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Kilimanjaro 2

Samstag, 09.02.2008 (Tag 3): Kikelewa Camp – Mawenzi Tarn Camp

Morgens ging’s mir weiterhin gut, ich hatte gut geschlafen, als ich um 6 Uhr langsam aus dem Schlafsack kroch. Das Wetter war fantastisch, der Himmel blau, der Kibo-Gipfel lag ganz frei vor uns, ein richtiger Postkartenblick! Nach einem wieder etwas unbequemen Toilettengang (Plumps-Stehklos ĂŒberall) gab es erneut ein reichhaltiges FrĂŒhstĂŒck, diesmal u.a. mit Porridge, ehe es nach dem Abbau der Zelte diesmal gegen 8:15 Uhr losging. Die heutige Etappe war nicht so lang wie die gestrige, ĂŒberwand aber fast genau denselben Höhenunterschied, war somit also fast durchweg deutlich steiler. Leider gab es, wie gestern, kein Großwild zu sehen, eine Gruppe des Veranstalters Hauser hatte hingegen am Vortag sogar einen Löwen ein paar BĂŒffel jagen gesehen! Zuerst passierten wir noch ein wenig Baumheide, es folgten Senecien, schließlich ging der Weg aber ausschließlich durch SteinwĂŒste, es war erst 12:30 Uhr, als wir bereits am Mawenzi Tarn Camp eintrudelten. Das Wetter war den ganzen Tag ĂŒber herrlich, und so sollte es bis zum Abend bleiben. Die Kopfschmerzen kamen unterwegs langsam wieder, waren bei der Ankunft im Camp recht stark, stĂ€rker sogar noch als gestern, auch habe ich von dem heute doch recht fettigen Lunch (Pommes!, HĂ€hnchen, French Toast) außer Bananen und weiterem Obst nichts runterbekommen. Nach 1 Tbl. Aspirin und 1 Stunde Ausruhen ging’s mir aber auch heute doch schon wieder deutlich besser. Außerdem hatte ich am Morgen vorsichtig mal eine Tablette Diamox probiert, nachdem Hermann am Vortag schon Âœ Tablette nahm, und da ich keine gravierenden Nebenwirkungen verspĂŒrte, nahm ich jetzt noch ÂŒ Tablette ein. Obwohl in der Literatur die Einnahme ja sehr kontrovers diskutiert wird, scheint die Einnahme bei Amerikanern oder Skandinaviern gang und gĂ€be zu sein, schon am 1. Tag im Hotel wurden wir von Norwegern darauf angesprochen. Ich denke, wenn es hilft, Beschwerden zu lindern, ist es genauso okay wie eine Kopfschmerztablette, wobei man Warnzeichen natĂŒrlich nicht außer Acht lassen sollte! Nach der Ruhephase machten wir dann noch einen kleinen „Akklimatisationsspaziergang“ auf den 115 Meter höheren Grat oberhalb des Mawenzi Tarn, von dem aus man schon einen Blick ĂŒber den Kibo-Sattel bis zur Kibo Hut hatte, unsere Etappe des nĂ€chsten Tags. Nach ca. 1 Stunde waren wir zurĂŒck im Camp, ruhten uns noch einmal ein wenig aus, bis es um 17:30 Uhr Abendessen gab. Mein Appetit war zwar noch nicht bestens, aber ich aß doch ausreichend, wieder leckere Suppe, Nudeln, Weißkohl und Obst zum Nachtisch. Wir aßen so frĂŒh, weil die Sonne gegen 18:15 Uhr schon hinter dem Grat verschwand und es dann rasch sehr kalt wurde. Wir gingen daher auch direkt nach dem Essen wieder ins Zelt, erledigten unsere TagebucheintrĂ€ge, erzĂ€hlten noch ein wenig, bis wir dann gegen 19:30 Uhr zu schlafen versuchten. Das fĂŒhrte dann leider dazu, dass wir beide gegen Mitternacht bei EiseskĂ€lte raus und auf die Toilette mussten, bei geschĂ€tzt -4 Grad Celsius, im Zelt selbst waren es 0 Grad… DafĂŒr genossen wir dann andererseits einen fantastischen Sternenhimmel einschließlich der Milchstraße, wie man ihn in Deutschland kaum zu sehen bekommt.

