€chlich: als ich nach 4 Âœ Stunden Fahrt um 12:45 Uhr am Mount Kinabalu National Park aussteigen musste, schĂŒttete es im wahrsten Sinne des Wortes wie aus Eimern! Ein WartehĂ€uschen gab es leider nicht, so musste ich ca. 30 Meter zu einer GaststĂ€tte in der NĂ€he rennen, wo ich völlig durchnĂ€sst ankam trotz des nur kurzen Wegs. Ca. 15 Minuten wartete ich, bis der schlimmste Regen aufgehört hatte und ging dann die ca. 300 Meter bis zu meiner vorgebuchten Unterkunft „Mountain Resthouse“, nur, um dort wieder pitschnass anzukommen, weil der Regen auf dem Weg plötzlich nochmal zunahm. So ein Tropenregen hat doch ein anderes Kaliber als ein Schauer in Mitteleuropa! Zwar konnte ich in der Unterkunft wenigstens die Sachen gleich wechseln, aber auch ein, zwei Teile im Rucksack und mein ReisefĂŒhrer haben leider einiges abbekommen. Und bei den merklich kĂŒhleren Temperaturen hier oben in den Bergen auf 1500 m ĂŒber NN trockneten die Sachen natĂŒrlich auch nicht so schnell, trotzdem breitete ich sie erstmal in meinem Zimmer aus. Die Unterkunft war, wie im ReisefĂŒhrer beschreiben, wirklich sehr „basic“, wenn auch von außen nett anzuschauen, gepflegt mit vielen Blumen im Garten. Das Zimmer ging auch noch, der „private bathroom“ – mehr ein Verschlag – war aber wohl entweder vermietet (wie heute an mich) oder privat genutzt, denn er hatte eine TĂŒr zu meinem Zimmer und eine nach draußen, die ließ sich aber von innen verriegeln. Beim Platzregen tropfte es durch’s Wellblechdach, die KlospĂŒlung war undicht, feucht, kalt und zugig war es hier in diesem Bad auch, zumindest ein bisschen besser hĂ€tte ich mir das schon vorgestellt. Das Zimmer war sauber, das Bad leider nicht so, wahrscheinlich bis kurz vor meinem Eintreffen noch als Privat-WC der Gastgeber genutzt. Und bei dem feuchten Klima sammelte sich auch reichlich Schimmel hinter den Möbeln, die sollte man besser nicht verrĂŒcken
 Ich drehte dann, nachdem es zu regnen aufgehört hatte, nochmals eine kleine Runde bis zum Nationalpark-Eingang. Viel los war hier oben nicht, ehrlich gesagt, immerhin gab es noch ein Restaurant außerhalb des Parks, wo ich auch lecker und gĂŒnstig zu Abend aß (Black Pepper Beef und Reis, dazu warme Karottenmilch). Ich kaufte mir auch noch ein paar GetrĂ€nke und marschierte dann gegen 19 Uhr zurĂŒck zur Unterkunft, zumal das Thermometer mittlerweile auf 15 Grad Celsius gefallen war und mir regelrecht kalt wurde. In meinem Zimmer schrieb ich noch Tagebuch und ging mal wieder sehr frĂŒh ins Bett, sowohl wegen des Wetters als auch wegen der abgeschiedenen Umgebung konnte man hier abends nicht wirklich viel unternehmen.

