Mi. 29.11.2017 – Anreise

Aufstehen war um 5:20 Uhr angesagt, mit der Straßenbahn fuhr ich zum Hauptbahnhof, mein Zug dort ging um 6:53 Uhr, war pünktlich, rechtzeitig war ich am Frankfurter Flughafen, der Flieger von Condor hob dort nur leicht verspätet um 11:50 Uhr ab. Dafür landeten wir dann verfrüht in Holguin um 15:40 Uhr Ortszeit mit 6 Stunden Zeitunterschied. Grundsätzlich war der Flug mit Condor recht ruhig und ganz o.k., empfehlen kann ich die Fluggesellschaft aber trotzdem nicht unbedingt: beim Vorabend-Online-Check-In gab es keinerlei Möglichkeit, den Platz frei zu wählen, die Mahlzeiten waren extrem (!) spärlich portioniert und sehr einfach (1x Spaghetti Bolognese, 1x Miniwürstchen mit Kartoffelsalat), freie Filmauswahl aus dem Programm kostete 8 €, Kopfhörer nochmal extra (ansonsten konnte man nur aus 3 Filmen wählen bzw. Musik hören), aus allem wurde hier irgendwie versucht, Geld zu machen, auch den Sitzplatz hätte man wohl im Vorfeld gegen Gebühr buchen können, und natürlich gab es wieder ein stark beworbenes In-Flight-Shopping, das mir mittlerweile irgendwie antiquiert vorkommt. Das Personal war immerhin ganz nett und aufmerksam. In Holguin angekommen waren wir der einzige Flieger, trotzdem musste ich 45 Minuten an der Passkontrolle warten, jeder Tourist wurde fotografiert, außerdem waren die Beamten hier nicht wirklich diensteifrig, das dauerte halt alles seine Zeit – willkommen im Sozialismus! Nach der Passkontrolle wurde das Handgepäck nochmal durchleuchtet, das dauerte dann weitere 15 Minuten, wenigstens war mein Hauptgepäck dadurch schon auf dem Band, als ich die Prozedur endlich hinter mir hatte. Dahinter stand unser Reiseleiter Oscar, der uns unseren Bus zuwies und dann noch zum Geldwechseln schickte, da dort aber nochmal wieder dieselbe Schlange stand und es wieder eine ganze Zeit gedauert hätte, bis wir drangekommen wären, verschoben wir das erstmal auf den nächsten Tag. Die Gruppe machte einen ganz netten, ersten Eindruck, statt 14 waren wir nur 12 Leute, da 2 kurzfristig storniert hatten. Wir fuhren also ins Hotel „El Bosque“ in Holguin, das Abendessen dort war mäßig, aber essbar, leider nur lauwarm und eher geschmacksneutral. Auch das Zimmer war in Ordnung, und nach einem langen Tag fiel ich um 22 Uhr müde ins Bett.

Do., 30.11.2017 – Baracoa (Wanderung “El Balcón de Iberia”)