Sonntag, 10.02.2008 (Tag 4): Mawenzi Tarn Camp – Kibo Hut

Und wieder ging es eine Etappe weiter. Ich war glĂŒcklich, nach dieser Etappe bei der Kibo Hut angekommen zu sein, denn das hatte ich mir als, wie ich dachte, realistisches „Mindestziel“ gesetzt, der Aufstieg zum Gipfel wĂ€re dann die Krönung! Überraschenderweise dauerte die heutige Etappe trotz großer LĂ€nge nur sehr kurz, was aber an der nur gemĂ€chlichen Steigung und dem geringen Höhenunterschied von „nur“ 500 Höhenmetern lag. Aufstehen war gegen 6 Uhr angesagt, nach dem FrĂŒhstĂŒck (ich bekam nur Porridge und 2 Weißbrote mit Marmelade runter), KatzenwĂ€sche und dem Packen der Sachen ging’s wie immer los, es war ca. 8:15 Uhr, und das erste Drittel des Wegs war ein stĂ€ndiges Auf und Ab, zwischenzeitlich verloren wir sogar noch einmal 100 Höhenmeter, aber schließlich wandelte sich der Kibo-Sattel zwischen den beiden Gipfeln Mawenzi und Kibo zu einer flachen und langsam ansteigenden WĂŒste, die wir durchqueren mussten. Vegetation war inzwischen fast verschwunden, nur noch kleines Geröll gab es, nicht mal mehr grĂ¶ĂŸere Felsen, hinter denen man sich z.B.zum Toilettengang hĂ€tte verstecken können…! Im gemĂŒtlichen Gehtempo kamen wir gegen 12:15 Uhr an der Kibo Hut an, die ersten GipfelstĂŒrmer des heutigen Morgens waren schon wieder zurĂŒck, ruhten sich aus, ein dicker Mann musste gestĂŒtzt im Zeitlupentempo zurĂŒck ins Tal gebracht werden – wie weit der wohl gekommen ist? Das fand ich dann doch ein bisschen beunruhigend, keine Ahnung, ob der vielleicht eher hĂ€tte abbrechen sollen… In der HĂŒtte gab es mal wieder ein Registrierungsbuch, in das wir uns eintragen mussten, ehe wir uns in unser Zelt zurĂŒckziehen konnten. GlĂŒcklicherweise standen die Zelte sehr schön, etwas abseits von den HĂŒtten, zwischen großen Felsblöcken. Nachdem ich auf dem Weg heute nur leichte Kopfschmerzen hatte, waren diese bei der Ankunft im Camp verschwunden, mir ging es wunderbar, nur jede Anstrengung fiel schwer, aber das ist ja normal in dieser Höhe und sollte mich nicht am Versuch hindern, den Gipfel zu besteigen, bei heftigen Kopfschmerzen hĂ€tte ich da schon mehr Bedenken gehabt und hĂ€tte davon vielleicht Abstand genommen. Obwohl: Guide Franco versprach mir heute, nachdem der mich ein paar Tage beobachtet hatte, eine Gipfelgarantie von 100%. Ich hoffte, er behĂ€lt mit seiner Erfahrung Recht! Im Zelt legte ich als erstes die Sachen fĂŒr den Aufstieg in der Nacht parat, denn noch war das Wetter schön, sonnig, der Wind, der einen auf dem Kibo-Sattel ordentlich durchgekĂŒhlt hat, war hier bei der HĂŒtte gar nicht so schlimm. Dann gab es Lunch, wieder mal (z.T.) ordentlich fettig, u.a. angebratene Teigtaschen mit FleischfĂŒllung, vermutlich wollte man uns stĂ€rken fĂŒr den Gipfelaufstieg. Danach wurde wieder eine Mittagsruhephase im Zelt eingelegt. Insgesamt fĂŒhlte ich mich deutlich besser als an den 2 Nachmittagen zuvor, hatte mehr Appetit und weniger Kopfschmerzen, musste nicht einmal eine Aspirin nehmen! Anschließend machten wir zu zweit noch einen kleinen Spaziergang durch die Anlage und schauten auch mal in die HĂŒtten, die waren aber eher eng und duster, da war mir das Zelt deutlich lieber! Um 17 Uhr gab es bereits Abendessen, diesmal nicht so fett, sondern eher kohlenhydratlastig, die ĂŒbliche Suppe und Berge von Nudeln mit Soße. Gegen kurz nach 18 Uhr ging es bereits zu Bett, denn die Nacht sollte nur kurz werden. Obwohl es recht ruhig war, schlief ich nur 2 Stunden, dann musste Hermann mal raus, ab da wĂ€lzte ich mich hin und her, konnte nicht mehr richtig einschlafen, bis dann pĂŒnktlich um 23 Uhr das ersehnte Zeichen zum Wecken kam! Der Himmel war klar, aber es war nicht allzu kalt. Im Schlafsack schlief ich mit langer UnterwĂ€sche, das war angenehm, aber auch das Aufstehen fiel nicht allzu schwer. Es gab Schwarztee und Kekse zur StĂ€rkung, und pĂŒnktlich (wie ĂŒberhaupt immer auf dem Kili-Trek recht pĂŒnktlich lief) ging’s um Mitternacht los, im Dunkeln, dick eingemummelt und mit Stirnlampen versehen.

