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Fogo 1

Montag, 03.12.2012 РWanderung durch den Krater nach Cḥ das Caldeiras

Zunächst ging es aber am folgenden Tag auf zur letzten Insel unserer Rundreise, nach Fogo, sicher ein weiterer Höhepunkt der Tour. Der Wecker ging um 5:30 Uhr, immer noch regnete es, nunmehr den 3. Tag seit unserer Ankunft hier oben, wir waren fast alle froh, das “Intermezzo Santiago” endlich hinter uns lassen zu können, denn das ständig miese Wetter und die klamme, feuchte Unterkunft hatten nicht für Begeisterungsstürme gesorgt. Bei Sonnenschein und guter Sicht mögen die Tage hier oben schön sein, wir konnten das leider alle nicht so sehen. Nach dem Frühstück fuhren wir um 6:45 Uhr ab, waren 45 Minuten später am Flughafen und checkten ein für den Flug nach Fogo, der um 9 Uhr starten sollte, sich dann aber leider auch heute wieder verschob, diesmal auf 11 Uhr… Der Flieger war recht leer und wir hatte alle 12 einen Fensterplatz, konnten also bereits vom Flugzeug aus einen ersten Blick auf den beeindruckenden Vulkan über den Wolken werfen. Nach nur 15 Minuten Flug landeten wir schon bei Sonne in São Filipe, kauften noch kurz Wasser und fuhren dann hinauf in den Naturpark des Fogo-Vulkans. Nachdem dieser erst noch in den Wolken lag, rissen die Wolken später auf und für ca. 1 Stunde hatten wir tolle Ausblicke zum eigentlichen Gipfel und zum Pico Pequenho, einem kleinen Nebenkrater, der bei einem Ausbruch 1995 entstand und der (was wir damals natürlich noch nicht wissen konnten) auch Ursprung des letzten Ausbruchs Ende November 2014, genau 2 Jahre nach unserem Besuch werden sollte.

Wegen der Verspätung unseres Fliegers blieb keine Zeit mehr für den Aufstieg zum Pico Pequenho, also machten wir nur noch eine ca. dreistündige Wanderung durch die Lavazungen des Vulkans bis zum Dorf Chã das Calderas, wo unsere Unterkunft lag. Es gab tolle Farbkontraste zwischen dem Schwarz der Vulkanasche und des Magmas sowie dem Grün der Äpfel und Weinstöcke, die hier oben wuchsen. Leider zog nach 1 Stunde erneut eine Nebelbank herauf, die uns für den Rest der Wanderung begleitete und uns auch durchnässte, trotzdem war der Weg durch Lavaschutt und vorbei an Magmazungen und Stricklava faszinierend und eindrucksvoll. Je näher wir dem Dorf kamen, desto grüner wurde es, es gab Felder mit Mais, Kongobohnen, es wuchsen dort Pfirsichbäume, Feigenbäume, Melonen (nur für’s Vieh) und Weihnachtssterne, der Vulkanboden ist halt sehr fruchtbar. Trotzdem ist das Leben hier in unmittelbarer Nähe zum gefährlichen Vulkan sicher gewöhnungsbedürftig. Schließlich erreichten wir gegen 16 Uhr unsere Unterkunft, die Casa Marisa, und bezogen Zimmer, die größer, komfortabler und freundlicher waren, als ich das erwartet hatte, es hatten sogar alle ein eigenes Bad hier. Ich duschte erstmal (heute nur kalt!), wärmte mich dann bei Kaffee auf, anschließend saßen wir zusammen bis zum Abendessen um 19 Uhr. Dazu gab es Hühnchenfleisch, das mit einer extrem leckeren Soße aus Baumstachelbeeren serviert wurde, die schmeckte ähnlich wie Tamarinde – köstlich! Der ebenfalls leckere Fogo-Rotwein, den wir dazu tranken, sorgte mit seinen 14% Alkohol für die nötige Bettschwere, die uns alle schon um 21 Uhr dorthin bugsierte, aber geplant war ja ursprünglich, dass wir am nächsten Tag auch schon zu nachtschlafener Zeit wieder aus den Federn müssen. Schon gegen 21:30 Uhr ging daher das Licht aus.