Aufgrund des Jetlags wachte ich um 3 Uhr auf, konnte dann aber wieder einschlafen und schlief auch bis 5 Uhr, was ganz o.k. war. Frühstück gab es um 7 Uhr, Abfahrt war um 8 Uhr. Wir fuhren die Küstenstraße entlang nach Baracoa, lt. Reiseveranstalter-Info sollte die Straße infolge der Schäden durch den Hurrikan Irma im Herbst noch gesperrt sein, das war aber offensichtlich nicht der Fall. Nur im letzten Abschnitt vor Baracoa gab es Bauarbeiten, die aber nicht unbedingt was mit dem Sturm zu tun hatten. In Mayari hielten wir an und tauschten Geld um (1€ = 1,15 CUC), konnten dann auch Oscar das Geld für die Getränke vom Vorabend zurückgeben, das er uns vorgestreckt hat. Unterwegs sahen wir mehrfach Menschenansammlungen am Straßenrand, wir erfuhren, dass das quasi Sammelpunkte für Leute sind, die irgendwo hinfahren wollen. Privatfahrzeuge gab es nämlich kaum auf Kuba, auf dem Land ist der Busbetrieb auch nur spärlich ausgebaut, dafür darf aber kein staatliches Fahrzeug unausgelastet fahren, also z.B. auch kein LKW. An den Sammelpunkten stehen dann „Offizielle“, die die Ziele der Reisenden sammeln, öffentliche Fahrzeuge (mit blauem Nummernschild, im Gegensatz zu weißen mit dem Buchstaben „P“) anhielten, die Zahl der leeren Plätze ermittelten und die Wartenden, die dasselbe Ziel hatten wie das Fahrzeug, zuwiesen. Eigentlich ein praktisches und auch nachhaltiges System! Die Mitfahrer mussten dann nur einen kleinen Obulus zahlen. Fahrzeuge, die Touristen transportieren, waren im Übrigen aber von dieser Regelung ausgenommen, weitere „Bevorzugungen“ von Touristen gegenüber der einheimischen Bevölkerung sollten wir im Urlaub noch kennenlernen. Die Landschaft war hier sehr grün, viel Obst- und Gemüseanbau (Bananen, Zuckerrohr, Maniok), dadurch wirklich sehr hübsch. An einem Verkaufsstand an der Straße kauften wir dann auch Mandarinen und sogar Mangos ein, die wir unterwegs im Bus aßen, letztere eigentlich eher untypisch für die Jahreszeit. Unschön war die Stadt Moa, die wir passierten, ehemals von den Russen erbaut, da man hier Kobalt- und Nickelvorkommen abbaute, entsprechend sah es hier dann aber auch aus, die Landschaft schien tot und öd, alles wirkte vernachlässigt und dreckig. Kurz danach begann jedoch schon der Alexander von Humboldt-Nationalpark, und sofort wurde die Landschaft wieder schöner. Wir hielten an und unternahmen unsere erste Wanderung „El Balcón de Iberia“. Die Wege waren gut zu gehen, nicht zu steil, es gab immer mal wieder schöne Ausblicke bis zum Meer, und auch mein Knie, das 1 Woche vor dem Urlaub noch durch einen Fahrradsturz sehr in Mitleidenschaft gezogen und geschwollen war, hat diesen ersten „Belastungstest“ gut überstanden. Eine Besonderheit der Gegend sind die farbenfrohen, unter Naturschutz stehenden Polymita-Schnecken, von denen wir auch ein paar Exemplare sahen. Insgesamt waren wir ca. 4 Stunden unterwegs. Hier im Nationalpark lebten noch viele Bauern, sehr idyllisch für das Auge des Touristen, aber doch unter recht einfachen Verhältnissen. Kaum dass wir am Bus ankamen, wurde es plötzlich rasch dunkel, wir mussten aber noch 1 Stunde weiterfahren über eine sehr schlechte Straße, bis wir schließlich in Baracoa an unserem Hotel „El Castillo“ ankamen, schön über der Stadt gelegen und mit tollem Ausblick. Nach einem Platzregen gingen wir um 20 Uhr zum Essen in die Stadt, sehr lecker, es gab Suppe, Fisch, Fleisch, Gemüse, Salat und Flan so viel man wollte von Platten, die für alle auf den Tisch gestellt wurden, alles zusammen kostete 12 CUC, dazu noch 2 CUC für ein Bier. Gegen 22:30 Uhr waren wir wieder müde und k.o. im Hotel nach einem langen Tag, die Zeitverschiebung steckte einem ja auch noch in den Knochen. Im Zimmer stieß ich dann beim Anschalten des Lichts auf 1 Kakerlake – na ja, ich hoffe, es bleibt die einzige, ansonsten war das Zimmer nämlich o.k. und eigentlich auch sauber, ich fürchte eher, das Obst, das ich noch da liegen hatte, hat sie angelockt.