Montag, 11.02.2008 (Tag 5): Kibo Hut – Uhuru Peak (5895 m) – Horombo Camp

Es war der „Tag der Tage“, ich glaube, es war der anstrengendste meines ganzen, bisherigen Lebens, aber auch einer der ĂŒberwĂ€ltigendsten. Zu Anfang gingen wir alle im selben Trott, John, der Assistant Guide, vorneweg, Hermann und ich hinterher, dann folgten Franco, unser Guide und noch einer der Porter, Kisero. Wir gehörten wohl schon zu den letzten, die aufbrachen, denn hinter uns kam niemand mehr, vor (oder besser ĂŒber) uns sahen wir aber noch ein paar versprengte Trupps. Insgesamt hatten wir GlĂŒck, da nur ca. 30 Leute heute Nacht von der Kibo Hut zum Gipfel aufbrachen, also nicht allzu viele. Das Tempo war sehr langsam, ich neigte eher dazu, schneller zu gehen, verbrauchte daher leider auch immer wieder Energie, weil ich bremsen musste, um in Johns Tempo zu verfallen. Nach 2 Stunden wurde eine erste Pause eingelegt, ich trank eine halbe Tasse Tee, dann ging’s weiter, denn die KĂ€lte fing an, in einem empor zu kriechen. Da Franco wohl kein Problem mit dem langsamen Tempo hatte und mein Tempo vom Vortag kannte, trennten wir ab hier erstmal unsere Gruppe, John und ich gingen vorneweg, der Rest kam nach. Ab der Hans Meyer Cave spĂŒrte ich das Gewicht meines Rucksacks zunehmend, so war ich froh, dass mir John, der mir das schon vorher ein paar Mal angeboten hatte, ihn abnahm. Weiter ging der Weg, endlos in Serpentinen bergauf, und er wurde zunehmend steiler, so steil, wie ich es nicht erwartet hĂ€tte, zumindest nicht ĂŒber ein so langes StĂŒck. Gut, dass es noch so dunkel war und man außer dem Lichtkegel der Stirnlampe nichts sah, sonst hĂ€tte mich das nur demotiviert! Außerdem war Neumond, bei Vollmond oder gar bei Tag hĂ€tte einen der Blick auf den noch vor einem liegenden Aufstieg vielleicht umkehren lassen. 2 Leute kamen uns schon in den ersten 3 Stunden entgegen, weil sie aufgeben mussten. Langsam verließen auch mich meine KrĂ€fte zusehends, und Hermann, der erst noch weit unter mir war, kam in seinem langsamen Tempo immer nĂ€her und ĂŒberholte mich schließlich. Da merkte ich, dass ich es vielleicht doch zu rasch angegangen war, oder aber es zeichnete sich der Erfolg von Hermanns einjĂ€hrigem, regelmĂ€ĂŸigen Joggen ab, was ich leider einige Wochen zuvor wegen Knieproblemen habe abbrechen mĂŒssen. Mittlerweile waren es nur noch ca. 1 Âœ Stunden bis zu Gilman’s Point, ich musste stĂ€ndig, ca. alle 8-20 Schritte, pausieren, weil mir Kraft und Luft fehlten. Ich hatte mir inzwischen vorgenommen, dass ich, in welcher Zeit auch immer, auf alle FĂ€lle Gilman’s Point erreichen will, um dann da umzudrehen, zumal das auch schon als „Besteigung“ des Kilimanjaro gilt, wenn es auch noch ein Punkt am Kraterrand ist. Leider konnte ich mittlerweile kaum was trinken und war dadurch sicher sehr ausgetrocknet, aber alles, was ĂŒber eine halbe Tasse in 2 Stunden hinausging, verursachte mir Übelkeit bis hin zum Brechreiz. Zum GlĂŒck waren das aber, neben der SchwĂ€che und dem Sauerstoffmangel, die einzigen Anzeichen der Höhenkrankheit, die ich den ganzen Tag ĂŒber haben sollte. Immer weiter schritt die Zeit, immer lĂ€nger zog sich der elend steile Anstieg, irgendwann meinten die Guides dann sogar, mich ein wenig anschieben zu mĂŒssen, was ich dann aber doch nicht wollte, das war mir dann doch zu demĂŒtigend. Nach einer endlosen Schinderei und ca. 6 Stunden war es schließlich und endlich aber doch soweit, wir hatten tatsĂ€chlich Gilman’s Point erreicht – die Gipfelurkunde war mir sicher! Immer noch war es sehr kalt, aber am Horizont zeichnete sich ein erster Lichtschein