Nachts habe ich gut geschlafen, aber man merkte schon, dass es etwas kĂ€lter ist hier oben. Hoffentlich gibt’s morgen Abend auf der HĂŒtte genug Decken! Ich stand diesmal erst um 8 Uhr auf, machte mich kurz fertig und ging nach draußen: blauer Himmel, die Sonne schien, was fĂŒr ein Unterschied zum Weltuntergang am Vortag! Im Restaurant unterhalb des Nationalparkeingangs, wo ich gestern schon zu Abend aß, frĂŒhstĂŒckte ich heute (Spiegelei, 2 WĂŒrstchen, 2x Toast mit Butter, großer Obstteller und 1 Kaffee), und war dann um 9 Uhr am Nationalpark-Eingang, berappte den (fĂŒr Nicht-Malaysier deutlich teureren) Eintritt, besorgte mir im Informationszentrum eine Karte und lief los, den Park zu erkunden. Insgesamt fĂŒhrte mich eine große Schleife durch die Berge bis zum Botanischen Garten. Als ich loslief, konnte man den Gipfel des Mt. Kinabalu noch erkennen, bald verschwand er aber in Wolken, wobei das fĂŒr heute egal war, da man von den sog. Aussichtspunkten eh keine Aussicht hatte, die waren nĂ€mlich stets zugewachsen – schade! Der einzige Aussichtspunkt, der diesen Namen verdiente, war der Bundu Tuhan mit wirklich tollem Blick nach SĂŒden ĂŒber die Orte an den HĂ€ngen, z.T. mit GewĂ€chshĂ€usern, da hier viel Blumen- und GemĂŒseanbau betrieben wird. Außerdem wuchsen an diesem Aussichtspunkt einige hĂŒbsche Pflanzen, u.a. Orchideen fand ich hier. Ein paar Vögel waren auch zu sehen, wenn auch teils nur kurz oder in der Ferne. Fotos gelangen mir deshalb nur mit MĂŒhe, das Aufschrauben des Telezooms war leider gar nicht erst möglich, da waren sie schon wieder weg… Relativ gut beobachten konnte ich immerhin einen Trupp Mynas, einen grĂ¶ĂŸeren, schwarz-weiß gemusterten Vogel am Bach und schließlich noch eine wunderschön grĂŒn und violett schimmernde Taube. Ansonsten verlief der Weg durch den typischen, tropischen Bergwald mit anderen Pflanzen als am Vortag noch am Kinabatangan River, weniger Palmen und weniger gigantisch hohen BĂ€umen, dafĂŒr mit Eichen, Kastanien usw. mit meist auch nicht sooo mĂ€chtigen StĂ€mmen. Einige Palmen gab es aber auch zu sehen, u.a. auch Rattan, eine Pflanze, die ich noch nie zuvor bewusst wahrgenommen hatte und die ĂŒberraschend dornig war! Selbst innerhalb des begrenzten Areals, das ich heute durchwanderte, sah man schon Unterschiede in der Vegetation, z.B. in den FlusstĂ€lern im Vergleich zu den BergkĂ€mmen, in den höheren Regionen gab es bereits ein paar Rhododendren. Vom Botanischen Garten war ich eher enttĂ€uscht, ich hoffte darauf, die zuvor gesehenen Pflanzen wieder zu finden mit erklĂ€renden Infotafeln, aber der Garten wirkte insgesamt etwas ungepflegt, zugewuchert, Infos gab es nur sehr spĂ€rlich und manchmal wusste man gar nicht, auf welche Pflanze sich die Infotafel bezog. Da hĂ€tte man deutlich mehr draus machen können! Zum Abschluss schaute ich mir noch die Ausstellung im Visitor Information Center an, die eher versteckt war, ohne grĂ¶ĂŸere Hinweise und erstmal gefunden werden musste. Auch diese wirkte aber etwas betulich und wenig professionell aufgearbeitet. Überhaupt war die Organisation hier eher seltsam, EintrittshĂ€uschen, Besucherzentrum und die genannte Ausstellung lagen versteckt und z.T. weit verstreut im Park, ohne große Hinweise, dominiert wurde das GelĂ€nde vielmehr von den UnterkĂŒnften und Restaurants