Dienstag, 04.12.2012 – Wanderung auf den Kraterrand

Es kam dann aber doch anders: wegen des Wetterberichts waren die kommenden beiden Tage aus dem Tourprogramm vertauscht, wir sollten zuerst die Wanderung auf die Bordeira, den Kraterrand machen, die Vulkanbesteigung, für die wir sehr früh hätten aufstehen müssen, wurde auf den Mittwoch verschoben. Wir konnten daher noch ein wenig weiterschlafen, frühstückten anschließend und erst gegen kurz nach 9 Uhr ging es los. Langsam begann der Nebel, der den ganzen Morgen über noch herrschte, sich zu lichten und wir genossen beim Spaziergang bergab durch’s Dorf Chã das Caldeiras gen Norden erste Blicke auf die vor uns liegende Bordeirawand. Nach etwas über 1 Stunde (mit vielen Fotostopps) zweigte links ein Weg ab, es hatte sich mittlerweile wieder ordentlich zugezogen, und so begann der Aufstieg zum Kraterrand. Dieser war recht steil, mit kurzen Klettereinlagen, aber insgesamt gut zu gehen und auch nicht allzu anstrengend, zumal es weiterhin zugezogen und neblig blieb, also auch nicht allzu heiß war. Schließlich erreichten wir eine Scharte, der steile Teil des Aufstiegs war hier beendet. Es begann nun das letzte, weniger anstrengende Stück, bis wir schließlich den Kraterrand erreicht hatten und von dort den Blick auf das Wolkenmeer unter uns und auf den daraus hervorragenden Vulkan fasziniert genießen konnten. Wir legten eine etwas längere Pause ein, während der ich noch ein Stück höher den Rand der Bordeira entlang wanderte, denn wir lagerten eigentlich an einem der tiefsten Punkte, von dem aus wir allerdings trotzdem den tollen Ausblick hatten. Als Lunch gab es leckeren Nudelsalat, bis wir schließlich wieder abstiegen, diesmal auf einem etwas längeren und weniger steilen Weg. Der Nebel lichtete sich mehr und mehr und bot uns dadurch tolle Tiefblicke auf die Caldeira und den Ort Chã das Caldeiras unter uns. Wieder unten angekommen liefen wir nicht auf direktem Weg die Straße zurück, sondern bogen nach wenigen Metern links von der Hauptpiste ab, um teils durch Lavageröll, teils durch Vulkanasche zu einer Ausbruchsstelle aus dem Jahre 1951 zu wandern. Auch heute gab es auf dem Weg z.T. wieder tolle Formationen, z.B. viel Stricklava. An der Ausbruchsstelle selbst waren immerhin einige kleinere und größere Krater (eigentlich eher Löcher) im Gestein zu bestaunen, die z.T. tief hinab reichten. Im großen Bogen erreichten wir dann bei Ramiros Bar wieder den Ort, tranken dort Cola oder Bier zum Abschluss der Tour und gingen zurück zur Unterkunft, wo es heute sogar richtig heißes (!) Wasser zum Duschen gab.

Während wir auf das Abendessen warteten, übten wir uns im Brettspiel Ouril, das durchaus ganz kurzweilig war, um 18:30 Uhr schließlich wurden wir wieder sehr lecker verköstigt. Heute gab es Cachupa (ein Eintopfgericht) und Fisch, anschließend begaben wir uns nochmal zu Ramiros Bar, die sich am Abend in eine regelrechte Sehenswürdigkeit des Ortes verwandelte. Denn während tagsüber kaum etwas los war, tobte jetzt am Abend hier der Mob, in einem winzigen Nebenraum saßen neben Ramiro selbst an der Geige noch 3 andere Musiker (Gitarren und Trommel) und musizierten, was das Zeug hielt. Die Stimmung war gut, 2 komplett betrunkene Polizisten (zum Glück außer Dienst!) tanzten und versuchten, Touristinnen aufzufordern, wir hielten uns an einem Glas Manecom fest, einem Rotwein aus der Hausproduktion, schwer, erdig und hochprozentig, der am nächsten Morgen durchaus für einen leichten Kater sorgte, uns an diesem Abend aber durchaus schmeckte. Alles in allem hatten wir viel Spaß, ein echt authentisches und empfehlenswertes Kapverdenerlebnis! Da es am nächsten Tag nun aber definitiv früh rausgehen sollte, verließen wir den Laden gegen 20:45 Uhr und machten um 21:15 Uhr in unserem Zimmer das Licht aus.