ab, und wir machten 15 Minuten Pause. Jetzt stand die Überlegung an, umzukehren oder zum Uhuru Peak, dem höchsten Punkt des afrikanischen Kontinents, weiterzugehen. Nach meinen bisherigen Überlegungen und wenn ich alleine gewesen wĂ€re, hĂ€tte ich mich sicher zum Umkehren entschlossen. Unsere Guides hielten sich sehr zurĂŒck mit ihren RatschlĂ€gen, ĂŒberließen uns die Entscheidung, aber nachdem Hermann entschied weiterzugehen und mich dazu zu motivieren versuchte, ließ ich mich mitreißen, das Adrenalin, das der Körper jetzt ausstieß, pushte einen nun zu Höchstleistungen. Und das zum GlĂŒck! Denn was jetzt kam, war ein Kinderspiel im Vergleich zum bisherigen Aufstieg. Es waren zwar immer noch 200 Höhenmeter zu ĂŒberwinden entlang des Kraterrandes, aber der Weg war nicht wirklich steil und nicht steinig, sondern verlief im ersten Teil bis Stella Point sehr angenehm auf festgetretenem Schnee und ab dort als wirklich breiter Schotterweg, alles war also gut zu gehen. Und wĂ€hrend es beim bisherigen Aufstieg noch recht ruhig war, herrschte nun, wo auch die Aufsteiger der Machame-Route hinzustießen, richtiggehend Hochbetrieb am Gipfel. Auch die anderen Wanderer von Elefant Tours, mit denen ich am 1. Tag zum Hotel gebracht wurde, traf ich hier oben wieder, einer von denen litt sehr, musste von beiden Seiten gestĂŒtzt werden, dagegen ging es mir richtig gut. Schließlich war es dann soweit: um 7:50 Uhr stand ich am Uhuru Peak, auf 5895 Meter ĂŒber NN, mitten in Afrika, so hoch, wie ich wahrscheinlich nie mehr in meinem Leben wandern werde. Und schon auf den letzten 500 Metern vor dem Gipfel passierte mir etwas, was vermutlich vielen hier oben passiert, vor Freude, Erschöpfung, Stolz und ÜberwĂ€ltigung musste ich eine ganze Weile mit den TrĂ€nen kĂ€mpfen, um dann doch zu verlieren… Am Gipfel mussten wir erstmal Schlange stehen fĂŒr das Gipfelfoto, und nachdem wir das „im Kasten“ hatten, drĂ€ngte Franco wegen der großen Höhe wieder zum raschen Abstieg. Dabei konnte man jetzt auch besser als beim Aufstieg den Blick auf die Umgebung genießen. Die Luft war zwar wolkenverhangen, man sah deshalb nur wenig von der Landschaft der Savanne darunter, es gab auch keinen „feuerroten Sonnenaufgang“, wie man sich das vielleicht ertrĂ€umt hĂ€tte, aber trotzdem war es hier oben taghell. Schnee und die Reste der Gletscher glĂ€nzten im strahlenden Sonnenlicht – ein wirklich berauschender Anblick. Die Gletscher, die von unten winzig klein aussahen, wirkten hier oben schon recht beeindruckend, obwohl sie ja auch schon stark zurĂŒckgegangen waren. Schließlich waren wir wieder zurĂŒck an Gilman’s Point, und es begann der lange, technisch nicht schwere, aber doch fĂŒr mich erschöpfende Abstieg. WĂ€hrend die meisten anderen den Weg durch den Schotter hopsend nach unten nahmen, fehlte mir dazu die Kraft in den Beinen und ich musste den ganzen endlos langen, beschwerlichen Serpentinenweg nach unten laufen. Ewig kam es mir vor, bis die Kibo Hut ins Blickfeld kam, und auch dann schien mir der Weg noch endlos lang. Meine Beine waren völlig erschöpft, kraftlos, gefĂŒhllos, schwer wie Blei und liefen nur noch mechanisch, langsam, einen Schritt vor den anderen setzend. Doch schließlich, um 11:40 Uhr, ĂŒber 1 Stunde nach den anderen unserer Gruppe, erreichte ich ĂŒbermĂŒdet das Ziel. Mein einziger Wunsch, den ich seit ein paar Stunden hegte, war es, ins Bett zu fallen und zu schlafen. Der wurde nun endlich wahr, und nachdem ich zunĂ€chst noch fĂŒr einige Minuten zu aufgewĂŒhlt war, fiel ich dann fĂŒr 2 Stunden doch in einen tiefen Schlaf und ins Reich der TrĂ€ume.