des (teuren!) Veranstalters Sutera Sanctuary Lodges, die waren ĂŒberall problemlos zu finden! Das alles weckte den Eindruck, es geht hier eher um Kommerz als um die PrĂ€sentation der Natur, allerdings muss man auch sagen, dass der Park, anders als Bako, deutlich sauberer ist. Eine saubere Trennung von SSL und dem Nationalpark wĂ€re meiner Meinung nach aber wĂŒnschenswert, außerdem eine verbesserte Aufbereitung von Informationen ĂŒber den Nationalpark, schade, dass das nicht klappt. Egal – schöne und erlebnisreiche Wanderungen waren es heute trotzdem. Als ich im Botanischen Garten war, zogen plötzlich wieder dichte Nebelwolken auf, die alles einhĂŒllten, und als ich gegen 16 Uhr die Ausstellung im Besucherzentrum verließ, schĂŒttete es erneut wie aus KĂŒbeln, genau wie gestern, und das auch wieder eine ganze Zeit lang. Na ja, wenn es in den kommenden Tagen auch immer morgens so schön ist, wĂ€re das durchaus prima, dann könnte es nachmittags auch von mir aus regnen, das wĂŒrde der Bergbesteigung nicht weiter im Wege stehen
! Ca. 20 Minuten musste ich warten, bis der Regen nachließ, und geschĂŒtzt in Regenkleidung lief ich wieder zu dem gĂŒnstigen Restaurant an der Straße, aß dort zu Abend heute Nasi Goreng mit „Bilis“ (kleinem Fisch). Gegen 17:30 Uhr war ich wieder in meiner Unterkunft, duschte erstmal schön warm (das ging zum GlĂŒck!), rasierte mich, schrieb Tagebuch und packte dann in Vorbereitung des morgigen Aufstiegs auf den Mount Kinabalu ein letztes Mal meine Sachen neu. MĂŒde war ich nach dem langen Tag trotz des guten Schlafs in der vorherigen Nacht schon, deshalb ging ich auch wieder frĂŒh, gegen 21:30 Uhr zu Bett.

17.03. – Aufstieg zum Mount Kinabalu (Tag 1)

Start zum letzten, großen Abenteuer des Urlaubs und einer der vier „Must-See“-Punkte dieser Reise: der 2-Tages-Wanderung auf den Gipfel des Mount Kinabalu. Ich stand gegen 7 Uhr auf, machte mich gemĂŒtlich fertig, verließ das Mountain Rest House mit einem eher zwiespĂ€ltigen GefĂŒhl (ganz nette Leute, aber irgendwie doch etwas zu „basic“) und trabte mit beiden RucksĂ€cken ein letztes Mal zum Restaurant am Eingang des Nationalparks, um dort zu frĂŒhstĂŒcken, heute gab’s zur Abwechslung ein American Breakfast, außerdem kaufte ich noch Schokoriegel fĂŒr den Berg. Um 8:20 Uhr marschierte ich dann zum Eingang, wo ich noch einige Minuten warten musste, bis sich mein Guide Richard blicken ließ und noch ein paar FormalitĂ€ten zu regeln waren. Ich gab meinen großen Rucksack in der GepĂ€ckaufbewahrung der Sutera Sanctuary Lodge am Eingang ab, musste mich in ein Buch eintragen, bekam ein Permit und dann fuhren wir mit Richards Privatwagen zum Timpohon Gate, wo er diesen abstellte, ich erneute registriert wurde, von dort ging die eigentliche Wanderung los. Der Weg war zwar nicht so steil wie zu den Pinnacles, hatte es aber trotzdem in sich, auch hier mussten viele Stein- und (kĂŒnstlich angelegte) Holz-Treppenstufen ĂŒberwunden werden, die z.T. ganz schön hoch waren. Es ging heute durch 2 der 4 Vegetationszonen des Parks: den tropischen Bergwald (viele Eichen und Kastanien) und den tropischen Nebelwald in den höheren Regionen mit seinen KrĂŒppelbĂ€umen, Heide und Flechten. Von den 2 anderen Zonen findet sich der tropische Tieflandwald nur in Regionen, die tiefer gelegen sind als die Park-Hauptverwaltung, die