Mittwoch, 05.12.2012 – Besteigung des Pico do Fogo

Gipfeltag! Der Wecker schellte um 5 Uhr, nach einem frühen Frühstück brachen wir um 6 Uhr auf, um den Gipfel des Pico do Fogo zu besteigen. Nach ½ Stunde Wandern im Dunkeln mit Taschenlampe wurde es bereits rasch hell, so dass man den Weg gut sehen konnte. Insgesamt war er problemlos zu gehen, erst nur mäßig steil, zum Schluss immer steiler, verlief er zum Glück meist über feste Steine, erst gegen Ende hin über etwas rutschigeres Geröll. Wirklich steil waren dann bloß die letzten Meter bis zum Gipfel, die dann auch mit einem Seil gesichert waren. Die aufgehende Sonne warf einen grandiosen, riesigen Schatten des Vulkankegels auf die gegenüberliegende Wand der Bordeira, und auch unser Aufstieg verlief bis zum Kraterrand im Schatten, man kam also nur wegen der Anstrengung ins Schwitzen, nicht wegen etwaiger, hoher Temperaturen, besonders kalt war es in der Höhe heute aber auch nicht. Eine ganze Zeit genossen wir, oben angekommen, den Blick in den Krater des Vulkans, rümpften die Nasen wegen der Schwefeldämpfe, die hier ausgestoßen wurden und bezwangen schließlich noch die letzten Höhenmeter bis zum eigentlichen Gipfel mit toller Fernsicht. Nachdem früh morgens schon 3 Mitglieder unserer Gruppe in der Unterkunft geblieben waren, verließen uns 3 weitere Mitglieder etwa auf der Hälfte des Aufstiegs, schließlich kehrten 3 Wanderer am Kraterrand direkt um, so dass wir nur noch zu viert den Krater umrundeten und den Abstieg hinunter zum Pico Pequenho unternahmen. Hier ging es anfangs noch über Geröll bzw. Stufen bergab, dann aber folgte ein Hopsen und Springen ca. 800 Meter Höhenmeter hinunter durch Lavagrus, ein Heidenspaß, der aber auch nicht unanstrengend war, bei dem wir jedoch irrsinnig schnell an Höhe verloren. Am Pico Pequenho angekommen überkam mich dann leider ein unschönes Problem, nachdem schon am Gipfel des Vulkans mein Darm plötzlich und unerwartet zu rumoren angefangen hatte. Ich dachte da eigentlich noch, ich würde es bis zurück zur Unterkunft schaffen, unten am Pico Pequenho ging nun aber plötzlich gar nichts mehr und ich stand vor der Schwierigkeit, ein geschütztes und unbeobachtetes Plätzchen zu finden, was gar nicht so einfach war in der kargen Vulkanwüste, zumal noch eine Gruppe Franzosen hier Rast eingelegt hatte. Schließlich, nachdem ich das Problem (vorübergehend) lösen konnte, ging es mir aber erstmal besser und wir konnten weitergehen. Zuvor hatten wir natürlich noch ausgiebig den Krater des Pico Pequenho und die Schwefelausschwitzungen dort bewundert. Wir liefen, jetzt nur noch mäßig abfallend, auf direktem Weg nach Chã das Caldeiras, unterwegs musste noch ein weiterer Wanderer aus unserer Gruppe plötzlich “ins Gebüsch”, ich habe es immerhin dann noch bis zum Schulklo am Ortseingang geschafft…

Zurück im Hotel mussten wir erfahren, dass der Durchfall noch zwei weitere von uns “erwischt” hatte, ich hoffte inständig, dass das Problem bald wieder nachlassen würde! Da nach einer kurzen Erholungspause im Anschluss an die Wanderung mein Darm ruhig blieb, nahm ich auch an der für 15 Uhr vorgesehenen Weinprobe in der hiesigen Weinkooperative teil, die recht interessant war, wenn auch mit nicht ganz so großer Auswahl an Weinen. Angebaut wurden hier nämlich auch nur 2 Trauben, eine rote und eine weiße, aus denen je ein Rot- und ein Weißwein hergestellt wurden sowie ein Rosé, der leider schon aus war. Da der Wein in der hiesigen Hitze und unter der Sonne einen hohen Zuckergehalt entwickelte, war auch der Alkoholgehalt des Weines nicht ohne nach Umwandlung des Zuckers. Der Weinbautechniker (übrigens der Sohn von Ramiro aus der gleichnamigen Bar) schien wirklich mit Liebe und Eifer bei der Sache zu sein, hatte sich für den Weinbau auch in Europa ausbilden lassen. Ich erwarb daher auch noch je 0,75 Liter Weiß- und Rotwein, außerdem ein Glas leckere Mango-Chili-Marmelade und hatte dadurch schon ein paar weitere Mitbringsel für daheim. Anschließend machte ich noch einen kurzen Spaziergang durch das Dorf, fotografierte dabei einen Esel mit Hose und T-Shirt, was laut Reiseleiter Wolfgang hier bei Erkrankungen der Tiere nicht unüblich sei. Zurück im Hotel ruhte ich mich noch ein wenig aus und wartete aufs Essen, das war in der entspannten Atmosphäre unserer Unterkunft, bei Sonne und angenehmen Temperaturen eine wahre Freude. Zum Abendessen gingen wir ins Restaurant von Fernando, am unteren Ende des Ortes, sehr einfach, aber wieder mal sehr lecker. Es gab Fisch, Hähnchen, Salat, Reis und warmes Gemüse wie Kartoffeln, Möhren, Kürbis usw.. Insgesamt muss man sagen, dass wir hier oben in Chã das Caleiras zusammen mit dem Schwedenlokal am Flughafen von São Vicente mit Abstand das beste Essen in diesem Urlaub bekommen haben. In der Dunkelheit, bei einem fantastischen Sternenhimmel, gingen wir zurück zur Unterkunft, müde nach dem langen Tag, und schliefen dann auch erschöpft bald ein.

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