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Route 62 & De Hoop

Mi., 03.04.19: Oudtshoorn, Swartberg Pass

Abschied von der Garden Route und (vorĂŒbergehend) von der KĂŒste. Ein zweites Mal genossen wir das leckere und sehr abwechslungsreiche FrĂŒhstĂŒck in unserer Unterkunft, heute gab es warme, gefĂŒllte Champignons und eine Art Quiche. Danach fuhren wir los, ĂŒber die sehr große und gepflegt wirkende Stadt George mit vielen Einkaufsmöglichkeiten ging es in die Berge, ĂŒber den Outeniqua-Pass Richtung Oudtshoorn. Vor wenigen Wochen noch hatte es hier gebrannt, die Spuren sah man deutlich, dazwischen spross aber schon wieder jede Menge frisches GrĂŒn. Auf der Weiterfahrt passierten wir das einzige Hopfenanbaugebiet SĂŒdafrikas und um kurz nach 11 Uhr trafen wir in Oudtshoorn auf der Safari-Straußenfarm ein. Wir hatten hin und her ĂŒberlegt, ob wir uns in der „Straußenhauptstadt“ der Welt eine Straußenfarm anschauen sollten, da das teilweise sehr kontrovers diskutiert wird, hatten uns dann allerdings doch dazu entschlossen, jedoch darauf geachtet, dass es keine ist, auf der Straußenreiten angeboten wird. TatsĂ€chlich scheint dieses nur noch auf wenigen Farmen gemacht zu werden, die meisten haben diese Form der TierquĂ€lerei mittlerweile eingestellt. Leider hatte eine FĂŒhrung ĂŒber die Farm bei unserer Ankunft gerade begonnen und wir mussten bis 12 Uhr bis zur nĂ€chsten FĂŒhrung warten. Auf der Tour sah man dann auch nicht die eigentlichen Zuchttiere, sondern fuhr erst 20 Minuten auf dem AnhĂ€nger eines Treckers durch verschiedene „Show-Gehege“ und lief spĂ€ter noch an einigen Tieren vorbei, erfuhr dabei aber doch einiges Interessantes ĂŒber diese grĂ¶ĂŸten Vögel der Welt. Negativ fand ich, dass manche Tiere unter den FlĂŒgeln bzw. am Körper doch etwas gerupft aussahen, möglicherweise ein Zeichen von Hospitalismus, dennoch schienen die Gehege hier einigermaßen groß, die Tiere ansonsten weitgehend gesund und auch neugierig. Aggressivere Tiere hatten, Ă€hnlich wie ein Bulle, einen Ring durch die Nase, damit sie anderen nicht die Federn herauspickten. Wie wir erfuhren, werden Strauße vor allem zur Produktion von Leder gehalten, der Wichtigkeit nach folgten dann Fleisch, Eier und schließlich Federn. Die Eier können ein Gewicht von ĂŒber 200 Kilo tragen, deshalb konnte man sich wĂ€hrend der Tour auch einmal auf (unbefruchtete) Eier draufstellen, um das zu testen. außerdem konnte man die Strauße mit Luzerne-Pellets fĂŒttern, wobei die ganz schön wild zuhacken konnten, meine Hand hat das noch eine ganze Zeit danach gespĂŒrt! Die Tour war letztlich nichts Aufregendes, bot aber doch einen ganz interessanten Einblick in einen hier zumindest in der Vergangenheit doch recht eintrĂ€glichen Wirtschaftszweig: um die Jahrhundertwende, als Straußenfedern als Mode-Accessoires in Europa hoch im Kurs standen, haben es einige „Straußenbarone“ in Oudtshoorn zu ansehnlichem Reichtum geschafft.