alpine Zone sollten wir erst am kommenden Tag auf dem Weg zum Gipfelplateau durchwandern. Je höher wir kamen, desto interessanter wurde die Vegetation: neben Kinabalu-Balsam (Impatiens) tauchten zunehmend mehr Rhododendron-, Orchideen- und Kannenpflanzen-Arten auf, letztere mit z.T. wirklich großen Kelchen, wobei ich aber keine entdeckte, die 2-3 Liter fassten, wie ich das gelesen habe. Einige BlĂŒten waren klein und unscheinbar, andere richtig prĂ€chtig. Neben Hinweisen auf die Pflanzen erzĂ€hlte mir Richard noch ein bisschen ĂŒber seine Familie, seine 6 Kinder, von denen 2 schon studierten, seinen Hauptberuf als Freelance-Guide (nur unter der Woche, die Wochenenden gehörten der Familie!), seinen Nebenberuf als Hobby-Bauer, sein Volk, die Dursun, die sĂ€mtliche Guides und Porter am Berg stellten, die sich alle kennen, und noch vieles andere Interessantes mehr. A propos Porter: bis zu 50 laufen hier jeden Tag rauf und runter und tragen alles zu Fuß auf den Berg – was fĂŒr eine Strapaze! Selbst Frauen arbeiten hier in diesem schweren Beruf, froh, wenigstens ein Auskommen zu haben. Nach 3,5 Stunden (8:50 Uhr – 12:20 Uhr) waren wir schon an der Laban Rata HĂŒtte angekommen, von etwas ĂŒber 1800 m ĂŒber NN bis auf 3272 m ĂŒber NN, ca. 1400 Meter Höhenunterschied, ganz ordentlich, schweißtreibend, aber zum GlĂŒck hatte ich genug Wasser zu trinken dabei. Erst um 13 Uhr konnte ich einchecken, mir wurde ein Bett in einem 4-Bett-Zimmer mit einem Japaner und einem deutschen PĂ€rchen zugeteilt, ganz nette Schlafgenossen. Die WaschrĂ€ume waren sauber, aber nur relativ knapp bemessen, fĂŒr Herren bei insgesamt 100 Betten nur je 2 WC, Waschbecken und Duschen. Leider funktionierte das heiße Wasser nicht, angeblich schon ĂŒber ein Jahr, und das bei Übernachtungspreisen von ca. 100 € pro Nacht und Person, eigentlich eine Schande! Da ich aber k.o. und verschwitzt war, duschte ich halt kalt, irgendwie war das eine erfrischende Wohltat, trotz der hiesigen Höhe und bei den doch kĂŒhlen Außentemperaturen. Das Wetter war am Vormittag gut, trĂŒbte dann zunehmend ein, immer wieder nieselte es etwas, als dann nach dem Duschen aber noch mal der Himmel aufriss und alles in der Sonne strahlte, nutzte ich die Gelegenheit fĂŒr ein paar Fotos der Umgebung, es gab sogar eine ganze Menge relativ wenig scheue Vögel hier, außerdem probierte ich die hiesigen Himbeeren, die aber noch nicht reif zu sein schienen. Ab 17 Uhr gab’s Dinner, das im Preis inkludiert war, das wurde in Buffetform angeboten und war guter Durchschnitt. Da wir alle 4 Zimmergenossen recht geschafft waren und am nĂ€chsten Tag frĂŒh raus mussten, gingen wir auch bald zu Bett, gegen 19:30 Uhr. Kurz zuvor war ich nach dem Essen nochmal draußen und entdeckte dabei zufĂ€llig einen tollen Sonnenuntergang und die Lichter von Kota Kinabalu in der Ferne – fantastisch und beeindruckend! Vor unserer ZimmertĂŒr lĂ€rmte leider eine Chinesen-Reisegruppe aus dem 10-Bett-Dorm gegenĂŒber in einer ungeheuren LautstĂ€rke, aber das störte uns zunĂ€chst mal nicht und wir schliefen trotzdem alle rasch ein. Als Fazit muss ich sagen, dass der heutige Wandertag mit dem Durchschreiten mehrerer Vegetationszonen schon sehr an den Kilimandscharo erinnert hat, wenn auch da alles langsamer bzw. in grĂ¶ĂŸeren Etappen von statten geht.

