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Sal & Santo Antão 1

Samstag, 24.11.2012 – Anreise

Ein langer Tag mit vielen „untätigen“ Pausen liegt hinter mir, aber letztlich hat doch alles gut und pünktlich geklappt und am Ende bin ich da angekommen, wo ich hin wollte. Um 7:45 Uhr bin ich aufgestanden und um 8:40 Uhr mit dem ICE bis zum Frankfurter Flughafen gefahren, wo mein Flieger nach Lissabon um 13:30 Uhr abhob. Der Flug war angenehm, verlief über Basel, Genf, St. Etienne und Pamplona, leider nahezu gänzlich ohne Aussicht bei fast durchgehender Wolkendecke. Auch die Bestuhlung bei TAP war recht eng, aber für 3 Std. ging es mal, außerdem hatte ich eine ganze Sitzreihe für mich alleine. Die ersten Häuser von Lissabon sah ich eigentlich erst unmittelbar vor der Landung, so tief hingen die Wolken, aus diesen nieselte es auch ganz ordentlich heraus, sodass ich beschloss, gemeinsam mit einigen anderen One World-Reisenden, die ich inzwischen getroffen hatte, die 5 Std. Wartezeit im Flughafen zu verbringen, anstatt in die Stadt zu fahren. Das war sicher die richtige Entscheidung, denn zum einen nahm der Regen immer weiter zu, da hätte die Stadtbesichtigung keinen Spaß gemacht, zum anderen war es 1 Stunde nach der Landung auch schon dunkel, so dass man eh nicht viel mehr sah. Irgendwie ging die Wartezeit dann auch rum, relativ pünktlich um 20:45 Uhr startete der Anschlussflug nach Sal (mit genauso enger Bestuhlung), und 4 Stunden später, gegen 23:50 Uhr Ortszeit, landeten wir auf den Kapverden, inzwischen recht müde, denn auf dem Flug kam ich nach dem langen Tag nur mit Mühe auf ca. ½ Stunde Schlaf, zuhause zeigte die Uhr ja auch schon 2 Stunden später an!

Unser Reiseleiter Wolfgang holte uns am Flughafen ab, der erste Eindruck von ihm wie von den 11 Mitreisenden (so ich sie nicht schon auf dem Flughafen in Lissabon identifiziert hatte) war durchaus positiv. Bei der Einreise verglich ein Grenzbeamter unsere Pässe mit den Visumsanträgen in seiner Liste (die von One World gestellt worden waren), daraufhin bekamen wir einen Stempel in den Pass, erhielten unsere Koffer vom Band und tauschen noch ein paar Euro in caboverdische Escudos um (Kurs: 1 € = 107,5 CVE). Anschließend fuhren wir ca. 10 Minuten durch die Nacht in unser Hotel “Sabura” in Santa Maria, wo ich (zusammen mit Holger, einem meiner Mitreisenden) ein durchaus ansprechendes Zimmer bekam wie wohl auch alle anderen Zimmer hier okay waren, recht neu und gut in Schuss. Nach kurzem Auspacken, Frischmachen und einem kleinen Kampf mit der „Disko-Lichtorgel“ in der Klimaanlage machten wir schließlich gegen kurz nach 1 Uhr das Licht aus.

Laut Reisebeschreibung sollte unser Weiterflug nach São Vicente eigentlich schon am Vormittag um 9 Uhr starten, kurzfristig wurde er dann jedoch auf den kommenden Abend verschoben, so konnten wir stattdessen den nächsten Tag entspannt angehen, ausschlafen und uns erstmal akklimatisieren. Für solche Verschiebungen ist die caboverdische Fluggesellschaft TACV „berüchtigt“, das sollten wir noch mehrmals während des Urlaubs mitbekommen, daher war das ansonsten also nichts besonderes.