Leider wurden wir um 13:30 Uhr bereits wieder geweckt, denn es ging noch weiter zur Horombo Hut, um dort die letzte Nacht des Treks zu verbringen. Erstmal gab’s ein wenig zu essen, wobei ich schon gar nicht mehr weiß, was. Danach fĂŒhlte ich mich etwas gestĂ€rkt und natĂŒrlich auch ausgeruht, wenn ich auch nicht wirklich viel essen konnte, aber ich schaffte es immerhin problemlos, meine Sachen zusammenzupacken, die letzten EindrĂŒcke des mittlerweile völlig ĂŒberfĂŒllten Camps in mich aufzunehmen, um dann schließlich aufzubrechen. Wie gut hatten wir es gestern, als wir die einzigen waren, die hier bei der Kibo Hut zelteten! Was ich vor 2 Stunden noch nicht fĂŒr möglich gehalten hatte, funktionierte nun tatsĂ€chlich: ich konnte mit relativ guter Kraft und ausgeruhten Beinen losgehen, die sich nicht mehr bleischwer anfĂŒhlten. Mittlerweile hatte es (mal wieder) zu regnen angefangen, die ganze Landschaft war in eine milchige Suppe gehĂŒllt, aber das war nicht weiter schlimm, da es fĂŒr die restlichen 3 Stunden des Wegs heute wieder ĂŒber den Kibosattel ging, der außer SteinwĂŒste nicht viel bot und den wir in seiner Eintönigkeit ja schon am Vortag erlebt hatten. Nach ca. 2 Stunden tauchten dann erste BĂŒsche auf, schließlich sogar ein paar Senecien, und gegen 17:30 Uhr erreichten wir ĂŒber einen steinigen Pfad die Horombo-HĂŒtten. Und auch hier war ich wieder froh, zelten zu dĂŒrfen und nicht in den engen, dunklen HĂŒtten schlafen zu mĂŒssen, die auch keine wirklich einladenden SanitĂ€ranlagen hatten. Allerdings war es auch gut, dass wir die (eher trockene) Rongai-Route fĂŒr den Aufstieg gewĂ€hlt hatten, denn bei dem Nieselregen war der Boden hier, auf dem das Zelt stand, matschig und aufgeweicht. Wie mag das erst bei Platzregen aussehen! So k.o., wie wir waren, nahmen wir noch eben ein kleines Abendessen zu uns und gingen dann gegen 19 Uhr zu Bett. Trotz der LĂ€rmkulisse um uns herum fielen wir dann auch sofort in einen tiefen Schlaf.