18.03. – Aufstieg zum Mount Kinabalu (Tag 2)

Eigentlich war der Wecker auf 2 Uhr gestellt, denn um 3 Uhr sollte der Gipfelsturm beginnen, aber ab 1 Uhr war an Schlaf nicht mehr zu denken, die Chinesengruppe nahm rĂŒcksichtslos den gestrigen LĂ€rmpegel wieder auf. Also standen auch wir der Reihe nach langsam auf, machten uns fertig und gingen runter in die GaststĂ€tte, um ein kleines FrĂŒh-FrĂŒhstĂŒck zu essen, damit wir gestĂ€rkt loswandern können. Um 2:45 Uhr schließlich war ich soweit, entdeckte Richard, der draußen auf mich wartete, und gemeinsam ging’s los. Ich war, ehrlich gesagt, etwas geschockt ĂŒber den Massenauftrieb, denn es war wirklich eine endlose Schlange von Leuten, die sich im Stockfinstern im Schein der Taschenlampen den Berg hochbewegte, ĂŒbrigens hauptsĂ€chlich Asiaten, kaum EuropĂ€er. Sie gingen zwar meist in Reih‘ und Glied, blieben aber auch immer mal wieder plötzlich stehen, v.a., um zu verschnaufen, traten dann aber nie zur Seite und ließen andere offensichtlich auch nur ungern ĂŒberholen, auf der ersten HĂ€lfte des heutigen Wegs, die oft ĂŒber Leitern und Steinstufen fĂŒhrte, auch mal an einem Seil am Fels lang, war es daher nur schwer möglich vorbeizukommen bzw. einen eigenen Tritt zu finden. Obwohl auch ich teilweise froh war ĂŒber kurze Verschnaufpausen, denn die dĂŒnne Höhenluft merkte man doch schon gewaltig. Auf 3668 m ĂŒber NN gab es doch tatsĂ€chlich noch mal einen Kontrollpunkt, an dem man registriert wurde, und danach war eigentlich kaum noch ein Pfad zu erkennen, es ging vielmehr die meiste Zeit ĂŒber ansteigend geneigte Granitplatten langsam, deutlich weniger steil als noch am Anfang des Tages bergauf Richtung Gipfel. Hier konnte man dann deutlich besser seinen eigenen Weg und auch Tritt finden, sein eigenes Tempo gehen. Ich hatte das GefĂŒhl, ich wurde immer langsamer und erschöpfter, kam aber doch immer weiter und lag auch gar nicht so schlecht im Rennen, verglichen mit den anderen Wanderern. Bisher war es auch noch trocken, in der Ferne sah man wieder die Lichter von Kota Kinabalu, Wolken standen allerdings auch schon am Himmel. Die letzten 15 Minuten zum eigentlichen Gipfel, dem Low’s Peak, 4095 m ĂŒber NN, waren dann nochmal ziemlich steil und mĂŒhsam, aber dann war es geschafft, um 5:15 Uhr, nach 2 Âœ Stunden Aufstieg, stand ich auf dem Gipfel eines der höchsten Berge SĂŒdostasiens! Zum erhofften Sonnenaufgang, der so gegen 6 Uhr stattfinden sollte, sah es dann leider nicht mehr so toll aus, es verdichteten sich plötzlich die Wolken, die die Wartenden hier umhĂŒllten, alle begannen zu frieren, und dann fing es auch noch zu regnen an, und zwar nicht zu knapp! So ein Ärgernis! Dazu kam noch, dass es mittlerweile hier oben am Gipfel auch echt voll wurde, es waren sicher schon 30-40 Menschen da, und bei einer Ansammlung von Geröllblöcken mit nur unbequemen Sitzmöglichkeiten und wenig Witterungsschutz beschlossen die meisten dann, ich inklusive, wieder mit dem Abstieg zu beginnen, das war um 6 Uhr. Der Abstieg verlief ĂŒberraschend leicht und klappte gut, auf den Granitplatten konnte man, nachdem man sich erstmal vom Low’s Peak heruntergearbeitet hatte, sehr gut gehen, man