FĂŒr den Rest des Tages hatten dann wir geplant, ĂŒber den berĂŒhmten Swartberg-Pass zu fahren. Bis kurz hinter den Cango-Höhlen war das zunĂ€chst problemlos, die Straße gut asphaltiert. In einem familienbetriebenen Lokal (“Kobus Se Gat”) unmittelbar vor Beginn des Passes aßen wir zu Mittag noch eine Kleinigkeit, nĂ€mlich am Grill geröstetes Brot („Roosterkoek“), so eine Art Sandwich mit verschiedenen BelĂ€gen, lecker und recht gĂŒnstig. Dann ging es auf den ab hier bis zum nördlichen Ende nicht mehr asphaltierten Pass, der angeblich auch problemlos mit jedem PKW befahrbar sein soll. Ich muss allerdings sagen, dass speziell die SĂŒdseite doch von extrem schlechter QualitĂ€t war, teilweise konnte man nur im Schritttempo fahren, die bisher schlechteste Schotterstraße, die wir in diesem Urlaub unter den RĂ€dern hatten. Die Auffahrt war dennoch ganz hĂŒbsch, nach den vorherigen Schilderungen war ich aber erstmal ein bisschen enttĂ€uscht, wirklich sensationell fand ich das jetzt nicht. Unterwegs suchten und fanden wir noch drei Geocaches, außerdem sahen wir einige Klippschliefer und zwei Klippspringer hier in ihrem typischen Lebensraum. Vom höchsten Punkt an, 1585 m ĂŒber dem Meeresspiegel, ging es anschließend wieder bergab. Überraschenderweise war die Straße jetzt von besserer QualitĂ€t und die Landschaft wurde um einiges spektakulĂ€rer, man fuhr in z.T. atemberaubenden Serpentinen hinab in einen Canyon, der mich stark an die Wadis im Oman erinnerte. Nachdem ich bei der Auffahrt erst noch skeptisch war, ob sich die Tour wirklich gelohnt hat, hĂ€tte ich die Frage bei der Abfahrt eindeutig mit ja beantworten können. Leider war die Zeit mittlerweile fortgeschritten, tief im Tal herrschte schon Schatten, die Spitzen des Canyons waren aber noch toll beleuchtet. Gegen 16:30 Uhr schließlich hatten wir diese dann doch noch ĂŒberraschend spannende Tour hinter uns gebracht, es folgten jetzt noch etwas ĂŒber 100 km RĂŒckfahrt auf Asphalt bis Oudtshoorn, die landschaftlich ebenfalls durchaus ansprechend war, leider hatten wir keine Zeit mehr, beispielsweise am Meiringspoort Wasserfall zu halten, was sich durchaus auch lohnen sollte. Auf alle FĂ€lle war die Strecke deutlich abwechslungsreicher als die Fahrt durch die Karoo auf der N1 vor einigen Tagen. Kurz vor Oudtshorn verzögerte sich die Weiterfahrt leider noch einmal etwas wegen mehrerer lĂ€ngerer Baustellen, gegen 18:15 Uhr waren wir dann aber in unserer Unterkunft, die interessanterweise In einer „gated community“ lag, wir uns also erst per Klingel am Tor anmelden mussten. Zum Abendessen gingen wir zu Fuß in das nahegelegene Restaurant „Nostalgie“, das bei Tripadvisor ganz oben stand und uns auch von der Wirtin empfohlen wurde. Der Service war nett, wenn auch etwas unorganisiert, das Essen aber wirklich gut, vor allem auch mein Bobotie und mein Malvapudding, das Bobotie hier ĂŒbertraf das vom Vortag, das mein Freund im Flava Restaurant in Wilderness hatte, deutlich. Satt und mĂŒde ging es zurĂŒck in die Unterkunft und dort auch bald ins Bett.