Sonntag, 25.11.2012 – Sal

Nach einer durchaus angenehmen Nacht und einem recht „europäischen“ Frühstück trafen wir uns also erst um 11 Uhr mit unserem Reiseleiter an der Rezeption für einen Stadtbummel im Ort Santa Maria, wo sich das Hotel befand. Der Weg in die Stadt führte knapp 30 Minuten am Strand entlang und war gut zu gehen. Obwohl es der hiesige „Hauptstrand“ war, war er im Vergleich zu vielen anderen Stränden z.B. auf den Kanaren alles andere als übervölkert, außerdem sehr sauber wie auch das Wasser wunderschön klar und türkisblau war, für Strandurlauber also genau das Richtige. Ein paar „klassische“ Exemplare dieser Spezies fanden sich entsprechend auch hier, wir alle gehörten allerdings nicht dazu, schließlich hatten wir einen Wanderurlaub gebucht! Die Pier war nicht ganz so pittoresk wie erhofft, drei oder vier kleine Fischhändler standen hier, die ihren Fisch verkauften, ansonsten noch dieselbe Anzahl Souvenirhändler, das war’s dann aber auch schon! Das eindrucksvollste im Ort selbst war der gerade stattfindende Gottesdienst in einer zum Bersten gefüllten Kirche, so voll, dass sich die Leute stehend vor den drei Eingängen und den Fenstern drängelten und noch auf mehreren Bankreihen im Freien saßen – davon können die Kirchen in Deutschland nur träumen! Als dann alle gemeinsam ein sehr melodisches „Kyrieleison“ anstimmten, bekam man regelrecht eine Gänsehaut – toll! Vorbei an einigen Händlern, die versuchten, uns in ihre Souvenirläden zu locken, gingen wir zum gemauerten alten Hafen, wo wir uns in einer recht noblen Touristenanlage, die man dort jetzt gebaut hatte, zu zwölft eine sehr leckere Vorspeisenplatte teilten. Bezahlt wurde aus der Gemeinschaftskasse, in die wir alle mal vorab 5000 CVE eingezahlt hatten. Ein Teil der Gruppe ging dann zurück zum Hotel, Holger und ich machten uns noch auf die Suche nach den berühmten Salinen der Insel, die ihr ja auch den Namen (Sal = Salz) gaben. Der Wegbeschreibung im Reiseführer konnten wir nicht folgen, stattdessen landeten wir erstmal in den Dünen am Strand der Ostküste von Sal, wo kein Mensch unterwegs war. Wie ein Schild dort verkündete, war das offensichtlich sogar ein Eiablageplatz für Schildkröten. Die Dünen jedenfalls waren herrlich! Von dort aus konnten wir die Salinen dann erblicken und steuerten diese an. Das Areal war eher klein, von der Größe her fast wie ein privater Garten, aber nichtsdestoweniger interessant, ein Einheimischer bearbeitete auch gerade barfuß in Flipflops und mit Spitzhacke das harte, weiße Salz und häufelte es auf, unverkennbar eine anstrengende Angelegenheit und auf Dauer vermutlich auch nicht so gut für die Füße!

Gegen kurz vor 16 Uhr waren wir dann wieder zurück im Hotel, nachdem wir von den Salinen noch durch die ärmeren „Außenbezirke“ von Santa Maria liefen, die aber auch nicht wirklich verwahrlost wirkten, es sah so aus, als ob doch (zumindest hier im Ort) alle ein wenig vom Tourismus profitierten. (Wenn auch die vielen halbfertigen Bauruinen nicht wirklich ansehnlich waren, aber das kennt man ja aus anderen Ländern, z.B. aus der Türkei.) Nach Duschen und Kofferpacken ging’s um 17 Uhr zum Abendessen ins Restaurant „Angela“ im Ort, wo wir sehr leckeren Fisch (u.a. Thunfisch), Fleisch und Beilagen serviert bekamen. Danach fuhren wir zum Flughafen und etwas verfrüht um 21:15 Uhr hob unser Propellerflieger ab, 35 Minuten später landeten wir schon nach einem Flug durch die Nacht in Mindelo auf São Vicente. 20 Minuten nach der Landung kam unser Gepäck, dann ging’s per Bus zur Unterkunft ins Residencial “Che Guevara”, einfach, aber okay. Gegen 23 Uhr machten wir schließlich das Licht aus.

Montag, 26.11.2012 – Fährüberfahrt nach Santo Antão, Wanderung von Chã das Pedras nach Caibros

Der Tag begann etwas ärgerllich, denn leider war mein Wecker auf hiesige Sommerzeit eingestellt und klingelte daher 1 Stunde zu früh, schon um 5 Uhr… Gegen 6 Uhr standen wir dann schließlich aber doch auf, frühstückten (ging so…) und fuhren danach zum Hafen, wo um 8 Uhr pünktlich die Fähre nach Santo Antão ablegte. Die See war ruhig (zum Glück!), die Fähre aber unglaublich voll, davon sicher eine ganze Menge Touristen, ganz so abgeschieden, wie ich das hier erwartet hatte, war man auf Santo Antão dann also doch nicht! Nach genau 1 Stunde Fahrt legten wir an, kauften im Hafen von Porto Novo noch einen größeren Wasservorrat ein und begaben uns dann, zusammen mit unserem Busfahrer und dem netten, einheimischen Guide Nicolin ins Inselinnere. Die Straße wand sich atemberaubend den Berg hoch, es gab tolle Ausblicke bis hin zur weit entfernten Insel São Nicolau, bis wir schließlich einen ersten Stopp einlegten am grünen Cova-Krater. Dort absolvierten wir einen kurzen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt mit Blick ins Paúl-Tal, nach nur 15 Minuten Gehen war der Blick wirklich atemberaubend. Eine Wanderung durch dieses Tal sollte dann einige Tage später noch auf unserem Programm stehen.