musste nur aufpassen, weil es durch den inzwischen in Dauerniesel ĂŒbergegangenen Regen doch recht glatt war, 2x kam ich ins Rutschen, konnte mich aber jedes Mal gut abfangen. Mittlerweile dĂ€mmerte es, und jetzt konnte man die Gipfelregion mit ihren diversen Einzelgipfeln wie z.B. Donkey’s Ears oder Ugly Sisters auch gut erkennen, eine archaische, großartige und eindrucksvolle Landschaft! Nach dem Ende des Gipfelplateaus, ab der Sayat Sayat-HĂŒtte, wo man wieder kontrolliert wurde, kam erneut der Teil, auf dem alle im GĂ€nsemarsch absteigen mussten, am Seil entlang oder ĂŒber Felsstufen, manche waren dabei sehr Ă€ngstlich, daher dauerte es z.T. ziemlich lang. Schließlich, nach 2 Stunden, Âœ Stunde weniger als beim Aufstieg, kam ich wieder an der Laban Rata HĂŒtte an und brauchte erstmal ‘ne Pause, daher vereinbarte ich mit Richard 10 Uhr als Treffpunkt fĂŒr den restlichen Abstieg ins Tal. Eigentlich war ich nĂ€mlich mĂŒde, wollte etwas schlafen, das klappte aber irgendwie nicht, also ging ich dann doch nach einiger Zeit zum 2. FrĂŒhstĂŒck, vielleicht hatte ich auch einfach nur Hunger und fand deshalb nicht in den Schlaf. Danach packte ich meine Sachen zusammen, die dicken Pullis vom Gipfelaufstieg wieder unten in den Rucksack, denn ab jetzt wurde es ja wieder wĂ€rmer, und um 9:50 Uhr marschierten Richard und ich weiter, die letzten 1400 Meter hinab bis zum geparkten Auto. Es ging, bis auf ganz kurze ebene oder zumindest flachere StĂŒcke, quasi stĂ€ndig bergab, nach dem Gipfelabstieg heute frĂŒh eine arge Marter fĂŒr meine Knie, die das aber ĂŒberraschend gut durchhielten, wahrscheinlich auch deshalb, weil ich schon ganz gut eingelaufen war. Ich musste weniger Verschnaufpausen machen als beim Aufstieg, machte weniger Fotostopps und der Weg war auch technisch nicht so anstrengend wie der Abstieg von den Pinnacles, daher kam ich gut voran. Unterwegs zeigte mir Richard noch an einer Stelle abseits des Weges netterweise ein paar wirklich große Pitcher Plants. Auf den letzten 2 km kamen noch einmal ziemlich steile Holztreppen, die die Knie erneut maltrĂ€tierten, aber nach 3 Stunden waren wir schließlich wieder unten angekommen, auch hier wieder Âœ Stunde weniger als beim Aufstieg. 7 Stunden zuvor habe ich mich noch 2200 Höhenmeter weiter oben befunden, soviel Abstieg in so kurzer Zeit, das war schon was! Mit dem Wagen ging’s zum Headquarter, ich erhielt meine „Gipfelurkunde“, danach gab es noch ein im Pauschalpaket inkludiertes Lunch vom Buffet im Balsam-Restaurant, ich nahm Fisch sĂŒĂŸ-sauer, was ganz o.k. war, und gönnte mir als Belohnung fĂŒr den Gipfelerfolg noch eine Cola! Schließlich sollte mich ein Taxi, das ebenfalls Bestandteil des bei Wildlife Expeditions gebuchten Pauschalpakets war, nach Kota Kinabalu bringen, das gab aber Probleme, denn das bestellte Taxi war zur Reparatur. Alles verzögerte sich etwas, Richard musste etliche Telefonate fĂŒhren, schließlich wurde ein anderes Taxi geordert und um 14:15 Uhr fuhr ich schließlich nach Verabschiedung von Richard und Danksagung an den letzten Ort meiner Reise in Malaysia, nach Kota Kinabalu (kurz KK).

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