Fr., 01.12.2017 – Baracoa (Wanderung “El Yunque”, Stadtrundgang)

Gut und ruhig habe ich geschlafen, das Frühstück, das es morgens gab, war sehr lecker und reichhaltig, auch frische Eierspeisen mit Gemüse, Schinken oder Käse wurden nach Wunsch bereitet. Um 8 Uhr fuhren wir los und in ca. 30 Minuten zum Startpunkt unserer heutigen Wanderung auf den Tafelberg „El Yunque“, den ich schon vom Balkon meines Hotelzimmers aus sehen konnten. Die Tour war um einiges anstrengender als die vom Vortag, denn sie war deutlich steiler, im feucht-warmen Regenwald mussten mehr als 300 Höhenmeter überwunden werden. Vor dem eigentlich Aufstieg auf den Berg stand noch eine etwas größere Flussquerung an, trotz Niedrigwasser stand das Wasser bis über die Knie, schön kühl bei dem warmen Wetter. Nach dem Fluss wurde eine Kakaoplantage durchquert, die gut zu durchwandern war. Danach war die Tour nicht mehr so abwechslungsreich, es ging meist durch dichten Urwald ohne großartige Aussicht, wie gesagt steil und auch sehr matschig! Wir sahen viele kleine Eidechsen, einige Vögel und 2 Schlangen, aber zum Glück sind auf Kuba ja alle Schlangen ungiftig, außerdem verschwanden die Tiere auch sofort im Gebüsch, als wir uns ihnen näherten. Nach der Hälfte des Aufstiegs wartete ein Stand auf uns, an dem ein Kubaner für 1 CUC pro Person aufgeschnittenes Obst verkaufte, soviel man wollte, das Angebot nahmen wir natürlich an und die frischen Früchte (Mandarinen, Orangen, Pomelos, Bananen) schmeckten wirklich sehr lecker, supersaftig und erfrischend. Anschließend wurde der Weg noch steiler und rutschiger, bis wir schließlich aber doch den Gipfel erreichten. Manchmal waren die Stöcke, die ich mit hatte, etwas hinderlich, vereinzelt gab es auch (wenig vertrauenserweckende) Geländer, an denen man sich hätte festhalten können, i.A. war es aber gut, die Stöcke dabei zu haben, v.a. beim Abstieg, um die Knie zu schonen, außerdem war der Weg bergab manchmal glatt wie Schmierseife. Die Aussicht vom (überraschend kleinen) Gipfel war toll, rings um uns nur Urwälder, außerdem die Stadt Baracoa am Meer mit ihrem schönen, natürlichen Hafenbecken. Zurück ging’s auf demselben Weg, gerade, als wir wieder den Obststand erreichten, konnten wir uns unterstellen, um einen Regenschauer abzuwarten, da hatten wir großes Glück! Unten am Fluss angekommen konnten wir noch kurz baden – eine angenehme Erfrischung! An einem weiteren Verkaufsstand auf dem Rückweg gab es noch frischen Kakao, lecker und ganz anders als bei uns, sehr geschmacksintensiv, obwohl nur sehr wenig Milch drin war. Schließlich ging’s mit dem Bus zurück zum Hotel, wo wir erstmal ausgiebig duschten. Um 18 Uhr unternahmen wir noch einen kleinen Stadtbummel in dem hübschen und überschaubaren Ort mit seiner Fußgängerzone. In der Post dort kauften wir Zugangskarten mit PIN-Code für die öffentlichen WLAN-Netze (bzw. die WLAN-Netze der Hotels), 1 Karte berechtigte zu jeweils 1 Stunde WLAN und kostete 1 CUC. Im Restaurant „La Fortaleza“ direkt am Meer aßen wir lecker zu Abend, wenn auch nicht ganz so gut wie am Vortag. Um 21 Uhr waren wir dann noch in der „Casa de la Trova“, wie die örtlichen „Tanzschuppen“ hier häufig heißen, und um diese Uhrzeit fing auch eine Band an zu spielen, die gute Musik machte und für nette Stimmung sorgt. Der Chef des Ladens war ein skurriles Unikum, machte launige Ansagen und versah einige Gäste mit „Spitznamen“ wie „Hemingway“ oder „Champion olympico“, passend zu ihrem Aussehen. Wir tranken einen Mojito und lauschten der Musik für ca. 45 Minuten, zum Glück bin ich nicht in die Bredouille gekommen, von einer Kubanerin zum Tanz aufgefordert zu werden, da sind die sehr selbstbewusst und lassen sich auch nicht so leicht abwimmeln…! Um 22 Uhr waren wir wieder im Hotel, ich nutzte zum ersten Mal das hiesige WLAN mit meiner neu erworbenen Karte, was gut klappte, schrieb Tagebuch, bestaunte den Regen, der herunterprasselte, wie immer mal wieder den ganzen Tag über, und ging schließlich ins Bett.