Danach ging es weiter mit noch ein paar Fotostopps bis nach Ribeira Grande, dort wieder von der Küste weg in ein Seitental, wo wir unsere erste größere Wanderung starteten, ca. 5 Stunden mit etwa 800 Höhenmetern, also gar nicht mal ohne für den ersten Wandertag. Es ging durch überraschend dicht besiedeltes Gebiet mit Zuckerrohranbau, vielen Papaya- und Brotfruchtbäumen, ansonsten wurden hier noch Maniok, Yams und Süßkartoffeln angebaut, aber z.B. auch Mais. Der Weg verlief über mehr oder weniger steile Pfade mit z.T. herrlichen Ausblicken, große Teile der Landschaft waren terrassiert, z.T. sogar bewässert, alles machte einen sehr ordentlichen und gepflegten Eindruck, mehr, als ich das erwartet hätte. Schließlich erreichten wir nach einem arg steilen und die Knie malträtierenden Abstieg den Ort Caibros, wo unsere Unterkunft wartete, eine recht einfache Pension mit Gemeinschaftsbädern und nur kaltem Wasser, aber darüber hinaus ganz okay. Wir waren alle recht k.o., duschten und entspannten uns erstmal, bis es um 19 Uhr Abendessen gab, leckeres Hühnchen mit Reis, Kongobohnen, Maniok, Brotfrucht sowie eine Kartoffel-Vorsuppe und Obstsalat zum Nachtisch – alles wirklich recht lecker! Da wir alle geschafft waren nach diesem Wanderauftakt, ging es heute nach einem erlebnisreichen und anstrengenden Tag recht früh gegen 22 Uhr zu Bett.

Dienstag, 27.11.2012 – Wanderung von Caibros nach Cruzinha da Garça

Gegen Morgen wurde es unruhig im Haus, das bekam man bald mit, denn die Bauweise mit Holz-Trennwänden war doch nicht sehr solide. Insgesamt habe ich aber sehr gut geschlafen, wenn es auch wegen einer fehlenden Wolldecke manchmal etwas kühl war, außerdem hatte es in der Nacht ein wenig geregnet. Um kurz vor 7 Uhr standen wir auf, frühstückten gemütlich wie immer und marschierten gegen 8:40 Uhr los Richtung Küste. Während es gestern mehrmals auf und ab ging, bestand der Weg heute eher aus einem langgezogenen Aufstieg, gefolgt von einem ebensolchen Abstieg nach Chã de Igreja, die Ausblicke, das Wolkenspiel und die Sonnenlöcher währenddessen waren fantastisch. Die gesamte Gruppe lief recht gleichmäßig und zügig, die ca. 500 Höhenmeter bewältigten wir trotz angenehmem Tempo in ca. 1 Stunde. Unterwegs gab’s in den tieferen Lagen noch vereinzelte Gehöfte, Schweine, Ziegen und Kühe zu sehen, ansonsten entdeckten wir viele Wildpflanzen (Sodom-Apfel, Aeonium, Kuhzunge) und auch Kulturpflanzen (Mais, Baumwolle, Mispeln) am Wegrand.

Nach einer Mittagspause am Dorfplatz von Chã de Igreja, wo man uns die Regeln des Ouril-Spiels zu erklären versuchte, das hier auf den Kapverden extrem beliebt ist, liefen wir noch ein kurzes Stück bis zur beeindruckenden Küste und dann diese entlang bis zur nächsten Unterkunft in Cruzinha da Garça. Die Pension “Sonafish” dort war nicht schlechter als die letzte, eher sogar noch ein bisschen besser, es gab aber auch dort wieder lediglich ein Bad für eine ganze Etage, das war etwas knapp, man musste sich absprechen, dafür hatten wir einen Balkon mit Meerblick auf den tosenden Atlantik. Nach einem Getränk und einer Dusche machte ich noch einen kurzen Ortsbummel, wobei mir hier alles etwas ärmlicher vorkam, anders als im Inland der Insel, dabei hatte ich hier an der Küste eigentlich eher mehr „Wohlstand“ erwartet, zumal die „Königswanderung“ auf Santo Antão ja morgen hier ihren Anfang nehmen wird.

Abendessen gab es um 18 Uhr, auch heute wieder sehr lecker, es gab Bonito und Königsfisch, dazu Reis, Yams und Süßkartoffeln sowie Kochbananen. Für 20 Uhr war noch eine Musik-Combo engagiert worden, die uns mit kapverdischer Musik unterhalten sollte, aber das gestaltete sich dann noch ganz „interessant“, denn sowohl der Chef der Truppe, als auch einer der beiden anderen Gitarristen waren ziemlich betrunken, was bei letzterem dann zu einem „freien Improvisationsspiel“ führte, das man nicht unbedingt mehr als Musik bezeichnen konnte. Unter Protest wurde der Gitarrist schließlich hinauskomplimentiert, klampfte draußen noch ein wenig bockig weiter, während drinnen die musikalische Darbietung des Abends durch eine Spülkraft des Hotels und einen der beiden Hotelmanager gerettet wurde, die gar nicht mal so schlecht singen konnten. Nach einer Stunde Musikgenusses begaben wir uns um 21 Uhr auf die Zimmer, nicht, ohne zuvor noch mit einem vom Haus frisch gebackenen Kuchen auf den 50. Geburtstag eines unserer Mitreisenden angestoßen zu haben.

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