gefahren: 264 km

Do., 04.04.19: Route 62, Potteberg Guest Farm

Der heutige Donnerstag wurde ein inaktiver Tag, das lag allerdings vor allem auch am Wetter. Wir standen frĂŒh auf, frĂŒhstĂŒckten gegen 8 Uhr, das FrĂŒhstĂŒck war ganz okay, wenn auch ohne warme Speisen, aber fĂŒr den Preis der Unterkunft noch akzeptabel, schließlich war es die preiswerteste Nacht, die wir in SĂŒdafrika verbrachten. Eine Stunde spĂ€ter brachen wir dann auf und fuhren zunĂ€chst noch einmal zum Einkaufen in einen Pick’n’Pay-Markt, da die letzten zwei NĂ€chte in einem Ferienhaus anstanden und wir uns z.T. selbst versorgen mussten, da kaum Restaurants in der NĂ€he waren. Außerdem zogen wir noch einmal Geld bei der Standard Bank, denn die nĂ€chste Unterkunft musste in bar bezahlt werden. Danach ging es dann los auf die Route 62, die zu den landschaftlich schönsten Straßen SĂŒdafrikas zĂ€hlen sollte. Der erste Teil war noch recht flach und wĂŒstenhaft, das Tal weit. Hinter Calitzdorp wurde die Straße dann allerdings zunehmend kurvig, die Berge rĂŒckten nĂ€her an die Straße heran, so hatte ich mir das nicht vorgestellt, dadurch war die Fahrt durchaus abwechslungsreich. Viele Stopps legten wir nicht ein, einen etwas lĂ€ngeren nur auf einen Cappuccino bei Ronnie‘s Sex Shop, einem vor allem bei Touristen wegen des Namens beliebten Lokal mitten im Nirgendwo. Der Name soll angeblich auch nur daher rĂŒhren, dass Freunde des Besitzers ihm zu mehr Umsatz verhelfen wollten und so ĂŒber Nacht den Zusatz „Sex“ auf seine Werbeaufschrift pinselten. Scheint ja zu wirken
 Kaum saßen wir wieder im Auto, fing es leider an zu regnen, und das sollte auch die nĂ€chsten Stunden so bleiben. Über Barrydale, wo wir noch einmal tankten, ging es weiter Richtung SĂŒden, nach einem kurzen StĂŒck auf der N2 mussten wir dann allerdings wieder auf Schotterstraßen abbiegen, und die sollten uns nicht nur fĂŒr die letzten 50 km des heutigen Tages, sondern auch noch fast durchgĂ€ngig bis ĂŒbermorgen Mittag begleiten, vorher sollten wir nur ganz kurze, asphaltierte StĂŒcke Straßenbelag sehen. Zum GlĂŒck waren die Wege hier aber einigermaßen gut befahrbar, aufgrund des Regens allerdings leider heute recht matschig, das Auto sah hinterher verboten dreckig aus. Bei Malgas nutzten wir die einzige, handbetriebene FĂ€hre SĂŒdafrikas zur Überquerung des Flusses, die 2 MĂ€nner, die die Plattform nach dem Prinzip der GierfĂ€hre ĂŒber den Fluss zogen, hatten trotzdem ganz schön zu tun. Gegen 14:30 Uhr kamen wir schließlich in unserer Unterkunft an, der Potteberg Guest Farm. Zwar war niemand zuhause, es hing aber ein Zettel an der TĂŒr mit allen Anweisungen, also bezogen wir erstmal unser Appartement, zogen uns kurz um und fuhren dann zum nahegelegenen Nebeneingang des De Hoop Naturreservats, wo wir eine 6 km Wanderung auf dem Klippspringer Trail unternehmen wollten, da der Regen mittlerweile aufgehört hatte. Leider wurde daraus nichts, denn das Gate schloss bereits um 16 Uhr (!), bei unserer Ankunft um kurz nach 15 Uhr hĂ€tten wir die Runde nicht mal mehr zur HĂ€lfte geschafft – sehr touristenunfreundliche Öffnungszeiten! Etwas enttĂ€uscht und verĂ€rgert darĂŒber fuhren wir zurĂŒck auf unseren Bauernhof und spazierten dort noch ein wenig hinter dem Haus in die Felder zu einem Vogelbeobachtungsstand (ohne großen Erfolg), außerdem zu einem sog. „Geier-Restaurant“, einem Ort, an dem die Bauern offensichtlich ihre Tierkadaver ablegten, damit die Geier des nahegelegenen Gebirges sich dort bedienen können. Der Geruch stieg einem entsprechend auch schon hunderte Meter vorher in die Nase, Geier sahen wir leider keine, dafĂŒr jede Menge Ibisse und ein paar Raben. Nach etwa anderthalb Stunden waren wir wieder zurĂŒck, machten es uns gemĂŒtlich und warteten darauf, dass unsere Wirtin sich zeigte, die uns gegen 19 Uhr dann auch das per E-Mail im Vorfeld georderte Abendessen brachte. Es gab wiederum Bobotie wie schon an den 2 Tagen zuvor (aber das konnte sie ja nicht wissen), diesmal dafĂŒr hausgemacht und sehr lecker, mit Erbsen, Reis mit Korinthen, KĂŒrbisbrei und eingelegten, roten Beeten. Wir taten uns daran gĂŒtlich, und fielen dann gegen 21 Uhr satt und k.o. auch bald ins Bett.