Sa., 02.12.2017 – Fahrt von Baracoa nach Santiago de Cuba

Trotz langer Strecke wurde das heute ein entspannter Fahrtag, was aber auch daran lag, dass wir immer mal wieder Pausen einlegten, auch, wenn heute nicht wirklich viele Besichtigungen auf dem Programm standen. Abfahrt war um 8:30 Uhr bei immer noch wechselhaft-regnerischem Wetter, zunächst über eine berüchtigt kurvenreiche Straße bis zum Bergpass La Farola, wobei ich die Kurven bei weitem nicht so schlimm empfand wie befürchtet. Wohlweislich hatte ich mich heute schon extra nach vorne neben den Fahrer auf den freien Platz gesetzt, hatte aber keinerlei Probleme mit Übelkeit, zumal Raúl, unser Fahrer, sehr vorsichtig und aufmerksam fuhr, wie auch immer im Verlauf des ganzen Urlaubs. An der Passhöhe wurde unser Bus sofort umlagert von Einheimischen, die Dinge zum Verkauf anboten, z.B. Cucurucho, eine hiesige Spezialität aus Kokos und Honig, von der ich auch etwas kaufte und die wirklich lecker war, wenn auch sehr süß, 1 Tütchen kostete 1 CUC. Die Aufdringlichkeit der Verkäufer hier oben war ungewöhnlich, bisher hatten wir so etwas in Kuba noch nicht erlebt, die meisten Leute waren eher zurückhaltend und nett, was sich später aber auch wieder ändern sollte, speziell in den Touristenhochburgen, wo man dann doch teilweise wieder etwas penetranter wurde, wenn das auch bei weitem nicht für alle Verkäufer galt. Schließlich ging es vom Pass aus wieder hinunter bis ans Meer, plötzlich in eine ganz andere Landschaft, viel trockener, mit Kakteen bewachsen. Am Strand von Iméas machten wir eine Pause, schöne Korallen gab es hier in den Felsen am Ufer zu sehen, das Angebot zu baden nahm aber nur einer von uns an, so verlockend war das hier nicht. Der nächste Halt fand an einem Aussichtpunkt oberhalb von Guantánamo statt, davon hatte ich aber etwas mehr erwartet. Abgesehen davon, dass das Wetter noch recht bewölkt war und daher die Sicht nicht so gut, war die amerikanische Militärbasis auch viel weiter weg als gedacht, daher nicht wirklich gut zu erkennen. Die Landschaft an der Küste insgesamt war auch sehr weitläufig und flach, was einem Blick quasi aus der Vogelperspektive ebenfalls entgegenstand. Schließlich fuhren wir über die Autobahn bis kurz vor Santiago de Cuba, unseren Übernachtungsort, bogen dort aber erstmal ab und fuhren weiter bis zum berühmtesten, kubanischen Wallfahrtsort El Cobre, benannt nach den Kupferminen in der Gegend (cobre = Kupfer). Es herrschte die typische Atmosphäre eines Wallfahrtsortes mit Devotionalienständen auf dem Weg zur Kirche, wobei aber heute kaum etwas los war, dementsprechend ruhig war es auch. Die Kirche war sehr gut gepflegt, es gab viele Danksagungen von Gläubigen im Seitenschiff, z.B. Krücken nach erfolgter Heilung, auch Hemingways Nobelpreisurkunde findet man hier, gestiftet von ihm selbst, wenn auch nur in Form einer Kopie, nachdem das Original schon öfters geklaut worden sein soll. Die Landschaft drum herum war aufgrund des Bergbaus nicht so furchtbar schön, der Bergbau war aber seit der Wende und dem darauffolgenden Niedergang des Ostblocks eingestellt worden, da plötzlich die Aufträge wegbrachen, jetzt setzt man eher auf Tourismus.