Dienstag, 12.02.2008 (Tag 6): Horombo Camp – Marangu Gate

Der letzte Tag des Treks stand an. Und da Franco vor dem meist gegen Mittag einsetzenden Regen am Ziel sein wollte, war frĂŒhes Wecken um 6 Uhr angesagt. Zum ersten Mal war ich heute nicht vor dem Wecken wach, sondern wurde im Schlaf ĂŒberrascht, kein Wunder bei meinem Schlafdefizit! Nach dem FrĂŒhstĂŒck wurde dann fĂŒr Hermann und mich, wie das hier so ĂŒblich ist, sehr schön das Kilimanjaro-Lied gesungen, danach verteilte ich unser Trinkgeld, das wir gestern zusammengelegt hatten, bei 2 Leuten ein recht teurer Spaß, da sich die Trinkgeldsumme halt auf nur wenige Wanderer verteilte. Aber unser Team hat wirklich einen guten Job gemacht! Wir gaben fĂŒr die 4 Porter je US-$ 40, fĂŒr Ramadan, den „Kellner“ US-$ 45, fĂŒr Hossein, den Koch, US-$ 50, fĂŒr John US-$ 60 und fĂŒr Franco US-$ 70, was wohl fĂŒr alle okay war. Hermann spendete noch einen Teil seiner AusrĂŒstung, die er nicht mehr brauchte, ich hatte nur je 1 Hemd, 1 Hose, 1 T-Shirt und 1 altes Baseball-Cap, die dankbar angenommen wurden. Anschließend war dann frĂŒher Aufbruch, gegen 7:15 Uhr liefen wir los, die letzten 19 km bis zum Marangu Gate lagen vor uns. Bis kurz vor den Mandara Huts war die Landschaft eher noch von GebĂŒsch beherrscht, viel Baumheide und ein paar Senecien in kleineren Taleinschnitten. Zu den Seiten gab es hĂŒbsche Weitblicke ĂŒber die HĂ€nge des Kili mit einem kleine Nebenkrater und bis zum Mawenzi. Schließlich, nach ca. 2 Stunden, erreichten wir dann die Baumgrenze, und wĂ€hrend sich die Vegetation bisher nicht wesentlich von der auf der Nordseite des Bergs unterschied, war der Wald, durch den wir nun liefen, richtiggehender Urwald, mit Flechten, Moosen und Farnen, sehr pittoresk. Hier begegneten uns auch die ersten Aufsteiger auf der Standardroute, der Marangu-Route, auch „Coca Cola-Route“ genannt, und es wurden mehr und mehr. Laut Franco befanden sich auf dieser Etappe heute 96 Touristen, bei durchschnittlich ca. 3 tansanischen Begleitern pro Tourist kamen uns also so ca. 400 Leute entgegen. Das passierte aber alles auf einem recht kurzen StĂŒck, rasch war der „Spuk“ danach schon wieder vorbei, so dass wir die Landschaft wieder in Ruhe genießen konnten. Schließlich kamen wir gegen 10:15 Uhr als erste Berg-“Absteiger“ bei den Mandara Huts an, legten eine (allerdings recht kurze) Pause ein, in der dennoch, entgegen unseren Bitten am Morgen, schon wieder fĂŒr uns gekocht wurde, diesmal GemĂŒse-Kartoffel-Eintopf. Gegen 11 Uhr brachen wir dann aber schon wieder auf. Jetzt konnten wir noch weiter den dichten Urwald genießen, irgendwann turnte direkt neben uns im GebĂŒsch sogar eine Gruppe „Blue Monkeys“ (Diadem-Meerkatzen) umher, die wir bei den HĂŒtten zwar schon gehört, aber noch nicht gesehen hatten. SpĂ€ter kamen uns dann noch einmal Touristen entgegen, die sich auf ihrer ersten Etappe vom Marangu Gate zu den Mandara Huts befanden, allerdings deutlich weniger als die 400 zuvor. Dass uns heute 2 Gruppen entgegen kamen liegt daran, dass man beim Abstieg immer 2 Etappen des Aufstiegs auf einmal nimmt. Überraschend fand ich hier am Berg ĂŒbrigens, dass sehr viele Asiaten unterwegs waren, sicher ca. 40 % der Touristen. Vermutlich bevorzugen diese allerdings auch den Aufstieg mit HĂŒttenĂŒbernachtung, wĂ€hrend EuropĂ€er die Zeltvariante favorisieren. Nach 5:45 Stunden, davon 45 Minuten Pause, erreichten wir schließlich pĂŒnktlich um 13 Uhr das Marangu Gate, fĂŒr viele der sehr pompöse Anfang des Treks, fĂŒr uns das erfolgreiche Ende. Wieder mussten wir uns, wie schon an den meisten (aber nicht allen) Camps in ein Buch eintragen (oder hier besser: austragen). Auf dem Parkplatz wartete ein Kleinbus, der das Team heimbrachte, nachdem wir uns von allen verabschiedet hatten, außerdem ein Taxi, das uns wieder zum Hotel fuhr. Hier stellte uns Franco die Gipfelurkunden aus, danach verabschiedeten wir uns auch von ihm, checkten ein und konnten endlich nach 6 Tagen „in der Wildnis“ die langersehnte Dusche genießen. Den Nachmittag verbrachte ich damit, gemĂŒtlich im schönen Garten des Hotels zu sitzen, zu entspannen, Tagebuch zu schreiben, die Vögel zu beobachten und die letzten Tage Revue passieren zu lassen. Am nĂ€chsten Tag sollte dann der 2., ganz andere Teil der Reise beginnen.

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