gefahren: 278 km

Fr., 05.04.19: De Hoop Nature Reserve

Leider begann der heutige Tag so, wie der gestrige endete, der Himmel war durchweg bedeckt, es nieselte sogar ein wenig, keine schönen Aussichten fĂŒr einen Besuch am Strand des De Hoop Naturreservates, den wir geplant hatten. Der Wetterbericht hatte zumindest keinen Regen angekĂŒndigt
 Wir frĂŒhstĂŒcken deshalb erst einmal, und nachdem wir gestern den Klippspringer Trail nicht laufen konnten, hatte unsere Wirtin telefonisch versucht, eine Genehmigung fĂŒr uns zu erlangen, im Naturreservat zumindest einen Geieraussichtspunkt zu besuchen, was normalerweise nur im Rahmen einer gefĂŒhrten Tour möglich ist. Nachdem das geklappt hatte, fuhren wir gegen 8:30 Uhr los, zuerst also wieder zum selben Nebeneingang, dem Potteberg Gate der Naturreservats, wo man uns mit dem handgeschriebenen Zettel unserer Wirtin nach skeptischem Blick auch einließ und wo wir dann eine zum Schluss extrem steinige Schotterpiste bis zu einem Parkplatz fuhren, von wo aus man noch etwa einen Kilometer bis zum Aussichtspunkt durch herrlichen Fynbos laufen musste. Von dem Aussichtspunkt aus war die Brutkolonie einer wirklich großen Anzahl der sehr seltenen Kap-Geier zu sehen, allerdings war die Entfernung doch recht groß, ein gutes Fernglas wĂ€re hier mehr als sinnvoll gewesen, mein Teleobjektiv hat das nur z.T. ersetzt. Danach ging es zum Auto zurĂŒck, der Himmel blieb leider weiterhin bedeckt, zwischendurch hatte es einige Male kurz genieselt


Wir fuhren weiter zum eigentlichen Haupteingang des De Hoop Naturreservats, wo wir erst einmal auf den unfreundlichsten Rangers des ganzen Urlaubs trafen, und nach Erledigung der RegistrierungsformalitĂ€ten ging es weiter zum Parkplatz Kopie Alleen, um eine Wanderung die KĂŒste entlang zu unternehmen. Die Straßen zum und im Reservat waren ĂŒbrigens, wie schon gesagt, auch wieder fast durchweg Schotterpisten, die Hauptstraße in akzeptablem Zustand, die Zufahrtsstraße zum Reservat eher weniger. Nur einige wenige Meter hinter dem Gate und die letzten Kilometer bis zum Parkplatz waren allerdings asphaltiert und daher reifenschonender. GlĂŒcklicherweise – womit ich eigentlich gar nicht mehr gerechnet hatte – besserte sich das Wetter zusehends, die Sonne kann immer mehr hervor, gegen Ende des Nachmittags sollte an der KĂŒste strahlend blauer Himmel herrschen, wĂ€hrend im Hinterland weiterhin Wolken verharrten. Was hatten wir doch noch fĂŒr ein GlĂŒck! Wir liefen vom Parkplatz aus auf einem Pfad immer die KĂŒste entlang in östlicher Richtung, hier folgte eine Bucht auf die andere, fast jede schöner als die vorherige, das Wasser war tĂŒrkis, der Sand strahlend weiß, der Himmel blau, einfach ein Urlaubstraum! In einer Bucht legten wir eine Picknickpause ein, nach etwa 3 Kilometern kehrten wir wieder um, suchten und fanden noch einen Geocache und machten zum Abschluss, kurz vor Erreichen des Parkplatzes, noch einen Abstecher nach Westen, wo es keine kleineren Buchten ergab, sondern ein riesiges, weitlĂ€ufiges DĂŒnengebiet, das auch sehr reizvoll war. Das Einzige, was hier nicht so schön war, waren die Fußspuren der Menschen, die fast ĂŒberall kreuz und quer durch die DĂŒnen verliefen und so die Optik doch etwas störten. Ein kleines bisschen enttĂ€uscht war ich auch von den ĂŒberall angepriesenen Tidenpools, in denen sich bei weitem nicht so viele kleine Tiere fanden wie ich das erwartet hatte, allerdings waren wir auch recht spĂ€t nach der Ebbe da, fast schon vor der höchsten Flut, sodass vermutlich auch nicht mehr viele Pools zu finden waren. Da die Zeit inzwischen schon weiter fortgeschritten war und wir keinen Stress wollten, entschieden wir uns dazu, auf den geplanten, zweiten Spaziergang im Reservat am Binnensee, dem sogenannten Vlei, zu verzichten und fuhren stattdessen direkt nach Hause. Auch im Hinblick auf Tiersichtungen war der Tag im Übrigen durchaus noch erfolgreich, neben den Geiern konnten wir ein paar Buntböcke ablichten, einen großen Trupp Paradieskraniche und sogar zwei SekretĂ€re. Raubkatzen gab es hier keine, ich persönlich bin aber auch mit Vögeln und Antilopen durchaus zufrieden zu stellen.

gefahren: 80 km

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